Gespräch

Sicherheitsexperte Carlo Masala: Offensiven der Ukraine zielen auf russische Logistik

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INTERVIEW
Marie Gediehn

Die Ukraine verfüge nicht über die militärische Kraft, um an der ganzen Front gegen die russische Armee vorzurücken. Sie konzentriere sich im Süden der Ukraine bei Kherson und im Nordosten bei Charkiw deshalb auf Schläge gegen die russische Logistik, um damit die russischen Truppen zu schwächen und zur Aufgabe zu zwingen, sagt der Politikwissenschaftler, Sicherheits- und MIlitärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr München, in SWR2.

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Dringendes Problem ist die Belieferung mit Munition

Unverändert allerdings fehle der Ukraine eine militärische Ausrüstung, die es ihr ermöglichen würde, sich bei Angriffen schnell zu bewegen, vor allem Schützenpanzer, Kampfpanzer und Kampfhubschrauber, so Masala.

Es sei nicht zu erwarten, dass die NATO-Staaten an der roten Linie etwas änderten, die sie hier gezogen hätten. Auf der amerikanischen Airbase Ramstein bei Kaiserslautern trifft sich heute die Kontaktgruppe für die Ukraine, auf Einladung des US-Verteidigungsministers Lloyd Austin.

Das dringendste Problem sei die Belieferung der Ukraine mit Munition. Man bereite sich auf einen längeren Krieg vor und werde die Ukraine insbesondere mit Winterbekleidung ausrüsten.

Die NATO müsse präzisieren, was unter einem Sieg der Ukraine zu verstehen sei

Dennoch bleibt auch Deutschland aus der Perspektive Kyivs weiter hinter den Erwartungen zurück. Bundeskanzler Scholz habe dem ukrainischen Außenminister bei dessen Besuch in Berlin eine relativ klare Absage erteilt, die Ukraine mit Marder-Schützenpanzern und Leopard I-Kampfpanzern zu beliefern.

Aus Sicht von Carlo Masala wäre es wünschenswert, wenn die NATO-Staaten präzisieren würden, was unter einem möglichen Sieg der Ukraine zu verstehen sei. Möglicherweise werde man es als Sieg betrachten, wenn es gelinge, die russische Seite in eine militärisch aussichtslose Position zu bringen und zu Verhandlungen zu zwingen.

Film Kein Kriegsheldentum in der Kinodoku „Mariupolis 2“ von Mantas Kvedaravičius

Der Dokumentarfilm „Mariupolis 2“ ist das Vermächtnis des litauischen Regisseurs Mantas Kvedaravičius. Er wurde während der Dreharbeiten in Mariupol, der Stadt, die zum Symbol des Vernichtungskriegs in der Ukraine geworden ist, vermutlich von der russischen Armee ermordet.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Rose der Hoffnung in der Ukraine: Jan Snela über das Lyriktreffen in Czernowitz

Der Münchner Lyriker Jan Snela nimmt auf Einladung des Stuttgarter Literaturhauses am Internationalen XIII. Lyriktreffen Meridian im ukrainischen Czernowitz teil. Ein Treffen, das wegen des Kriegs in einer besonderen Atmosphäre stattfinde, erzählt Snela in SWR2.
Mit den berühmten Gedichtzeilen von Rose Ausländer, „Wer könnte atmen ohne Hoffnung, dass auch in der Zukunft Rosen sich öffnen?“, habe der Czernowitzer Schriftsteller Igor Pomerantsev dieses Treffen eröffnet, mit dem die Veranstalter die Standhaftigkeit und auch den Willen zum Leben feiern wollten.
Es verleihe dem eigenen Schaffen auch eine neue Schärfe und Bewusstheit, sich die besondere Situation dieses Ortes vor Augen zu führen, reflektiert Snela. Wobei es keineswegs darum gehe, sich „als Kriegslyriker anzudienen“. Das würde er als zynisch empfinden, werde von den Veranstaltern aber auch gar nicht erwartet. Wichtig sei es ihnen, dass alle teilhätten an dem Geschehen vor Ort.
Wenn er aus dem Hotelzimmer schaue, so Snela, sehe er rauchende Soldaten, mit Maschinenpistolen. Igor Pomerantsev habe das aufgegriffen mit der Bemerkung, dass sich letztlich alle Menschen, die sich mit der Ukraine beschäftigten, von Charkiw bis New York, letztlich im Frontgebiet befänden, zumal wenn sie mit Gedanken an das Kriegsgeschehen in der Ukraine einschliefen und auch wieder aufwachten.
Nationale Identifikation spiele bei diesem Treffen von Dichtern und Lyrikern keine große Rolle. Das entspreche der jahrhundertealten Tradition von Czernowitz, mit dem Bewusstsein für jüdische Kultur, deutsche Tradition und insgesamt kompliziertere Verhältnisse des Zusammenlebens.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Osteuropa-Expertin Alice Bota: Erschwerte Visa-Verfahren der EU für Russland sind ein guter Kompromiss

Die Aufkündigung des europäischen Visa-Abkommens für Menschen aus Russland sei ein guter Kompromiss, so die Journalistin und Osteuropa-Expertin Alice Bota von der Wochenzeitung „Die Zeit“ in SWR2.
Mit der getroffenen Vereinbarung der EU-Außenminister, so Bota, könnten weiterhin Visa an Russinnen und Russen vergeben werden, aber eben unter erschwerten Bedingungen. Ohne damit die Einreise politischer Flüchtlinge unmöglich zu machen, werde für Menschen der privilegierten Schichten, deren Söhne in der Ukraine nicht zu kämpfen brauchten, ein Signal gesetzt. Für sie werde es nun schwerer, den Krieg zu verdrängen.  mehr...

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Marie Gediehn