Kulturmedienschau

Russische Journalistin Marina Ovsyannikova wird gefeiert | 16.3.2022

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- die russische Journalistin Marina Ovsyannikova wird als Heldin der Meinungsfreiheit gefeiert
- Architekt Francis Kéré erhält Pritzker-Preis für Architektur

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„Stoppt den Krieg, kein Krieg“, rief sie mehrmals und hielt ein Plakat mit der Aufschrift „No War“ in die Kamera. Darunter auf Russisch: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Ihr werdet hier belogen“. In einem Video auf Instagram hatte Ovsyannikova die Aktion zuvor angekündigt und gesagt: „Was jetzt in Russland geschieht, ist ein Verbrechen und Russland ist das Aggressor-Land. Die Verantwortung für diese Aggression liegt an einer Person und diese Person ist Wladimir Putin.“

Bewunderung und schlimme Befürchtungen in den sozialen Medien

Auf Twitter fordern viele den Friedensnobelpreis für Ovsyannikova, ein User schreibt: „Ich bewundere ihren Mut, und ihre Zivilcourage! Wer in Russland versucht, wahrhaftig zu leben & den Mund aufmacht, riskiert Gefängnis, Folter & Schlimmeres. Das sind wahre #Demokraten und Verteidiger von #Freiheit."

Wieviele der sieben Millionen Zuschauer haben den Protest verstanden?

Der Spiegel schreibt: „Wie viele der Zuschauer Owsjannikowas Protest verstanden haben, bleibt unklar. Bis zu sieben Millionen Menschen schauen die abendliche Nachrichtensendung des Ersten Kanals. Weder er noch die anderen Staatssender zeigen die Tausenden Toten und Verletzten in der Ukraine. Auch nicht all die von der russischen Armee zerstörten Wohnhäuser. Dennoch ist Owsjannikowas Protest gerade für die kritisch eingestellten Russinnen und Russen, darunter Oppositionspolitiker und Anhänger von Alexej Nawalny, der Beleg dafür, wie sehr selbst Mitarbeiter der Staatsmedien mit Putins Krieg hadern.“ So der Spiegel.

Für ihr Video ist Marina Ovsyannikova inzwischen von einem Gericht in Moskau verurteilt worden. Sie muss eine Geldstrafe von umgerechnet rund 260 Euro zahlen. Unklar ist allerdings, ob es bei dem einem Verfahren bleibt. Für ihren Protest im TV könnte die Strafe deutlich höher ausfallen.

Der in Berlin lebende Architekt Francis Kéré erhält Pritzker-Preis für Architektur

Architekten Francis Kéré (l.) erklärt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Baumaßnahmen auf dem Gelände des zukünftigen Goethe-Instituts Dakar. (21.02.2022) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto: Bernd von Jutrczenka)
Architekten Francis Kéré (l.) erklärt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Baumaßnahmen auf dem Gelände des zukünftigen Goethe-Instituts Dakar. (21.02.2022) Foto: Bernd von Jutrczenka

Der Tagesspiegel schreibt zum Pritzker-Preis für Francis Kéré: „Sein Hauptmaterial ist Lehm. Francis Kéré war einer der ersten, der den Baustoff wieder gesellschaftsfähig machte. Nun wird der burkinabisch-deutsche Architekt und Sozialaktivist mit dem Pritzker Preis 2022 geehrt, der höchsten, mit 100 000 Dollar dotierten Auszeichnung der internationalen Architekturwelt. "

Architekt von Schlingensiefs Operndorf in Burkina Faso

Hierzulande wurde er vor allem mit seinen Entwürfen für Christoph Schlingensiefs Operndorf in Kérés Herkunftsland Burkina Faso bekannt. Sein Schulbau in seinem Heimatdorf Gando erhielt viele Preise. Nach der Gründung der dortigen Kéré Foundation eröffnete er 2005 ein Büro in Berlin-Kreuzberg, gebaut hat er in afrikanischen Staaten, den USA und in Deutschland.

