Ulrich Wickert (Foto: IMAGO, Müller-Stauffenberg)

Journalist, Moderator, Buchautor

Die Facetten des Mister Tagesthemen: Ulrich Wickert wird 80

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AUTOR/IN
Dominic Konrad

15 Jahre lang ist Ulrich Wickert als Moderator der „Tagesthemen“ ständiger Gast in den Wohnzimmern Deutschlands. Sein Witz, sein Charme und seine analytische Stärke zeichnen ihn bis heute als Moderator, Autor und Journalist aus. Auch mit 80 Jahren denkt Wickert noch lange nicht ans Aufhören.

Ulrich Wickert (Foto: IMAGO, Future Image)
80 Jahre jung und noch lange nicht des Schreibens müde: Ulrich Wickert. Future Image

Ulrich Wickert, der Journalist

Nach dem juristischen Staatsexamen zieht es Ulrich Wickert 1968 in den Journalismus. Das neue Medium Fernsehen, das noch in seinen Kinderschuhen steckt, reizt den Absolventen besonders. Und so landet er dank Überredungsgeschick als Redakteur beim WDR, wo er bis 1977 im Team von Claus Hinrich Casdorff für das Politik-Magazin „Monitor“ berichtet. Wickert macht Karriere im Ersten. Als Korrespondent berichtet er lange Jahre aus New York, Washington und Paris, seiner zweiten Heimat.

Auch nach seiner „Tagesthemen“-Zeit nach 2006 wird Wickert des Berichtens nicht müde: Acht Jahre moderiert er zunächst im Fernsehen, später im Radio die Literatursendung „Wickerts Bücher“. Er schreibt Sachbücher zu gesellschaftlichen Themen wie Heimat oder Wertvorstellungen und kommentiert erst jüngst mit altbekannter Präzision und Schärfe die Lage der ARD.

Ulrich Wickert, der Erklärer der Nation

1991 tritt Wickert auf Wunsch von Hanns Joachim Friedrichs dessen Nachfolge als Moderator der „Tagesthemen“ an. Es ist eine Position, die er 15 Jahre, bis zum 31. August 2006, innehaben wird.

Mit der nötigen Gravitas, aber auch mehr als nur einem Quäntchen Humor schafft er es, das Publikum für sich einzunehmen. Unvergessen sind Momente wie ein Austausch mit Wolfgang Schäuble über Rotwein und Gewichtsschwankungen, aber auch galant formulierte Überleitungen („Über den letzten Stand der Dinge informiert Sie ...“) und eine Verabschiedung, mit der er seine Zuschauer*innen regelmäßig in die „geruhsame Nacht“ entlässt.

Ulrich Wickert (Foto: IMAGO, teutopress)
Als „Mr. Tagesthemen“ wird Wickert der Deutschen liebster Welterklärer. teutopress

Ulrich Wickert, der Weltbürger

„Heimat bedeutet für mich, ich fühle mich dort wohl und ich fühle mich wohlgelitten“, erzählt Wickert in einem Interview. Als Sohn eines deutschen Diplomaten wird er in Tokio geboren und verbringt er einen großen Teil seiner Jugend in Paris. Auch in den Vereinigten Staaten, wo ihn während dem Studium ein Stipendium hinzieht, fühlt er sich zu Hause.

Vor allem die französische Mentalität beschreibt Wickert den Deutschen anschaulich. In mehreren Büchern, unter anderem in „Vom Glück, Franzose zu sein“, vermittelt er ein Verständnis von französischer Mentalität, Politik, Kultur und Geschichte, gepaart mit einer gehörigen Portion Savoir-vivre zwischen Wein und unzähligen Käsesorten.

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Ulrich Wickert, der Romancier

Ganz der seriöse Journalist und Politikerklärer zeichnet Wickert seit den 1980er-Jahren für eine Vielzahl von Sachbücher verantwortlich. Doch noch vor dem Journalismus sind Krimis seine große Leidenschaft, gibt er in Interviews zu.

Diese Leidenschaft setzt er 2003 erstmals auf Papier um: Mit „Der Richter aus Paris. Eine fast wahre Geschichte“ erscheint der erste Roman mit Untersuchungsrichter Jacques Ricou. Ein Bestseller, den Wickert selbstverständlich in Frankreich spielen lässt. Ricous siebter Fall „Die Schatten von Paris“ ist jüngst zur Frankfurter Buchmesse 2022 erschienen.

Auch für die Kleinen schreibt Wickert mit Leidenschaft. Das Kinderbuch „Ritter Otto, eine Prinzessin, eine Hexe, ein Drache und ganz viel mehr“ entsteht in Zusammenarbeit mit Illustratorin Julie Völk und zeigt die Offenheit von Kindern, sich mit Fantasie auf die aberwitzigsten Abenteuer einzulassen.

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Ulrich Wickert, der mit dem Augenzwinkern

Der Schalk saß ihm schon immer im Nacken. Mit 14 Jahren, so erzählt es Wickert selbst, sei er aus dem Konfirmandenunterricht geflogen, weil er dem Pfarrer einen Streich gespielt habe.

Ob die eine oder andere lustvolle Umschreibung in 15 Jahren „Tagesthemen“ oder ein wohl platziertes Bonmot in einem Interview: Um eine gute Pointe ist Ulrich Wickert nie verlegen. Mit Witz, Charme und einem großen Blick fürs Ganze begeistert er auch 16 Jahre nach der Nachrichtensprecher-Karriere die Bundesrepublik.

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