Netzkultur

StudiVZ geht, doch die Gruppennamen verbinden eine ganze Generation

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AUTOR/IN
Christian Batzlen

Es gab damals quasi Niemanden, der nicht hier war und gruschelte. Viele würden sogar sagen, das Netzwerk StudiVZ gab es vor Facebook. Aber StudiVZ hatte die Idee von Mark Zuckerberg Ende 2005 ganz einfach von den USA nach Deutschland übertragen, nachdem man dort das rasante Wachstum bestaunte. Heute wwerden StudiVZ und ihre Schwester MeinVZ endgültig abgeschaltet.

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Die Gruppennamen waren Verknüpfungspunkt von analogem und digitalen Leben

Im Jahr 2009 war StudiVZ Deutschlands größtes soziales Netzwerk. Es war eine Zeit, als Fake News noch keine Rolle spielten, Hasskommentare nur von Ex-Partner*innen drohten und Nutzerdaten nicht direkt in Werbeanzeigen mündeten.

Es wurde gegruschelt, gechattet, gruppiert und sich zum ersten Mal auf breiterer Basis im Netz selbst inszeniert. Was heute Alltag ist, war damals wirklich noch Neuland.

Bei wem diese Fragen nostalgische Gefühle auslösen, der ist vermutlich mindestens 30 Jahre alt, hat sehr wahrscheinlich studiert und war sicherlich Mitglied in mindestens einer dieser Gruppen. Sie dienten der Selbstdarstellung im Netz und als Verknüpfungspunkt zwischen dem digitalen und analogen Leben.

Ein Distinktionsmerkmal zum Profilieren

Die Mitgliedschaft in solchen Gruppen diente bei StudiVZ als Distinktionsmerkmal. Die Gruppennamen waren das Erste, was ein Profilbesucher zu sehen bekam. Über sie konnte man zeigen, wer man ist, worüber man lacht und beeinflussen, wie einen andere wahrnehmen. Zeig mir deine Gruppen und ich sag dir, wer du bist.

Gemeinsam mit der sogenannten Pinnwand für eher halböffentliche Nachrichten, war dies das Instagramprofil von damals und erste Gehversuche seinen Lifestyle auszudrücken.

Echte Freunde oder Internetfreunde?

Erste Partyfotografen stellten die Bilder ihrer Digicams ins Netz und die Gesellschaft musste erst lernen damit umzugehen. Es war eine Zeit, in der man noch stritt, ob alle StudiVZ-Freunde auch echte Freunde sind oder doch nur diejenigen, mit denen man per SMS kommunizierte. StudiVZ schlug zwar noch keine Freunde vor, ermöglichte jedoch zum ersten Mal sich digital zu vernetzen mit Freunden von Freunden.

Eine digitale Revolution

Viele der Gruppennamen waren anzüglich. NIcht ohne Grund: StudiVZ war zudem eine große Datingseite, die erste ihrer Art, bei der man stalken, durch Bilder wühlen und mit Mitstudierenden Gemeinsamkeiten rausfinden konnte.

Es war die Zeit, in der man im analogen Leben nicht mehr unbedingt nach der Telefonnummer fragte, sondern ob man bei StudiVZ sei. Es sah alles mal vielversprechend aus, doch über das Start-Up selbst gab es selten gute Presse: ungesicherte Webserver, stümperhafte Programmierung, Partyeinladung im Stile eine Nazizeitung bis hin zu hauseigenen Ausspähungen weiblicher Nutzerinnenprofile.

Und trotzdem: Damals strömten bis zu 16 Millionen Nutzer ins StudiVZ-Netzwerk. Es war eine digitale Revolution, deren Gruppennamen eine ganze Generation verbindet.

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