Gespräch

Rechtsextremismus-Experte Meisner: Ukraine-Krieg treibt Vernetzung von Querdenkern voran — Putin füttert Verschwörungsgläubige

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Wilm Hüffer

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine irritiert die Querdenker-Bewegung nicht, sondern liefert ihnen nur ein neues Thema, meint der Journalist und Rechtsextremismus-Experte Matthias Meisner im Gespräch mit SWR2.

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Wiederkehrende, Putin-freundliche Akteure in der Szene

„Das schließt daran an“, so Meisner unter Hinweis auf die Kontinuität der Theorien und der Akteure seit der „Mahnwachenbewegung“ aus dem Jahr 2014, die bereits Putin-freundlich gewesen sei, über die Hygiene-Demos von 2020 bis heute.

„Wir haben es mit einem wachsenden Misstrauen gegen Qualitätsmedien zu tun“, ordnet Meisner den ideologischen Hintergrund ein. Dieser sei allerdings keineswegs homogen; es gebe auch Sympathien für die Söldner des rechtsnationalistischen Asow-Regiments, das im aktuellen Krieg auf Seiten der Ukraine kämpft.

Misstrauen gegenüber westlichen Medien und Regierungen

Vorherrschend sei jedoch eine pro-russische Sicht. „Da wird die Legende verbreitet, der Westen würde die Ukraine ermutigen, im Donbass zu kämpfen“, berichtet Meisner über Nachrichten in den digitalen Netzwerken der Szene. Ebenso werde über US-finanzierte Bio-Labore in der Ukraine gemunkelt. Meisner, der auch Co-Autor eines neuen Buchs („Fehlender Mindestabstand“) zu Verschwörungsmythen ist, glaubt: „Es gibt genug Leute, die den Mist weiterverbreiten.“

Insgesamt sieht er eher eine Vermischung diverser Themen — von der Medienkritik über das Leugnen der Klimakrise und der Corona-Pandemie bis zum Ukraine-Krieg. „Ich würde noch nicht zum Finale blasen“, ist Meisner skeptisch, was den Zulauf zur Querdenker-Szene angeht: „Der Streit wird weitergehen — im Netz und auf der Straße.“

Über Matthias Meisner

Matthias Meisner ist freiberuflicher Journalist in Berlin. Er hat für die Berliner Zeitung „Tagesspiegel“, die „Sächsische Zeitung“ und für die „Deutsche Presseagentur dpa“ gearbeitet. Seine Spezialthemen sind Menschenrechte, Geflüchtete und Rechtsextremismus. Mit Heike Kleffner hat er im Herder-Verlag das Buch „Fehlender Mindestabend“ herausgegeben, das sich mit der Corona-Krise und den Netzwerken von Demokratiefeinden befasst.

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