Der Westen kann von Afrika lernen

Kéré versteht Architektur auch als sozialen Prozess. „Ich hoffe darauf, die Menschen zum Träumen zu bewegen und dazu, Risiken einzugehen. Nur weil du reich bist, solltest du kein Material verschwenden. Nur weil du arm bist, solltest du nicht den Versuch unterlassen, Qualität zu schaffen“, sagte Kéré. Jeder verdiene Qualität, Luxus und Komfort. „Wir sind alle verbunden miteinander, die Sorge um das Klima, die Demokratie und die Ressourcenknappheit betrifft uns alle.“ So zitiert der Tagesspiegel den diesjährigen Pritzker-Preisträger Francis Kéré.

Die Süddeutsche Zeitung hat Kéré gleich nach der Verkündung zum Gespräch getroffen (Paywall) und fragt unter anderem: „Ist die Zeit reif für einen Afrofuturismus?“ Kéré antwortet: „Wir befinden uns bereits mittendrin. Wir merken, dass man den Kontinent nicht mehr auf Krisen reduzieren kann, dass es dort gute Ideen und gute Praktiken gibt, aus denen auch der Westen lernen kann. Dass man die Begeisterung der Menschen als etwas Positives sieht. Afrika hat noch nie einen Weltkrieg gestartet, noch nie.“ sagt der neue Pritzker-Preisträger Francis Kéré in der SZ.

Krieg in der Ukraine

Kulturmedienschau Nach offenem EMMA-Brief, nun ZEIT-Appell: „Abrüstung in der Ukraine, jetzt!“ | 30.6.2022

Es ist noch nicht so lange her, da veröffentlichte das Magazin EMMA einen offenen Brief an Kanzler Scholz, wo 28 Intellektuelle und Künstler:innen forderten, keine schweren Waffen an die Ukraine zu liefern, denn es drohe sonst der 3. Weltkrieg. Nun haben in ZEIT unter anderem mehrerer dieser Verfasser:innen einen Appell zum Waffenstillstand veröffentlicht. Zudem die Meldung: Das gesellschaftspolitische Magazin „Rappler“ rund um Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa auf den Philippinen wird von der Politik geschlossen.  mehr...

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Gespräch Sicherheitsexperte zum NATO-Gipfel in Madrid: Neue Angriffspläne Russlands im Keim ersticken

Die Erweiterung der NATO und auch die neue Einschätzung Russlands als strategische Bedrohung bedeute nicht, dass das Militärbündnis seine Politik der Nichteinmischung in den Ukraine-Krieg ändern werde, sagt Oliver Thränert in SWR2, Sicherheitsexperte am Center for Security Studies der ETH Zürich. Die Entschlüsse auf dem NATO-Gipfel in Madrid zu einer verstärkten Präsenz neuer Kontingente im Baltikum, in Polen und Rumänien diene aber dazu, neue Angriffspläne Russlands möglichst im Keim zu ersticken.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Kulturmedienschau Friedenspreis für Serhij Zhadan kommt für die Ukraine zu spät | 28.06.2022

Der ukrainische Autor Serhij Zhadan wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022 ausgezeichnet, „für sein herausragendes künstlerisches Werk“, heißt es in der Begründung, „sowie seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft“. Eine Preisverleihung, die trotz ihrer zweifellosen Berechtigung auch ein bitteres Moment hat. Denn hätte die Öffentlichkeit dem Autor Serhij Zhadan schon früher die große Aufmerksamkeit erwiesen, die er jetzt erhält, wäre der Ukraine vermutlich einiges erspart geblieben.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Forum Krisengipfel der G7 – Kann sich der Westen neu erfinden?

Michael Risel diskutiert mit
Prof. Dr. Ulrich Brand, Politikwissenschaftler, Universität Wien
Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion beim „Tagesspiegel"
Dr. Ursula Weidenfeld, freie Journalistin, Berlin  mehr...

