Zeitgenossen

Stefanie Dathe: „Erwarten Sie Wunder!“

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AUTOR/IN
Anita Schlesak

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Sie hat „Fleischeslust“, eine Schau mit Werken aus Fleisch und Kunst aus Süßigkeiten unter dem Titel „In aller Munde“ kuratiert.

Mit Ausstellungen wie „Gestochen scharf“ zu Tätowierungen oder „Hautnah“ über Haare in der Kunst hat sie neun Jahre lang im kleinen Museum der Villa Rot für Aufsehen gesorgt. Seit 2016 steht sie nun an der Spitze des Museums Ulm. 

Museum Ulm bekommt ein Update.

Stefanie Dathe ist eine, die bei ihrer ersten Ulmer Ausstellung vollmundig Wunder verspricht – und manche auch bewirkt. Mit viel Kunstsinn und diplomatischem Geschick bringt sie Schwung in das bald 100-jährige städtische Universalmuseum.  Dabei setzt die Kunsthistorikerin auch auf modernes Marketing und so ist eines der wertvollsten Exponate des Museums, der 40.000 Jahre alte Löwenmensch, zum Maskottchen der Ulmer Basketballer geworden.

Der Löwenmensch als Basketball- Maskottchen.

„Diese magische, mystische Figur des Löwenmenschen vermittelt Kraft und Stärke“ – gerade auch als Maskottchen im Sport, findet Stefanie Dathe. Mit dieser ungewöhnlichen Kooperation will die zupackende Museumsdirektorin, die auch mal selbst Kunst in Kisten und Kartons schleppt, neue Gruppen ins Museum locken.

Protest im Museum.

Dabei ist es ihr Ziel, die Menschen mit brisanten oder auch politischen Themen in ihrem Alltag abzuholen, wie bei der aktuellen Ausstellung mit Plakaten und Flugblättern: „Protest! gestalten“. Das ist übrigens eine Hommage zum 100. Geburtstag von Otl Aicher, dem wichtigen Ulmer Designpionier.  Er hat die legendäre Hochschule für Gestaltung mitgegründet, ein zweiter Standort des Museums. „Wir müssen gesellschaftlich relevant bleiben“, unterstreicht die Museumsdirektorin.

Gesellschaftlich relevant bleiben.

Als Chefin eines 45-köpfigen Teams sieht sich Dathe durchaus als „Leithammel, als Leitkuh,“ die aber nicht mit der Faust auf den Tisch haut, sondern die Menschen mitnimmt, motiviert, überzeugt. Wenn Museen in Zukunft gesellschaftlich relevant bleiben wollen, so brauchen sie keine Museumsdirektoren der alten Schule mehr, „die auf ihrem Sessel sitzen und unantastbar sind. Da brauchen wir keinen hierarchischen Führungsstil mehr“, betont die 54-Jährige.  Gerade in Krisenzeiten müsse das Museum ein Ort der Begegnung werden, „an dem man Kraft schöpfen, sich gegenseitig stärken und solidarisieren kann, daran glaube ich.“

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Anita Schlesak