Kulturmedienschau I 30.09.2022

Trauer um Rapper Coolio: „Gangsta’s Paradise“ machte ihn weltberühmt

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AUTOR/IN
Kristine Harthauer

Der Rapper Coolio wurde mit seinem Hit „Gangsta’s Paradise“ weltberühmt. Der Song, der auch auf dem Soundtrack des Films „Dangerous Minds“ vertreten war, brachte ihm einen Grammy ein. Jetzt ist der Rapper im Alter von 59 Jahren überraschend gestorben.

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Im Knast wegen Klamottenklau

„Gangsta’s Paradise ist der Hit, der den amerikanischen Rapper Coolio 1995 zum Star machte. Doch auf dem Höhepunkt seines Erfolges, wurde der Rapper zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 30.000 DM verurteilt. Die Welt erinnert sich:

„Coolio war – mal wieder – mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Nicht, weil er mit großen Mengen illegaler Substanzen erwischt wurde. Nicht, weil er an einem spektakulären Raub be­teiligt gewesen wäre. Nicht, weil man ihn des illegalen Waffenbesitzes bezichtigte. Nein, Coolio hatte ein paar Klamotten mitgehen lassen. In einer Boutique. In Böblingen, Baden­-Württemberg.“

Ein Hiphop-Überhit, der alles überstrahlt

Mit seiner Version eins freundlichen, poppig angehauchten und auch potentiell massentauglicheren Version des aufkommenden G-­Funk grenzte sich Coolio deutlich von Künstlern wie Dr. Dre oder Snoop Dogg ab. In seinen besten Momenten überdehnte Coolio die Genre-­Grenzen schon beinahe bis zum Swing, schaffte es aber immer auch, Pop zu bleiben.

Coolio sei die gutgelaunte, nett verpackte und radiofreundliche Alternative zur restlichen Szene gewesen, schreibt Die Welt.

„Too Hot“ appeliert an Safer Sex

Auch der Spiegel erinnert sich an Coolio und stellt seine besten Songs zusammen. Darunter: „Too Hot“.

„Coolio bekannte sich dazu, seine Prominenz nutzen zu wollen, um Botschaften unter die Leute zu tragen. „Too Hot“ basiert auf dem gleichnamigen Hit von Kool & the Gang aus dem Jahre 1979, aber in seinen Strophen rappt Coolio über Safer Sex und die Gefahren einer HIV-Infektion.“

Der Tod von Coolio bewegt nicht nur das Feuilleton. Auch zahlreiche prominente Persönlichkeiten drückten ihre tiefe Bestürtzung aus. Szene-Kollege Ice Cube schreibt auf Twitter:

This is sad news. I witness first hand this man’s grind to the top of the industry. Rest In Peace @Coolio https://t.co/vCeyn08Vsi

Auch Michelle Pfeiffer erweist ihm auf Instagram die letzte Ehre. Für den Film „Dangerous Minds“ hatte die Schauspielerin 1995 mit dem Rapper Coolio zusammengearbeitet.

Coolio starb am 28. September 2022 im Alter von 59 Jahren im Haus eines Freundes. Und weil er seinen Hit „Gangsta’s Paradise“ als Fluch und Segen zugleich beschrieb, empfehlen wir zum Abschluss dieser Kulturmedienschau diese legendären Parodie: „Amish Paradise“ von Weird Al Yankovic.

Doku Ein Junge aus Ludwigshafen - Doku über Rapper Apache 207

2019 taucht auf YouTube ein großer junger Mann auf, mit Dutt und Sonnenbrille und einer ungewöhnlichen Stimme. Einer, der Musik-Videos mit wenig Aufwand in seiner Hood dreht: In Ludwigshafen-Gartenstadt, zwischen den Plattenbauten. Apache207 heißt der Rapper, mit Hits wie „Brot“ und „Roller“ erobert er die Charts.
Ein kometenhafter Aufstieg. Nur wer ist dieser Volkan Yaman alias Apache 207 eigentlich? Kein einziges Interview hat er gegeben. Jetzt kommt er in der Amazon-Doku „Apache bleibt gleich“ selbst zu Wort, neben seinem Team aus Jugendfreunden, Rap-Kollegen und Produzenten. Eine Doku, die zur Legendenbildung beitragen soll, und die die Heldengeschichte eines Jungen erzählt, der versucht, er selbst zu bleiben.

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Doku-Serie Wer ist Kanye West? Netflix-Doku „Jeen-Yuhs” versucht hinter die Künstler-Fassade zu blicken

„Die halbe Industrie leckt sich natürlich nach ihm die Finger und er inszeniert sich als der krasse Außenseiter, der halt nicht sofort auch rappen darf, sondern nur Platten produziert“, sagt SWR2 Redakteur Max Knieriemen zur Doku-Serie über Kanye West. Der Film ist von Coodie Simmons gemacht, der West noch aus Chicago kennt. Die Trilogie über das Leben des Superstars zeigt ihn von seiner privatesten Seite und ist seit Mittwoch auf Netflix zu sehen. Für die Hip-Hop-Fans der 2000er, aber auch für Reality-TV Fans sei die Serie mit Sicherheit ein Muss, sagt Knieriemen.

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Ikone Beyoncé wird 40: Der Popstar des 21. Jahrhunderts

Beyoncé Giselle Knowles-Carter ist die Künstlerin mit den meisten Grammys, verkörpert wie kaum ein Pop-Star „Black Girl Magic“, dreht mit ihrem Ehemann, Rapper Jay-Z, ein Musikvideo vor der Mona Lisa im leeren Louvre, schreibt ein Hit-Album über ihre Eheprobleme und blickt auf eine jahrzehntelange Show-Karriere ohne große Skandale, aber mit vielen Highlights zurück — und wird nun, am 4. September 2021, gerade 40 Jahre alt.

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Serie „Almost Fly": TV-Serie über die frühen Tage des Hip-Hop in Deutschland

Deutsch-Rap ist heute so erfolgreich, dass Hip-Hop-Künstler wie Apache 207 oder Capital Bra vor Selbstbewusstsein kaum gehen können.Ganz anders zu Beginn der 1990er Jahre, als Die Fantastischen Vier und Absolute Beginner zum ersten Mal in den Charts auftauchten. Die sechsteilige Serie „Almost Fly“ erzählt von Jugendlichen in dem Örtchen Eichwald, irgendwo in der deutschen Provinz. Schwarze Breakbeats und Graffiti sind hier ungefähr genauso exotisch wie die ersten DDR-Bürger, die nach dem Mauerfall zur Jobsuche kommen. Und doch verbindet sich alles zu einem wundersam erfolgreichen Mix.

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