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Als die Mauer fiel, jobbte der Ostberliner Ilko Sascha Kowalczuk als Maurer und Pförtner. „Ich war 22 Jahre alt und stand am Rand der Gesellschaft, ich hatte nichts zu verlieren“, erzählt er in den SWR2 Zeitgenossen.

Freiheit, nichts als Freiheit

30 Jahre später erinnert sich der Historiker an „das größte Glücksgefühl, das ich je hatte, für mich zählte nur Freiheit, nichts als Freiheit“. Kowalczuk studierte Geschichte und gilt heute als einer der besten Kenner des SED-Regimes.

Wir brauchen jüngere Perspektiven

Ostdeutschland, sagt Kowalczuk, ist ein besonderer Raum mit besonderen Erfahrungen. Deshalb warnt er vor Schwarzweißmalerei bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. „Wir brauchen neue, jüngere Perspektiven.“

Buch zur Sendung:
Ilko-Sascha Kowalczuk, Die Übernahme: Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde, Verlag C.H. Beck 2019, Euro 16,95

Gespräch Wie der Westen den Osten übernahm: Ilko-Sascha Kowalczuk über 30 Jahre Deutsche Einheit

Auch 30 Jahre nach Vollzug der Deutschen Einheit erleben wir ein Fremdeln der ehemals Ostdeutschen mit der repräsentativen Demokratie. Und ein Fremdeln damit, Verantwortung und Freiheit für sich selbst zu organisieren und zu übernehmen. Darauf hat der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk in SWR2 hingewiesen. Kowalczuk führt dieses Fremdeln auf eine Art "Identitätslücke" zurück. "Viele klagen bis heute über einen Phantomschmerz", so Kowalczuk. Die Menschen, die in der DDR gelebt haben, hätten nach der Wende millionenfach ihre Arbeit verloren. Aber nicht nur das. Darüber hinaus sei durch den Mauerfall ihre gesamte Existenz in Frage gestellt worden. "Um den Arbeitsplatz in der DDR gruppierte sich das gesamte soziale, gesellschaftliche und kulturelle Leben, in das fast alle Menschen in der DDR eingebunden waren." Und just diesen Kontext hätten sie durch die Deutsche Einheit verloren.  mehr...

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