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Der Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij ist diplomatisch heikel. „Es scheint Selenskij darum zu gehen, die Situation in den abtrünnigen Gebieten in der Ostukraine zu bearbeiten“, analysiert die Osteuropa-Expertin Petra Stykow im Gespräch mit SWR2.

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Die Professorin an der Universität München ist der Ansicht, die von Russland-freundlichen Rebellen regierten Gebiete um Donezk und Lugansk hätten begonnen „eine faktische Staatlichkeit zu entwickeln“. Sie argumentiert: „Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung, die drumherum wohnt, das Thema zu den Akten gelegt hat“.

Jüngste Äußerungen Selenskijs, die selbsternannten Volksrepubliken mit einer Mauer abzutrennen, zeigten Hilflosigkeit. Das so genannte „Normandie-Format“, bei dem Deutschland und Frankreich mit der Ukraine und Russland eine Lösung des Konflikts suche, habe zu wenig gebracht. „Selenskij möchte das Format erweitern und die USA mit einbeziehen“, meint Petra Stykow.

Das zweite Anliegen von Selenskij bei seinem Gespräch mit Merkel sei die Aufnahme der Ukraine in die NATO. Da werde der Gast aus Kiew aber keinen Erfolg haben, prophezeit Stykow: „Das macht die NATO nicht, weil sie keine Staaten aufnimmt mit heißen territorialen Konflikten. Außerdem braucht die Ukraine dafür Reformen“, begründet sie. Das müsse die Kanzlerin Selenskij klarmachen.

Prof.Dr. Petra Stykow hat eine Ausbildung als Übersetzerin und studierte Dresden und in Moskau Geschichte und Politikwissenschaft. Sie ist seit 2004 Professorin am Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft der Universität München, wo sie zu politischen Systemen in Osteuropa und Eurasien forscht.

Kommentar Wladimir Putin verdreht Fakten zum Ukraine-Konflikt – „Die Zeit“ hilft ihm dabei

Der Gastbeitrag des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin in der Wochenzeitung „Die Zeit“ am 24. Juni sei indiskutabel, meint Russland-Korrespondent Thomas Franke in seinem Kommentar für SWR2. Putin verlasse in seinem Beitrag zum 80. Jahrestag des Überfalls des Deutschen Reichs auf die Sowjetunion die Basis der Fakten. „Die Zeit“ habe damit einem fairen Diskurs keinen Gefallen getan.  mehr...

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