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INTERVIEW

Es gebe kaum jemanden im Spektrum des Rechtspopulismus, der sich nicht auch auf Thilo Sarrazin berufe, sagt der Publizist Andreas Speit in SWR2 zur bevorstehenden Entscheidung einer Bundesschiedskommission über den Verbleib von Sarrazin in der SPD.

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In Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ seien rassistische und eugenische Vorstellungen zwar sehr vorsichtig formuliert, so Speit. Dennoch habe sich Sarrazin letztlich in die Tradition der Rassen- und Sozial-Hygieniker der 1920er-Jahre gestellt. „Er ist der Meinung, dass die falschen Menschen zu viele Kinder bekommen“. Ähnliche Vorstellungen habe 1927 schon Edgar Julius Jung in seinem Buch „Die Herrschaft der Minderwertigen“ vertreten.

Seit Sarrazins Bucherfolg beriefen sich Vertreter der publizistisch extremen Rechten durchgängig auf ihn, so Speit. Faktisch sei er zum Türöffner für deren Gedankengut geworden, habe den Stoff dafür geliefert, sich aus Angst vor der Globalisierung auf nationalistische Vorstellungen zurückzuziehen. Götz Kubitschek, Mitbegründer des Instituts für Staatspolitik, habe das ganz offen eingeräumt: Rammbock sei Thilo Sarrazin gewesen. „Der hat die Türen und Fenster geöffnet, durch die sie jetzt sozusagen in den Diskurs  immer mehr hineinwirken“, so Speit.

Der Journalist Andreas Speit ist unter anderem Autor des Buches „Die Entkultivierung des Bürgertums“.

SWR2 lesenswert Kritik Andreas Speit (Hg.), Jean-Philipp Baeck (Hg.): Rechte Egoshooter. Von der virtuellen Hetze zum Livestream-Attentat

Für den neuen Typ von Rechtsterroristen markiert der Anschlag von Anders Breivik in Norwegen 2011 den Ausgangspunkt. Zu seinen Nachfolgern zählt David Sonboly.

Christian Links Verlag
ISBN 978-3-96289-076-6
208 Seiten
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SWR2 lesenswert Kritik SWR2

Gespräch Drohungen eines „NSU 2.0“: Entschlossener in den Reihen der Polizei ermitteln!

Die Drohmails eines „NSU 2.0“ gegen Janine Wissler, die Fraktionschefin der Linken im hessischen Landtag, fallen mit Abfragen ihrer persönlichen Daten von einem Polizeicomputer zusammen.

Man würde sich in dem Fall ein entschlosseneres Vorgehen und mehr Aufklärung über Rechtsextremismus bei der Polizei wünschen, sagt der Journalist und Rechtsextremismus-Experte Martin Steinhagen. Die Polizei müsse die Ermittlungen in den eigenen Reihen entschlossen führen, Beamte müssten sich intern und nach außen hin lauter positionieren und außerdem müssten sich die Sicherheitsbehörden für unabhängige Studien öffnen.

Beim Thema Rechtsextremismus und Polizei wirke auch die AfD und die Rhetorik, die sie in die Öffentlichkeit trägt, als Katalysator, so Martin Steinhagen. Ihre verbalen Enthemmungen könnten bei manchen den Eindruck verstärken, dass rassistische und extrem rechte Positionen von einer Mehrheit der Gesellschaft geteilt werden.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Buchkritik Matthias Quent - Deutschland rechts außen. Wie die Rechten nach der Macht greifen und wie wir sie stoppen können.

Den Jenaer Rechtsextremismus-Forscher Matthias Quent erstaunt der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke wenig: Die Gewalt ist nicht neu, die Politik hat zu lange weggeschaut und gibt den Rechten zu sehr nach. Sein Buch "Deutschland rechts außen" liefert beunruhigende Hintergründe zu den Strategien der rechten Szene sowie Vorschläge, wie man ihr möglichst schnell begegnen sollte.
Rezension von Eva Karnofsky.

Piper Verlag
ISBN 978-3-492-06170-4
304 Seiten
18 Euro  mehr...

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