Eine Medien-Geschichte der Kanzler-Sprecher

Stimmen der Macht: Helmut Kohl und Friedhelm Ost

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Die neue Macht der Medien bekommt auch der neue Kanzler Kohl schnell zu spüren: Nur drei Jahre nach seinem Amtsantritt liegt seine Beliebtheit laut Bildzeitung auf einer Skala von +5 bis -5 bei 0.

Zu diesem Zeitpunkt wird Friedhelm Ost Kohls neuer, bereits dritter, Regierungssprecher. Ein Wirtschaftsexperte aus dem Ruhrpott, der vor allem die wirtschaftlichen Erfolge der Regierung den Medien so erklären soll, dass sie auch zu Kohls Zufriedenheit darüber berichten. Immerhin steht 1987 eine Bundestagswahl an. Statt das Medienkonzert zu dirigieren, versucht er, wohlgesonnene gegen schlechte Presse zu positionieren. Anders als seine Vorgänger wird er so zum Vertrauten des misstrauischen Kanzlers.

Am Ende berichtet er nicht nur über Wirtschaftspolitik, sondern auch über das - wie er es bis heute nennt – „glücklichste historische Ereignis unserer Geschichte“, die Wiedervereinigung.

19.12.1989 Kohl wünscht sich Wiedervereinigung – Rede vor der Dresdner Frauenkirche

19.12.1989 | Kaum war die Mauer gefallen, stand die Frage der Wiedervereinigung im Raum. Es war aber nicht sofort klar, dass und vor allem wie schnell sie kommen würde. Bezeichnend ist die folgende Rede von Helmut Kohl vor den Ruinen der Dresdner Frauenkirche. Kohl spricht zunächst von "konföderativen Strukturen" zwischen den beiden deutschen Staaten, also noch nicht von Wiedervereinigung. Erst in einem Nachsatz schiebt er hinterher, dass sein persönliches Ziel die deutsche Einheit bleibe, wenn die geschichtliche Stunde es zulässt.

Das war gut einen Monat nach dem Mauerfall. Interessant auch die Kluft zwischen dem hörbaren Jubel im Publikum und der Bewertung des Reporters, der am findet, dass es jetzt nicht "die ganz große Rede" war.  mehr...

10.11.1989 Der Tag nach der Maueröffnung

10.11.1989 | Einen Tag nach Öffnung der Mauer fand vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin eine Kundgebung mit westdeutschen Spitzenpolitikern statt: Walter Momper, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher und der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl.  mehr...

24.11.1999 CDU-Spendenaffäre: Die Spende des Waffenhändlers

CDU-Spendenaffäre (1) | Die CDU-Spendenaffäre beginnt im November 1999. CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep wird verhaftet. Der Verdacht: Steuerhinterziehung. Kiep soll 8 Jahre zuvor vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber eine Spende über 1 Million D-Mark für die CDU erhalten haben und nicht versteuert haben. Es stellt sich später heraus, dass das Geld ursprünglich von der Thyssen AG stammt. Spekulationen gehen los: War das eine Gefälligkeit dafür, dass die Kohl-Regierung Waffenlieferungen an Saudi-Arabien genehmigte? Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl erklärt, er habe von der Spende nichts gewusst. Doch Walther Leisler Kiep stellt das anders dar. Damit wird die Affäre Kiep zu einer CDU-Spendenaffäre. Es ist der 24. November 1999.  mehr...

Zeitgeschichte Stimmen der Macht: Wie Regierungssprecher Mediengeschichte schreiben

Steffen Seibert wird der dienstälteste Regierungssprecher sein, wenn er nach der Bundestagswahl im September 2021 nach elf Jahren abtritt. Seine Arbeit reflektiert den Einzug der sozialen Medien ins tägliche Geschäft: Auch der Regierungssprecher ist nun auf Twitter vertreten und nutzt die Plattform regelmäßig. Seine Vorgänger hatten mit anderen Umbrüchen zu kämpfen — die Reihe „Stimmen der Macht“ zeigt, welche, und wie sie mit dem stetigen Wandel der Medienwelt, nicht immer erfolgreich, umgegangen sind.  mehr...

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