Hermaringen Georg Elser: Er hätte den 2. Weltkrieg beenden können

Stolperstein in der Karlstraße 29

Dreizehn Minuten. Dreizehn Minuten zu früh verließ Adolf Hitler sein Rednerpult im Münchner Bürgerbräukeller. Andernfalls hätte der Sprengstoff-Anschlag des Schreiners Georg Elser Erfolg gehabt. Am 3. April erinnert ein SWR-Hörspiel, ab dem 9. April dann ein SWR-Kinofilm an den mutigen Attentäter aus Hermaringen.

Kurzbiografie:

Fast jeder kennt die Geschichte von Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Am 20. Juli 1944 wäre es ihm beinahe gelungen, den "Führer" mittels einer in einer Aktentasche versteckten Bombe in die Luft zu sprengen, die Nazi-Herrschaft und den 2. Weltkrieg damit früher zu beenden.

Weit weniger bekannt ist die Geschichte von Georg Elser: Im Herbst 1939 baute er in eine der tragenden Säulen des Münchner Bürgerbräukellers einen Sprengsatz mit Zeitzünder ein, den er auf 21.20 Uhr am 8.November scharf stellte. Er wusste, dass Hitler an jenem Abend dort eine Rede halten würde.

Etwa zwei Monate zuvor war die deutsche Wehrmacht in Polen einmarschiert: Elser hatte die Kriegsvorbereitungen bereits bei seiner Arbeit in einer Heidenheimer Armaturenfabrik mitbekommen. Dort wurden, unter Umgehung des Versailler Vertrages, Geschosszünder hergestellt. Elser war entschlossen, den Krieg zu stoppen – im Alleingang.

Er hätte die Welt verändert

Die Beamten, die ihn später verhörten, konnten kaum glauben, dass der 36-jährige sein Attentat tatsächlich allein geplant und ausgeführt hatte. Die Detonation um 21.20 Uhr verwüstete zwar den Bürgerbräukeller und tötete acht Menschen. Aber Hitler hatte bereits 13 Minuten zuvor sein Rednerpult verlassen, und mit ihm seine Entourage von Nazi-Größen wie Goebbels, Himmler und Heß.

Ausstellung über Widerstand in der Nazi-Zeit (Foto: SWR, SWR -)
Georg Elser war einer der wenigen, die sich aktiv dem NS-Regime widersetzten SWR -

Der vom SWR produzierte Kinofilm und das Hörspiel dazu tragen daher den Titel: "Georg Elser – er hätte die Welt verändert". Warum der uneheliche Sohn einer Landarbeiterfamilie im Örtchen Hermaringen das überhaupt versuchte, darüber geben ausgerechnet die Verhörprotokolle der Gestapo Auskunft: Der Schreinergeselle Elser stellt da unter anderem fest, dass sein Stundenlohn unter der Nazi-Herrschaft gesunken sei. Während die übrigen Deutschen noch an einen wirtschaftlichen Aufschwung dank Hitlers Führung glaubten, hatte Elser längst die ausbeuterische Struktur des Regimes erkannt.

"Georg Elser – er hätte die Welt verändert" – am 3. April im Radio als Hörspiel, ab 9. April im Kino als Film. Hintergründe und neuere historische Forschung präsentiert bereits am 27. März ein "SWR2 Wissen". Darin wird auch deutlich, was für ein Pechvogel Elser war: Wenige Minuten zu spät explodierte seine Bombe im Bürgerbräukeller. Nur wenige Meter trennten ihn von Schweizer Boden, als er nach dem Attentat an der Grenze gefasst wurde. Und nur einen Monat länger hätte er im Konzentrationslager Dachau überleben müssen, um von den Alliierten befreit zu werden. Am 9. April 1945 wurde Elser dort durch einen Genickschuss hingerichtet.

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