Müllheim Julius Moses: Scheidung aus Fürsorge

Die Erfahrung erfolgloser Assimilation war ein tiefer Schock für alle Juden, die im nationalsozialistischen Deutschland der Verfolgung anheimfielen. Auch einem besonders patriotisch gesinnten Müllheimer Juden blieb diese Erfahrung nicht erspart...

Kurzbiografie:

Julius Moses war der Sohn eines Markgräfler Viehhändlers. Seine Mutter entstammte einer alteingesessenen Müllheimer Familie. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit seinen Einkünften als Handelsreisender. Im Ersten Weltkrieg wurde Moses hochdekoriert.

Besitzzeugnis  des Julius Moses (Foto: SWR, SWR -)
Fotokopie des Besitzzeugnisses des EKII von Unteroffizier (Julius) Moses, 1915. Quelle: Rolf Schuhbauer, "Nehmt dieses kleine Heimatstück". Spuren und Stationender Leidenswege von Müllheimer und Badenweiler Juden zwischen 1933 und 1945. 2. erw. SWR -
Feldwebel Julius Moses (sitzend), um 1915 (Foto: SWR, SWR -)
Feldwebel Julius Moses (sitzend), um 1915. Quelle: Rolf Schuhbauer, "Nehmt dieses kleine Heimatstück". Spuren und Stationender Leidenswege von Müllheimer und Badenweiler Juden zwischen 1933 und 1945. 2. erw. Auflage. Eggingen 2001. SWR -

Nach dem Beginn der Judenverfolgungen in Deutschland floh er mit seiner evangelischen Ehefrau nach Frankreich. Als nach dem Einmarsch der Deutschen dort die Gefährdungen immer mehr zunahmen, bat er sie, sich von ihm scheiden zu lassen. Die Ehefrau ging zurück nach Müllheim. Moses selbst wurde bei einer Razzia in Beaune verhaftet. Über das Sammellager Drancy wurde er nach Majdanek verschleppt. 1943 wurde er dort ermordet

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