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INTERVIEW

Seit vielen Jahren unterstützt die Tübinger Missionsärztin Gisela Schneider den Kampf des Friedensnobelpreisträgers Denis Mukwege gegen sexualisierte Gewalt im Kongo. Die beiden verbindet eine jahrelange Freundschaft und der tiefe Glaube an Gott. Eine Fernsehdokumentation von SWR-Reporterin Susanne Babila geht jetzt der Frage nach, ob sich ein Jahr nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an Mukwege die Situation im Nordosten des Kongo verändert hat (Sonntag, 8. Dezember, 22:50 im SWR Fernsehen). Dazu hat Babila Gisela Schneider in den Kongo begleitet, berichtet sie in SWR2.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR2

TV-Doku „Friedenskämpfer“: Doku über Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege im Kongo

Fernseh-Doku über den Frauenarzt Denis Mukwege im Kongo (Foto: SWR, Susanne Babila)
Denis Mukwege appelliert unermüdlich an die internationale Gemeinschaft, den Krieg im Kongo beenden zu helfen. Die Tübinger Ärztin Gisela Schneider unterstützt ihn dabei. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
Flüchtlingsfrau Marta musste Hab und Gut zurücklassen, als sie vor den Milizen floh, die ihr Dorf überfielen. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
In einer Dorfkirche in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo sind Hunderte Flüchtlinge untergebracht. Viele sind krank. Die Tübinger Ärztin Gisela Schneider versucht mit einer kleinen kongolesischen Hilfsorganisation zu helfen. Doch es fehlt an allem. Die Menschen flohen nur mit den Kleidern, die sie auf dem Leib trugen. Viele husten und eine Masernempidemie ist ausgebrochen. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege ist Chirurg und Klinikchef des Hospitals Panzi. Das Krankenhaus ist mittlerweile ein Universitätskrankenhaus. Denis Mukwege eine Kapazität in der Operation von Fisteln im Unterleib. Die Vergewaltigungsopfer sind häufig inkontinent und müssen mehrere Operationen überstehen. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
Viele Kongolesen können sich medizinische Versorgung nicht leisten. Durch ein Krankenversicherungssystem will Gisela Schneider der armen Bevölkerung den Zugang zu medizinischer Behandlung gewährleisten. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege kämpft für Frieden und Gerechtigkeit im Kongo. Er lebt wie ein Gefangener auf dem Krankenhausgelände, denn er wird bedroht. Vor Jahren ist er nur knapp einem Attentat entgangen. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
Im Hospital Panzi lernt eine junge Frau zum ersten Mal in ihrem Leben das Alphabet. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
Im Kupferbau der Universität Tübingen kämpfen Dr. Denis Mukwge und die Tübinger Ärztin Gisela Schneider Seite an Seite für Frieden im Kongo und informieren die Zuhörer über die Situation im Nordosten des Landes. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen

50.000 Frauen behandelt - ein Held und ein Idol

Mukwege gelte als Held, als Idol und Vorbild im Kongo. Seit Beginn seiner Tätigkeit Anfang der 90er Jahre habe er etwa 50.000 Frauen behandelt. Wenn er irgendwo auftauche, werde geklatscht und gesungen. Die Menschen seien begeistert. „Das heißt, er vermittelt Mut, Hoffnung“ so Babila. Auch gelinge es, jetzt mehr Spendengelder zu sammeln.

Weiterhin Terror und Vergewaltigungen im Kongo

Von einem Frieden, der den Menschen wirklich helfen könne, sei man jedoch weit entfernt. „Die Situation im Nordosten des Kongo ist wirklich dramatisch“, so Babila. In Süd-Kivu gebe es weiterhin Milizen, die die Dörfer terrorisierten, Menschen dazu zwängen, in Minen zu arbeiten oder Schutzgelder zu zahlen. Auch Vergewaltigungen seien unverändert verbreitet. Die Frauen würden die Lager und die gefährlichen Zonen kennen. Man frage sich, so Babila, warum in diesen Regionen nichts passiere.

Für die Dokumentation hat Babila auch in diesen Regionen gedreht. Das Drehteam sei von einer bewaffneten Eskorte geschützt worden und habe Schutzmaßnahmen gegen eine Ebola-Erkrankung treffen müssen. Vergewaltigten Frauen falle es schwer, über ihr Schicksal zu sprechen. Sie wollten jedoch, dass die Welt davon erfahre, was sie erleiden müssten.

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