Netzkultur

Traum des Fediverse: Eine Social-Media-Welt, die uns allen gehört

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AUTOR/IN
Christian Batzlen

Das Fediverse könnte der Beginn von etwas ganz Großem sein, einer Welt sozialer Netzwerke, in der Gemeinnützigkeit im Fokus steht und nicht ein kapitalistisches Profitstreben: Es ist der Versuch, die zentralen Social-Media-Plattformen in ein dezentrales Netzwerk zu überführen.

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Ein föderales Universum

Das Fediversum oder Fediverse ist nicht weniger als das populärste Konzept der vergangenen Jahre, das die alte Plattform-Welt rund um Facebook, Twitter und Co. ablösen soll. Das Fediverse ist ein Kofferwort – zusammengesetzt aus „federation“ und „universe“ -, steht es für ein föderales Universum.

 „Das Fediverse ist der Versuch, die zentralen Social-Media-Plattformen in ein dezentrales demokratisches Netzwerk zu überführen”, sagt Jan Ulrich Hasecke, Mitglied einer IT-Genossenschaft für Server Hosting und schon seit vielen Jahrzehnten in der dezentralen Netzwelt unterwegs.

Die verschiedenen Plattformen sind verbunden

Das Fediverse ist ein durch denselben Standard verbundenes Netzwerk, in dem man dort auch unter den verschiedenen Social-Media-Plattformen liken, kommentieren und teilen kann, das heißt: Nutzer*innen der Twitter-Alternative Mastodon können zum Beispiel denen der Facebook-Alternative Friendica folgen. Und es gibt noch einige mehr:

 „PixelFed ist eine Plattform, um Bilder zu teilen, PeerTube ist eine Plattform, um Videos zu teilen, Lemmy ist eine Forumssoftware wie es bei Reddit der Fall ist... und alle diese Anwendungen, die völlig unterschiedlich funktionieren können, können trotzdem untereinander diese Signale austauschen.” so Hasecke.

Beschränkungen sind nicht möglich

Klingt wie ein neues Social-Media-Wunderland. Das seit 2018 gemeinsam genutzte sogenannte ActivityPub-Protokoll lässt nicht nur bei vielen IT-Enthusiast*innen und Open-Source-Fans das Herz schneller schlagen – sondern auch bei Organisationen, die sich für digitale Freiheitsrechte einsetzen.

So eine Freiheit birgt jedoch auch Gefahren, wie man an Donald Trumps rechtem Mastodon-Netzwerk Truth Social sieht. Man kann solche Server als Allgemeinheit zwar isolieren, beschränken kann man sie jedoch nicht.

Technisch noch etwas sperrig

Vor allem aber bringt diese dezentrale Freiheit auch Chancen für Server mit anderen, eigenen Regeln, wie Felix Roda von der Gesellschaft für Freiheitsrechte weiß. 

„Beispielsweise haben vor allen Dingen Communitys aus dem globalen Süden oder aus Ländern, die vielleicht wirtschaftlich nicht so spannend sind, oft die Erfahrung gemacht bei diesen großen kommerziellen Plattformen, dass ihre Belange dort überhaupt keine Rolle gespielt haben.“

Auch wenn es noch technisch etwas sperrig ist: Im Fediverse kann prinzipiell jeder einen Server in den Social-Media-Netzwerken aufziehen. Grenzen werden dann erst wieder durch staatliche, rechtliche Regulierung gezogen.

Vieles steckt in den Kinderschuhen

Inhaltlich jedoch müssen Nutzerinnen und Nutzer ihrem jeweiligen Server vertrauen, denn ein einheitliches Mastodon zum Beispiel gibt es in diesem Sinne nicht. Und auch sonst steckt hier noch vieles in den Kinderschuhen.

Das Fediverse könnte der Beginn von etwas ganz Großem sein, einer Welt sozialer Netzwerke, in der Gemeinnützigkeit im Fokus steht und nicht ein kapitalistisches Profitstreben. Eine Social-Media-Welt, die uns allen gehört.

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