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Tagesgespräch Europaparlaments-Vizepräsidentin Barley: Ukraine und EU brauchen Reformen

Die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley (SPD), betont, dass sich alle Länder der Europäischen Union einig darüber seien, dass die Ukraine in die EU aufgenommen werden soll. Im SWR2 Tagesgespräch sagt sie, dass der Weg dorthin allerdings noch weit sei: "Es besteht auch eine Einigkeit darüber, das der Beitritt selbst erst erfolgen kann, wenn alle Voraussetzungen erfüllt werden, die auch alle anderen Staaten erfüllen müssen." Bei allen Kriterien - politisch, wirtschaftlich und juristisch - sei noch sehr viel zu tun. Es müsse sich aber nicht nur die Ukraine verändern - auch die EU brauche Reformen. Die größte und sichtbarste Baustelle sei das Prinzip der Einstimmigkeit: "Es geht nicht, dass ein Land wie Ungarn wichtige Fragen blockiert aus ganz egoistischen und sehr fragwürdigen Motiven." Außerdem müsse die "veraltete Agrarpolitik" der Europäischen Union überdacht werden, wenn die Ukraine als sehr großes, landwirtschaftlich geprägtes Land in die EU eintrete.  mehr...

SWR2 Aktuell SWR2

Song des Monats Der Juni-Song von Lars Reichow: Stell Dir vor, es ist Krieg

Seit Beginn des brutalen russischen Angriffskriegs auf die Ukraine durchleben viele von uns eine unerträgliche Ohnmacht. Manche können die schrecklichen Nachrichten nicht mehr ertragen und schalten ab. Und Lars Reichow? Der wünscht sich einmal mehr, er könnte mit einem Lied ansingen gegen den Krieg und die Welt verändern...  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Gespräch Gerald Knaus: „Kandidatenstatus für die Ukraine darf nicht zur Warteschleife werden“

Die EU könne der Ukraine schneller und besser helfen als durch den Status als Beitrittskandidat, sagt der Migrationsforscher und Politikberater Gerald Knaus. Der Status sei zwar die richtige Entscheidung, aber: Anstatt die zermürbende Erfahrung einer jahrzehntelange Warteschleife von Ländern wie Nordmazedonien oder Bosnien zu wiederholen, könne die EU dem Land Zugang zu den vier Grundfreiheiten bieten: Freizügigkeit für Menschen, Waren, Dienstleistungen und Kapital. Das sei ein konkretes und erreichbares Ziel.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Marieluise Beck: Kein Verständnis in der Ukraine für deutsche Zurückhaltung

„Bittere Müdigkeit“ herrsche in der Ukraine angesichts der deutschen Zögerlichkeit bei Waffenlieferungen, sagt die ehemalige Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck. Sie ist kurz vor dem geplanten Besuch von Bundeskanzler Scholz in der Ukraine nach Charkiw und Kiew gereist.  mehr...

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Gespräch Vor Scholz-Besuch in der Ukraine: Keine politische Aufarbeitung der Russlandpolitik in Sicht

Auch nach der Zeitenwende-Rede von Olaf Scholz sieht die Osteuropa-Historikerin Franziska Davies keine Verbesserung im deutschen Verhältnis zur Ukraine. In Deutschland fehle uns die Erfahrung, dass ein „Nie wieder Krieg“ manchmal auch mit Waffen verteidigt werden muss, sagt Davies anlässlich des geplanten Besuchs von Bundeskanzler Scholz in der Ukraine.  mehr...

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Der Architekt Francis Kéré

Gespräch Mit der Natur für die Menschen bauen – der Architekt Francis Kéré

Francis Kéré baut mit den Materialien, die am jeweiligen Ort vorhanden sind. Seine schnörkellos schönen Gebäude finden weltweit Beachtung.   mehr...

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