Schöne digitale Schulwelt Wann sind Apps und Tablets im Unterricht sinnvoll?

Von Lukas Meyer-Blankenburg

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Der Digitalpakt garantiert den Schulen Milliardenhilfen bei der Digitalisierung. Doch noch ist nicht klar, welche Geräte wie eingesetzt werden sollen. Pädagogische Konzepte und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte gibt es bislang kaum.

Fünf Milliarden für die Digitalisierung

Im März stimmte auch der Bundesrat dem sogenannten "Digitalpakt Schule" zu. Das bedeutet, der Bund darf den Ländern künftig Milliardenhilfen für die Digitalisierung ihrer Schulen geben. Der Digitalpakt war lange umstritten, weil für seine Umsetzung das Grundgesetz geändert werden muss. Kritiker bemängeln außerdem, dass die nun angepeilten fünf Milliarden Euro nicht ausreichten und darüber hinaus schlüssige pädagogische Konzepte fehlten.

Die Digitalisierung verändert das Lernen

Für ein neues, umfassendes Medienkonzept benötigten Schulen circa sechs bis zehn Jahre, schätzt Ralph Müller-Eiselt, Bildungsexperte der Bertelsmann Stiftung. Bei der Digitalisierung der Bildung ginge es nicht alleine darum, den Schülern Smartphones, Tablets oder Computer zur Verfügung zu stellen. Sondern mit der Digitalisierung ändere sich auch die Lernkultur in den Schulen, so Müller-Eiselt, weg vom Frontalunterricht, hin zu offenen Lernformen und kooperativem Arbeiten.
Digitalisierungs-Befürworter sehen in den neuen Medien vor allem eine Chance für benachteiligte Schüler. Sie könnten durch individualisierte Aufgabenstellungen wesentlich besser gefördert werden als bisher.

Der Lehrer als Lernbegleiter

Die Digitalisierung verändert auch die Rolle des Lehrers. Künftig geht es für die Lehrkräfte weniger darum, frontal und vor der Klasse Wissen zu vermitteln. Vielmehr werden die Lehrkräfte zu sogenannten Lernbegleitern, die Unterrichtseinheiten moderieren und den Schülern unterstützend zur Seite stehen.

Junge Lehrer sind skeptisch

Gerade angehende und junge Lehrer stehen der Digitalisierung eher skeptisch gegenüber. Diese Beobachtung macht auch Bildungsexperte Ralph Müller-Eiselt. Die Jungen seien längst nicht so technikaffin, wie man das vielleicht erwarten würde. Und oft verhindern ganz grundsätzliche Probleme die Digitalisierung. Denn, so Müller-Eiselt, wenn das WLAN während des Unterrichts zwei Mal auffällt, kommt es beim dritten Mal gar nicht mehr zum Einsatz. Viele Lehrer geben entnervt auf.

Die digitale Schule als Lernatelier

In einigen skandinavischen Ländern, aber auch in den USA und Kanada gibt es bereits Schulen mit einem völlig neuen, digitalisierten Lernkonzept. Hier gibt es keine Klassenverbände mehr und auch der Unterricht findet nicht nach einzelnen Fächern getrennt in 45-minütigen Einheiten statt. Die Schüler bekommen zu Beginn des Tages ein individualisiertes Aufgabenblatt, haben dann in etwa zwanzigminütigen Wechseln mal Unterricht, mal Einzel- oder Gruppenarbeit sowie Einzelgespräche mit der Lehrkraft. Digitale und analoge Medien werden dabei gleichermaßen eingesetzt. Zudem helfen Computerprogramme bei der Auswertung der jeweiligen Tagesleistung.
Die Schulgebäude werden zu sogenannten Lernateliers umgewandelt: viel offener Raum, viele Sitz- und Liegemöglichkeiten sowie bibliotheksartige Lernräume.

Digitalisierung in der Schule (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Tablet und Tafel: Im digitalisierten Unterricht wird es beides geben. picture-alliance / dpa -

Digitalisierung fordert Umdenken im Lehrerkollegium

In einzelnen Testschulen in Deutschland wird die Digitalisierung bereits erprobt. Doch noch ganz häufig gäbe es eine Kultur des geschlossenen Klassenzimmers, so Bildungsexperte Ralph Müller-Eiselt. Die Schulen bräuchten Zeit, um sich auf die neue Technik und die neuen Lernmethoden einzulassen. Dazu sei ein grundsätzliches Umdenken in vielen Kollegien notwendig – und viel Geduld. Denn es dauert circa vier Jahre, bis ein Lehrer in einer Klasse mit Tablets den Unterricht sinnvoll und selbstverständlich gestalten kann.

Digitalpakt provoziert Diskussion an Schulen

An den allermeisten Schulen in Deutschland wird wohl erst mit dem Geld aus dem Digitalpakt die Diskussion darüber anfangen, wie und wann digitale Geräte sinnvoll eingesetzt werden können. Welche Geräte das sein sollen, welche Hard- und welche Software sich Schulen sinnvollerweise anschaffen, das ist bislang nicht geregelt. Wie schützen die Schulen außerdem ihre Schülerdaten? Und wie lässt sich verhindern, dass Unternehmen mit ihren Interessen und mithilfe ihrer Technik künftig Inhalt und Form des Lehrplans bestimmten? Die Zukunft des digitalen Lernens ist nach wie vor ungewiss.

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