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Der Stuttgarter Fotograf und Medienkünstler Josh von Staudach erstellt mit Hilfe von Google Earth Filme der Erdoberfläche, wie man sie noch nicht gesehen hat. Die Grenzen der digitaler Darstellung werden hier zum Blickfang - und die totale Menschenleere des virtuellen Planeten zum bedrohlichen Symbol einer möglichen Zukunft.

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Staudach nutzt die virtuelle Kamera von Google Earth

Der Stuttgarter Fotograf und Medienkünstler Josh von Staudach hat Google Earth seit der ersten Version daraufhin abgeklopft, welches versteckte visuelle Potential sich herausholen lässt. Zum Beispiel, indem er die Kristallisationspunkte des Anthropozäns in den Blick nimmt.

Alle Großflughäfen, Erdölraffinerien, Stahlwerke und Containerhäfen aus Google Earth hat Staudach gesichtet und gespeichert. Daraus entwickelt er Fotoserien und Filme. Google Earth ermöglicht es, eine virtuelle Kamera auf beliebige Flughöhe, Blickrichtung, Brennweite und Bewegungsgeschwindigkeit einzustellen - Karlsson vom Dach trifft Superman, sozusagen.

Irgendwann kommt die fotorealistische Wiedergabe an ihre Grenzen

Am spannendsten wird es immer dann, wenn das Datenmaterial an seine Grenzen stößt. Denn egal wie gigantisch die Datenmenge von GoogleEarth ist, egal wie genau die Auflösung - irgendwo ist immer Ende Gelände für die fotorealistische Wiedergabe.

Staudach lugt auf die Unterseite von Brücken, die aussehen wie Tarnkappenbomber nach einem Frontalzusammenstoß, er fliegt durch Wälder, die nicht aus Bäumen bestehen, sondern aus bizarren Kristallen, und Straßen entlang, an deren Ränder zerschmolzene Objekte zu sehen sind, ähnlich Plastikautos nach der Bestrahlung mit einem Heißluftföhn.

Auf Google Earth ist die Apokalypse schon zu besichtigen

Die absolute Menschenleere von Google Earth ist das verstörendste Element in Staudachs Filmen. Städte, Strände, Straßen, Highways, Fabriken und Landschaften erstrahlen im immer gleichen gleißend hellen Sonnenlicht - aber weit und breit nur tote, starre Leere.

Auf Google Earth ist die Apokalypse schon zu besichtigen, farbsatt und so höllisch perfekt wie ein Prospekt für ewigen Urlaub.

"Es ist teilweise schon sehr intensiv. Wenn ich da ein paar Tage hintereinander dran arbeite, und dann vor die Tür gehe, denke ich: Das sieht aber komisch aus hier", sagt Staudach.

Josh von Staudach - Google Earth-Filme (Foto: Pressestelle, Josh von Staudach)
Standbild aus einem Google Earth-Film Pressestelle Josh von Staudach Bild in Detailansicht öffnen
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