Gespräch

Folter-Prozess in Koblenz – Sexualisierte Gewalt im Syrien-Krieg zu wenig im Fokus

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INTERVIEW

In Koblenz läuft der weltweit erste Prozess, in dem Staatsfolter in Syrien verhandelt wird. Vor Gericht stehen zwei Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes, gegen einen ist bereits ein Urteil ergangen. Zu kurz komme in dem Prozess allerdings sexualisierte Gewalt gegen Frauen in Syrien, meint Katrin Langensiepen, Grünen-Abgeordnete im EU-Parlament, in SWR2.

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Vergewaltigungen seien in Syrien eine Kriegswaffe, sie seien Teil der „grausamen und unmenschlichen Maschinerie“ des Assad Regimes. Und es sei ganz wichtig, den Fokus jetzt darauf zu richten, weil die Stimme von Frauen kaum gehört werde.

Syrische Frauen, die Vergewaltigung und Folter in Assads Gefängnissen überleben, dürften kaum über ihre Erlebnisse berichten, würden geächtet und verstoßen, berichtet Katrin Langensiepen. Dass sich jetzt zum ersten Mal zwei Handlanger des Asssad-Regimes vor Gericht verantworten müssten, sei für viele syrische Folter-Opfer zumindest ein Zeichen.

Psychologie Kinder aus Kriegsvergewaltigungen – Trauma und Schweigen überwinden

Sie wissen oft nicht, wer ihr Vater ist. Nur, dass die Mutter im Krieg von ihm vergewaltigt wurde. „Children Born of War“ ringen um Identität und gesellschaftliche Anerkennung. Auch die überlebenden Frauen in Bosnien oder Ruanda leiden bis heute unter Ausgrenzung. Doch manche „Kinder des Krieges“ brechen das Tabu, suchen die Öffentlichkeit und rücken zugleich in den Fokus der Wissenschaft. Von Sonja Ernst. | Manuskript und mehr zur Sendung: http://swr.li/kinder-krieg | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Twitter: @swr2wissen   mehr...

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Tandem Hinsehen, wo andere wegschauen – Der Krieg gegen die Frauen im Kongo

Der Krieg gegen die Frauen im Kongo  mehr...

SWR2 Tandem SWR2

Buchkritik Christina Lamb - Unsere Körper sind euer Schlachtfeld. Frauen, Krieg und Gewalt

Von Kriegsschauplätzen berichten hauptsächlich Männer und ihr journalistischer Blick richtet sich auf das Kampfgeschehen.Was aber geschieht hinter der Front, wie erhalten sich die Menschen am Leben, versorgen die Alten, bemühen sich um Essen? Was geschieht mit Frauen und Kindern in den eroberten Gebieten, den niedergebrannten Dörfern und besetzten Städten? Diesen Fragen ging die britische Kriegsberichterstatterin Christina Lamb nach.
Rezension von Martina Wehlte.
Aus dem Englischen von Maria Zettner, Friedrich Pflüger, Heike Schlatterer, Anja Lerz und Karin Schuler
Penguin Verlag, 446 Seiten, Preis: 24 Euro
ISBN 978-3-328-60072-5  mehr...

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Koblenz

Gespräch Folter-Verbrechen in Syrien vor Gericht: Droht der Prozess in Koblenz an Wirkung zu verlieren?

Anders als im Fall des Hauptangeklagten Anwar R. steht das Verfahren gegen seinen syrischen Landsmann Eyad A. vor dem Koblenzer Oberlandesgericht vor dem Abschluss. Eyad A. werde Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit in syrischen Foltergefängnissen vorgeworfen. Es gebe aber keine Zeugenaussagen, mit deren Hilfe sich Eyad A. konkrete Verbrechen nachweisen ließen, so SWR Reporterin und Prozessbeobachterin Tina Fuchs in SWR2. Deshalb sei das Verfahren gegen ihn abgetrennt worden, während im Verfahren gegen Anwar R. weitere Zeugen gehört würden, die seine Rolle bei Verhören und Folterungen weiter klären sollten.
Hoffnungen, dass der Prozess eine Aufdeckung der gewaltsamen Folter- und Unterdrückungsmethoden des syrischen Regimes beschleunigen könne, hätten inzwischen einen Dämpfer erfahren, so Fuchs. Allein in Damaskus gebe es 40 Geheimdienstgefängnisse, in denen Menschen auf teils bestialische Weise jahrelang zusammengepfercht und gequält würden. Doch auch wenn viele Syrerinnen und Syrer den Prozess noch immer für ein wichtiges Instrument der Aufklärung hielten, hätten andere resigniert und wollten von dem Prozess nichts mehr wissen. Es sei auch ein Fehler des OLG gewesen, das Verfahren nichts ins Arabische zu übersetzten. Syrer, die kein Deutsch sprechen, könnten diesen historischen Prozess deshalb nicht verfolgen. Auch eine Dokumentation des Prozesses habe der Senat abgelehnt.  mehr...

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Koblenz

SWR-Rechtsexperte Frank Bräutigam "Die internationale Aufmerksamkeit ist groß"

In dem laut Bundesanwaltschaft weltweit ersten Strafprozess wegen Staatsfolter in Syrien hat das Oberlandesgericht Koblenz (OLG) am Mittwoch einen der beiden Angeklagten zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.  mehr...

Gespräch Abschiebung in den Bürgerkrieg? Warum Russland Syrien als sicheres Rückkehrland darstellt

Russland hat in der syrischen Hauptstadt Damaskus eine Konferenz initiiert, bei der es auch um die Rückkehr von Geflüchteten nach Syrien gehen soll. Als „relativ stabil“ bezeichnet die russische Regierung die Lage in Syrien. Dabei sei eine solche Rückkehr für die Menschen alles andere als sicher, sagt Syrien-Expertin Kristin Helberg in SWR2.  mehr...

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Film „Eine Klinik im Untergrund — The Cave“: SWR Koproduktion gewinnt Prix Italia

Der vom SWR koproduzierte Dokumentarfilm „Eine Klinik im Untergrund — The Cave“ ist mit einem Emmy Award 2020 ausgezeichent worden. Der Film war in vier Kategorien nominiert, ausgezeichnet wurde er in der Kategorie „Beste Kamera nichtfiktionale Sendung“.  mehr...

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