Baden-Baden Ernst Berendt: Deutsch bis in den Tod

Stolperstein in der Staufenbergstr. 8

Pfarrer Ernst Berendt, Vater des SWR-Jazzredakteurs Joachim Ernst Berendt, trat 1932 in die NSDAP ein: Er erhoffte sich eine Stärkung der Kirche gegen den "Weltbolschewismus" und womöglich auch wirtschaftlichen Aufschwung. Doch weil er den Hitlergruß verweigerte, wurde Berendt mehrfach inhaftiert und endete schließlich im KZ Dachau.

Kurzbiografie:

Schon Ernst Berendts Vater war ebenfalls evangelischer Pfarrer und hatte 1878, im Geburtsjahr des Sohnes, in Berlin eine Stiftung gegründet: Sie half aus der Haft entlassenen Frauen bei der Resozialisierung und unterstützte ledige Mütter. Sein Sohn Ernst Berendt studierte ebenfalls Theologie und wurde zum Pfarrer ordiniert. Nach dem Tod seines Vaters 1919 übertrug man ihm die Leitung der Stiftung.

"Grüß Gott" statt "Heil Hitler"

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise kam die Stiftung in eine schwierige finanzielle Lage, ihr drohte die Auflösung. Vielleicht auch deswegen trat Ernst Berendt 1932 der NSDAP bei. Der deutsch-national gesinnte Pfarrer lehnte das Parteiensystem der Weimarer Republik ab. Zugleich bestand er nach 1933 darauf, auch Parteigenossen mit "Grüß Gott" statt mit "Heil Hitler" anzureden, und prangerte in seinen Predigten an, dass ein Mensch (Adolf Hitler) sich selbst "zum Höchsten" erkläre.

In Berlin wurde Ernst Berendt wegen seines Widerstandes gegen den Führerkult und seiner Unterstützung der "Bekennenden Kirche" insgesamt sechs Mal verhaftet. Er verlor aber auch immer mehr den Überblick in den wirtschaftlichen Belangen der Stiftung, so dass der Vorstand ihm 1940 die Leitung entzog.

Hoffnung auf Ruhe in Baden-Baden

Berendt bewarb sich mit 61 Jahren auf die freie Pfarrstelle bei der evangelisch-lutherischen Johannis-Gemeinde in Baden-Baden und wurde im Mai 1940 dort feierlich in sein Amt eingeführt. Doch die Gestapo ließ ihn auch in dem Kurort nicht in Ruhe: Nach Gefängnisaufenthalten in Karlsruhe und Bühl landete er schließlich im KZ Dachau. Die Johannisgemeinde bemühte sich Anfang 1941 noch darum, ihn frei zu bekommen. Jedoch bereits im April bat sie ihn, von seinem Amt als Pfarrer freiwillig zurückzutreten, damit die Stelle neu besetzt werden könne. Dadurch lieferte der Kirchenvorstand Berendt endgültig den NS-Schergen aus.

Ernst Berendt (Foto: (privat) -)
Ernst Berendt (privat) -

Auch im KZ Dachau, von Berendt als "Satans Werkstatt" bezeichnet, blieb der Pfarrer unbeugsam und verschlimmerte seine Haftbedingungen, weil er sich der Lager-Ordnung widersetzte. Über das Wiedersehen mit dem Vater im Lager schrieb sein Sohn Joachim, damals 19 Jahre alt, in seinen Erinnerungen:

"Wenn ich dir so auf der Straße begegnet wäre, ich hätte dich nicht erkannt. Kahl geschoren, in dem gestreiften Sträflingsanzug der KZ-Häftlinge, zwar immer noch aufrecht, aber geschrumpft, als wärest du kleiner geworden."

Ernst Berendt starb am 4. August 1942 im Krankenblock von Dachau.

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