Journalismus in Russland

Russischer Journalist Alexei Wenediktow erhält Johann-Philipp-Palm-Preis für Pressefreiheit

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INTERVIEW
Frauke Oppenberg

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Der ehemalige Chefredakteur von Echo Moskwy aus Russland, Alexei Wenediktow erhält den diesjährigen Johann-Philipp-Palm-Preis für Presse- und Meinungsfreiheit in Schorndorf. Über die Auszeichnung freue er sich, erzählt der Journalist in SWR2. Seit Echo Moskwy geschlossen wurde, steht seine Arbeit unter kritischer Beobachtung.

„Ich arbeite nicht für irgendeine Partei – weder für die Opposition noch für die Regierung. Ich arbeite für meine Zuhörerschaft.“

Weiterzuarbeiten sei schwer, erklärt Alexei Wenediktow, aber er wolle bei seiner Zuhörerschaft bleiben und habe deshalb einen Youtube-Kanal gegründet, der von Moskau noch nicht blockiert wurde. Dass er wie ein Agent vom Regime überwacht werde, erschwere seine Arbeit natürlich, aber „man kann nicht Journalist sein und risikofrei leben“, sagt er zu seiner Situation.

Preis für Presse- und Meinungsfreiheit „Angst zu haben ist normal“ – Radionetzwerk aus Kongo erhält Johann-Philipp-Palm-Preis

Das Radiokollektiv CORACON, über das sich Journalistinnen und Journalisten in der kongolesischen Krisenregion Nordkivu verständigen und austauschen, ist einer der diesjährigen Preisträger des Johann-Philipp-Palm-Preises für Meinungs- und Pressefreiheit, der am 4. Dezember in Schorndorf verliehen wurde. Den Preis entgegen nahm Jacques Vagheni Kakule, der im Gespräch mit SWR2 über den Journalist*innenalltag im Kongo sprach.

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Kulturmedienschau EU und Russland im Informationskrieg | 3.3.2022

Der Krieg in der Ukraine ist auch ein Krieg der Informationen: Russische Staatsmedien berichten Putintreu über eine Sonderoperation im Donbas, über die Befreiung des Brudervolks von den angeblichen Nazi-Machthabern. Während kritische und unabhängige Medien in Russland abgeschaltet werden. So jetzt auch die Sender Doschd und Echo Moskwy, die zwei wichtigsten regierungskritischen Sender. In Europa hingegen sind seit dem 1. März die russischen Staatsmedien RT und Sputnik verboten. Informationen sind Waffen und wie diese im Krieg eingesetzt werden, fasst unsere Kulturmedienschau zusammen.

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Gespräch „Reporter ohne Grenzen“ zum Verbot der Deutschen Welle: Russland will unabhängige Informationen verhindern

Das faktische Verbot der Deutschen Welle in Russland offenbare letztlich das Ziel der russischen Seite, „unabhängige Informationen zu verhindern“, so der Geschäftsführer der Organisation Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, in SWR2.
Man müsse in der gegenwärtigen Situation mit dem Schlimmsten rechnen, auch damit, dass in Russland weitere Medien zu „ausländischen Agenten“ erklärt und möglicherweise ebenfalls aus dem Land geworfen würden.
Die Bundesregierung müsse deshalb fordern, „dass die Korrespondenten der Deutschen Welle wieder eine Akkreditierung bekommen und dass das Verbot der Deutschen Welle aufgehoben wird.“
Mehr als 100 Medien seien während der vergangenen Jahre zu „ausländischen Agenten“ erklärt worden. Christian Mihr: „Es werden Medien zensiert und immer mehr Medien blockiert“. Das in russischer Sprache gesendete Angebot der Deutschen Welle sei dem Staat offensichtlich ein Dorn im Auge.
Die Entscheidung, die Deutsche Welle in Russland zu verbieten, sei eine ganz andere als jene für das Verbreitungsverbot von RT in Deutschland, das sich aus einer fehlenden Sendelizenz ergeben habe. Christian Mihr: „Die deutsche Entscheidung war eine juristische Entscheidung einer Medien-Regulierungsbehörde, in die kein Ministerium involviert war.“
Die EU müsse deshalb dringend Regulierungslücken in der Medienaufsicht schließen. RT Deutsch hatte den Versuch gemacht, eine deutsche Zulassung durch eine serbische Sendelizenz zu umgehen.

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Gespräch Russland und Belarus verstehen – Tamina Kutscher und Ingo Petz von Dekoder.org

Tamina Kutscher und Ingo Petz haben Slawistik studiert und arbeiten für die Plattform Dekoder. Darauf werden Texte unabhängiger Medien aus Belarus und Russland in deutscher Übersetzung veröffentlicht.

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Gespräch Kulturwissenschaftler Hornuff: Putins Machtinszenierung ist veraltet

„Bilder selbst führen nicht einen Krieg, sie sind jedoch Teil einer Kriegsführung und Strategie und dienen bestimmte Interessen“, erklärt Daniel Hornuff, Kulturwissenschaftler an der Uni Kassel im Gespräch mit SWR2. Die Online kursierende Tischinszenierungen von Wladimir Putin hängen einem alten Medienmodell an. Früher wurde nur über einen Kanal Informationen und Bilder gesendet, eine „One Way-Kommunikation“ nennt es Hornuff. Aber auch in Russland seien Soziale Medien inzwischen weit verbreitet. „Deshalb verfangen solche Machtinszenierungen nicht mehr“. Im Zeitalter von Sozialen Medien seien die Bedeutungen, die man in Bilder hineinlegt, nicht mehr das, was bei den Empfänger*innen ankommt. Die ziehen daraus ihre eigene Bedeutung. Dagegen hat der Präsident der Ukraine Wolodymyr Selenskyj ein ganz anderes Auftreten. Er inszeniert mit der Nutzung sozialer Medien ein Gegenbild zu Putin, sagt Hornuff. „Er nutzt damit die Logik von Sozialen Medien viel effektiver“.

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