Netzkultur

Der Facebook-Konzern weiß: Instagram schadet der mentalen Gesundheit junger Mädchen

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Das soziale Netzwerk Instagram schadet der mentalen Gesundheit vieler junger Nutzerinnen. Nach Daten, die die Muttergesellschaft Facebook selbst gesammelt hat, fühlt sich jedes dritte Mädchen wegen Instagram schlechter. Bis jetzt wurden die internen Erkenntnisse aktiv unter Verschluss gehalten, das zumindest schreibt das Wall Street Journal und beruft sich auf geleakte Dokumente. Mittlerweile hat die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen erklärt, dass sie die Dokumente an das "Wall Street Journal" weitergegeben habe.

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“Wir alle wissen, wie schädlich Instagram ist, es geht vor allem ums Vergleichen!”  

Wer junge Menschen nach ihrer Instagram-Nutzung befragt, bekommt schnell kritische Töne zu hören. Die 16-jährige Natalia sagt, sie nutze die Plattform weniger, da sie sehe, dass viele ihrer Freundinnen davon besessen seien: “Es schürt viele falsche Erwartungen, was Leute tun sollten. Die sozialen Medien repräsentieren eine Person nicht als Ganzes!” 

Facebook hat eigene kritische Daten unter Verschluss gehalten

Die Kritik, dass sich Plattformen wie Instagram vor allem negativ auf junge Mädchen auswirken, ist nicht neu. (So hatte z.B. Plan International für den Welt-Mädchenbericht 2020 14.000 Mädchen und junge Frauen in zu ihren Erfahrungen in den sozialen Medien befragt.) Doch offenbar hat die Instagram-Mutter Facebook eigene Daten, die zu diesem Ergebnis kommen, teils  jahrelang unter Verschluss gehalten. Dies hat das Wall Street Journal aufgedeckt.

Selbstbild bei einem Drittel der Teenager-Mädchen verschlechtert

Den Journalisten seien entsprechende Dokumente einer internen Präsentation zugespielt worden, erzählt einer der Autoren des Artikels, Jeff Horwitz, dem TV-Sender CNBC:  “Der Satz lautete: wir verschlechtern das Körperbild bei einem von drei Mädchen im Teenager-Alter.  Und das kann zum Teil lebensbedrohliche Auswirkungen haben. Etwa sechs Prozent der Nutzer*innen in den USA, die sich selbst verletzt haben, konnten das direkt auf Instagram zurückführen.”  

Facebook weiß um die Wirkung von Instagram. Dass User sich mit Bildern vergleichen, dass einige daran kaputt gehen. Facebook tut trotzdem nichts: #Geschäftsmodell https://t.co/YaqUYZtNx0?

Mark Zuckerberg betonte im US-Kongress positive Auswirkungen

Besonders pikant: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte vor dem US-Kongress betont, dass soziale Medien positive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit von Menschen hätten: 

Psychologen warnen vor sozialem Druck

22 Millionen Jugendliche nutzen täglich Instagram allein in den USA, zum Kommunizieren mit Freunden, um sich zu informieren oder unterhalten. Psychologen betonen immer wieder, dass viele der perfekten Bilder auf Instagram Druck ausüben: “Es führt dazu, sich selbst nicht gut genug zu finden, führt zu Depressionen und Essstörungen. Es wird schlimm, wenn man glaubt, dass das, was man dort sieht, wahr ist!” so Psychologe Brad Klontz bei CNBC. 

Doch Instagram sei für das Unternehmen Facebook das Tor zur jungen Zielgruppe, meint Wall Street Journal Journalistin Georgia Wells im Interview mit Fox News:  “Auch wenn Facebooks Daten zeigen, dass Instagram schädlich für Teenie-Mädchen ist, wollen sie noch mehr junge User erreichen. Das ist lebenswichtig für den Umsatz, und sie wollen ihrer Plattform nicht schaden.” 

 Facebook beschwert sich über negative Presse und will nichts ändern

Facebook äußerte sich zu dem Artikel der Zeitung in Form eines Blogposts. Dort hieß es, 81 Prozent der Jugendlichen würden sich durch soziale Medien stärker mit ihren Freunden verbunden fühlen. 26 Prozent gäben an, sich durch soziale Netzwerke schlechter zu fühlen. Die Journalisten hätten die Studiendaten  in ein negatives Licht gerückt. 

Ändern will man bei Instagram wohl erst einmal nichts. Ein Unding, meint Psychologieprofessor Jonathan Haidt im US-Fernsehen:  “Ich kann mir kein Produkt vorstellen, das, wenn es einem Drittel  seiner erwachsenen Kundschaft schadet, weiter auf dem Markt sein darf.” 

 Senatoren wollen „Kinder-Instagram” verhindern

In den USA hat sich nun auch die Politik eingeschaltet und Instagram beziehungsweise die Muttergesellschaft Facebook unter Druck gesetzt. Dabei geht es um das geplante Projekt, Instagram für Kinder unter 13 Jahren zu entwickeln. Mehrere Senatoren schreiben Mark Zuckerberg an, angesichts dieser Erkenntnisse die Pläne für so ein „Kinder-Instagram” endgültig aufzugeben.  

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