Eichstetten Sonja Hene: Nur auf der letzten Schulbank geduldet

Stolperstein in der Hauptstraße 14

Bei einer Razzia in Frankreich wurde das 10jährige Mädchen entdeckt und nach Auschwitz deportiert.

Kurzbiografie:

Sonja Hene (*3.1.1932 in Haßloch) war die Tochter des jüdischen Kaufmanns Sigmund Hene. Nachdem der Vater von den Nationalsozialisten 1935 in Schutzhaft genommen wurde, flüchtete die Mutter Flora Hene mit ihren fünf Kindern nach Eichstetten.

Von dort versuchte sie, ihre Kinder sicher im Ausland unterzubringen. Sie meldete die beiden mittleren Kinder Karl und Vera für Kindertransporte nach England und die Schweiz an.

Obwohl nicht mehr zulässig, ließ die Gemeinde Eichstetten die Kinder noch in die ortseigene Grundschule gehen. Auch die sechsjährige Sonja durfte 1938 noch in Eichstetten eingeschult werden.

Klassenfoto aus den 30er jahren (Foto: privat -)
Sonja Hene am Tag der Einschulung (dritte Reihe, 3. von links) privat -
mehrere Personen auf einer schwarz-weiß Aufnahme, darunter Kinder, die ernst in die Kamera blicken (Foto: privat -)
Sonja bei Cousine Susanne Silberschmidt in Melun (ganz links) privat -

Mutter Flora brachte Sonja nach wenigen Monaten in Melun bei Paris bei der Cousine Susanne Silberschmidt unter. Dort ging Sonja zur Schule. Im Jahr 1942, nach einer Razzia, holte man Sonja aus dem Schulunterricht. Am 6. November wurde sie von Drancy im Konvoi Nr. 42 nach Auschwitz deportiert.

In dem Zug mit 1.000 Juden waren 113 Kinder unter zwölf Jahren. Keine weibliche Person dieses Zuges hat Auschwitz überlebt. Aus Melun waren 52 Personen in diesem Konvoi, darunter die einsame Sonja.

Wiltrude Hene-Lavelle hat wie ihre Geschwister Vera, Karl und Harry den Holocaust überlebt. Sie hat die Lebensgeschichte ihres Vaters Sigmund, ihrer Mutter Flora und ihrer Schwester Sonja recherchiert. Am 23.11.2014 ist sie in Los Angeles verstorben.

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