Gespräch

Südwestdeutsche Medientage: Weshalb Journalismus weiter gebraucht wird

STAND
INTERVIEW
Rainer Volk

Wenn Politiker*innen wie der CDU-Vorsitzende Friedrich über Journalist*innen sagen: ,,Wir brauchen die nicht mehr", dann führt das zu einer Orientierungskrise, sagt Christoph Picker. Es gebe einen Trend zur Direktkommunikation, der den traditionellen Medien zu schaffen mache, so der Direktor der Evangelischen Akademie der Pfalz, die die ,,Südwestdeutschen Medientage“ mitveranstaltet.

Audio herunterladen (7,5 MB | MP3)

Alle twittern, keiner prüft

,,Keiner kann sich heute mehr leisten, nicht zu twittern: Behörden, Politikerinnen, Handwerker, Prominente“, sagt Picker in SWR2. ,,Auch die Kirche setzt immer mehr auf Direktkommunikation, um sich unabhängig zu machen von den Medien."

Der bekennende Radio- und Zeitungsfan Picker sieht in der direkten Kommunikation durch Social Media durchaus Chancen, insbesondere für die Entstehung von sozialen Bewegungen. Was bei dieser Art von öffentlicher Äußerung jedoch fehle sei der Gegencheck. ,,Genau das ist die Aufgabe von professionellem Journalismus“, so Picker.

Gegen die Boulevardisierung des Journalismus

Medienhäuser und Verlage sollten nicht das nachahmen, was YouTube, Twitter, Instagram und andere Kanäle machten. ,,Ich würde mir wünschen, dass Verlage und Medien so etwas wie Widerstand entwickeln gegen Boulevardisierung und Hysterisierung und bei ihrem Handwerk bleiben.“

Generell gehe es darum, Foren der öffentlichen Kommunikation offen zu halten und einer Bildung von ,,Blasen", in denen Meinungen nur bestärkt würden, entgegenzuwirken. ,,Das ist essentiell für die Demokratie“, so Pricker.

Dr. Christoph Picker ist seit 2008 Direktor der Evangelischen Akademie der Pfalz in Landau, die die Südwestdeutschen Medientage mitveranstaltet. Picker hat Kirchengeschichte und Theologie studiert und war Pfarrer in Ludwigshafen-Oggersheim.

Gespräch Recherchezentrum Correctiv fordert Europa-Standards bei Faktenchecks

Das stiftungsfinanzierte Recherchezentrum Correctiv will mit europaweiten Standards Faktenchecks transparenter machen. Die Qualität von Faktenchecks werde bisher nicht geprüft, sagt Projektleiter Florian Löffler in SWR2. „Das öffnet der Manipulation Tür und Tor“. In der Theorie könne der Kreml in Deutschland mit einer Scheinorganisation Propaganda verbreiten und und sagen: „Wir machen Faktenchecks!“  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

STAND
INTERVIEW
Rainer Volk