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Dieser Schulstart ging in die Hose. In Baden-Württemberg fiel an einigen Schulen zum Unterrichtsbeginn im digitalen Klassenzimmer das Lernportal „Moodle“ aus, in dem Lehrer*innen und Schüler*innen digital miteinander kommunizieren. Allerdings war nicht allein der Südwesten betroffen, die so genannten Lernmanagementsysteme wackelten in ganz Deutschland. Warum funktionieren die Lernwolken noch nicht und was kann die Bildungsrepublik nun tun? Ein Kommentar von Christian Füller.

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Ohne Cloud ist in der Schule hitzefrei!

Frau Lehrer Posselt hatte sich am Wochenende akribisch vorbereitet. Sie testete ihre Kurse im Lernmanagementsystem „Moodle“ und probierte die Videokonferenz nochmal aus. Alles war perfekt – bis am Montag morgen Moodle ausfiel. Die Lehrerin saß vor einem schwarzen Bildschirm – und ihre Schülerinnen und Schüler zuhause ebenso. Merke: wenn in der Pandemie die Schulcloud nicht erreicht werden kann, dann ist das wie hitzefrei. Lernen fällt aus.

Frau Posselt und Baden-Württemberg sind damit nicht allein. Auch in Rheinland-Pfalz gingen die Lichter aus, im Norden der Republik brach der Kontakt zum Lernportal Iserv ab, selbst die nagelneue Schulcloud des Bundes hatte Verbindungsprobleme.

Deutschlandweit gibt es Zugriffsprobleme

In der Hauptstadt war bereits vergangene Woche der „Lernraum Berlin“ down, und, ja, selbst das stolze Bayern kämpft mit einem Ausfall seines Lernmanagementsystems. Egal, wohin man auch blickt – auch neun Monate nach der ersten Schulschließung im März 2020 funktionieren die digitalen Klassenzimmer nicht. Das ist ein Armutszeugnis für die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt.

Apropos Wirtschaft: Besonders misslich ist der Kollaps der Schulcloud in Baden-Württemberg. Das Land der Vollchecker, wo jeder zweite Ort einen Weltmarktführer beheimatet, bastelt nun seit fünf Jahren an einer Cloud. Dort sollen sich Schüler*innen und Lehrer*innen per Videokonferenz unterhalten, Aufgaben austauschen und sich Nachrichten schicken können. Vergeblich.

Schlechte Noten für das Land der Tüftler*innen

Dabei sitzen im Land zwei große Tech-Unternehmen, die sichere Clouds für ganz Europa anbieten – nur bei den Schulen in Baden-Württemberg dürfen Ionos und Nextcloud nicht ran. Das ist an Peinlichkeit schwer zu überbieten. Stell Dir vor, du bist ein High-Tech-Konzern – und kein Schwein ruft Dich an.

Die Stuttgarter Zwickmühle kann man nicht allein der Kultusministerin Susanne Eisenmann anlasten, die bereits im Wahlkampf ist. Sie ist vielmehr ein Symbol für den Zustand der Bildungsrepublik. Den Bundesländern ist es zwar gelungen, innerhalb kurzer Zeit acht von zehn Schüler*innen an eine Cloud anzustöpseln – das ist eine beachtliche Leistung. Nur haben die Kultusminister vergessen, dass das digitale Klassenzimmer auch funktionieren muss, wenn alle da sind. Und im Moment sind, notgedrungen, alle drin.

Start-Ups sollen es richten

So stehen die Schulen ausgerechnet jetzt, da sich eine für Kinder gefährliche Virusmutation ausbreitet, wieder ohne verlässlichen Draht zu ihren Schüler*innen da. Was kann man tun? Zunächst wäre es nötig, politische Konsequenzen zu ziehen.

Wenn Schulminister*innen ein Jahr lang nicht schaffen, Schule möglich zu machen – dann muss man sie halt entlassen. Dafür ist allerdings keine Zeit. Es braucht eine schnelle Lösung. Das kann nur ein Digitalgipfel zwischen Bund, Ländern und den großen deutschen Bildungs-Start-ups wie Sofatutor, Bettermarks oder Simpleclub. Die wissen, wie man Schüler*innen Lerninhalte auf den Bildschirm liefert. Wieso lässt man sie nicht endlich ran?

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