Gespräch

Schwarze nicht unsichtbar machen: Jens Balzer über kulturelle Aneignung

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INTERVIEW
Frauke Oppenberg

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Elvis Presley und der Rock'n Roll, Eric Clapton und der Blues

„Es geht darum, verfälschte Geschichtsschreibung zu korrigieren“, sagt der Kulturjournalist und Autor Jens Balzer über sein neu erschienenes Buch „Ethik der Appropriation“.

In der US-amerikanischen Kulturgeschichte sei es immer wieder um die Aneignung afroamerikanischer Stile gegangen. Elvis Presley habe sich zum König des Rock 'n' Roll ausgerufen, Eric Clapton zum König des Blues. „Dahinter wurden dann die schwarzen Urheberinnen und Urheber unsichtbar.“

Der Einzelfall muss bewertet werden

Andererseits bestehe Kultur immer aus Aneignungen verschiedener Formen und Stile. Nur müsse man im Einzelfall bewerten, welche kulturellen und eventuell auch rassistischen Muster aufgerufen würden, wenn beispielsweise weiße Musikerinnen und Musiker Dreadlocks trügen.

Man müsse bedenken, dass es um Insignien einer ursprünglich versklavten Kultur gehe. Auf der anderen Seite sei allerdings auch Reggae keine indigene Musik, sondern selbst schon eine Melange unterschiedlicher Stile und Musikkulturen, so Balzer.

Jede Kultur beruht auf Aneignung

„Ich würde für etwas mehr Gelassenheit einerseits plädieren und andererseits nochmal überlegen: was sind die Wurzeln dieser Debatte und warum hat die Kritik ihre Berechtigung?" versucht Jens Balzer deshalb zwischen den Lagern zu vermitteln.

Tatsächlich, so Balzer, beruhe jede Kultur auf Aneignung. Die Frage sei daher nicht, ob diese Appropriation berechtigt sei, sondern wie man richtig appropriiere. Der Journalist ist davon überzeugt: „Das unterscheidet sich von Fall zu Fall.“

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