Kulturmedienschau

Ron Iyamu verlässt Schauspielhaus Düsseldorf nach Rassismusvorwürfen | 2.6.2021

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Ron Iyamu und das Schauspielhaus Düsseldorf

Ron Iyamu, 29 Jahre alt, festes Ensemblemitglied am Schauspielhaus Düsseldorf, hat im März 2021 schwere Vorwürfe erhoben: Man habe ihn als Schwarzen stereotyp besetzt und rassistisch beleidigt, ein Schauspielkollege habe ihn mit einem Cuttermesser bedroht. Nun hat Iyamu erklärt, dass er das Theater aus freien Stücken verlässt.

„Alles geben“ sei Iyamus kategorischer Imperativ, kommentiert Patrick Bahners: „Demnach war sein Feldzug die Fortsetzung einer Vermischung von Kunst und Leben. So bezog er es auf sich und nicht auf seine Figur, wenn er vom Regisseur 'Sklave' gerufen wurde.“ Heute habe Iyamu das Paradox seiner Lage erkannt, seine „Übererfüllung einer unmenschlichen Norm, man könnte auch sagen: eine Struktur der Selbstversklavung.“

Claas Relotius gibt sein erstes Interview nach über zwei Jahren:

Claas Relotius, der viele seiner Reportagen gefälscht hat, hat dem Schweizer Reportagen-Magazin sein erstes Interview nach zweieinhalb Jahren gegeben. Er sei psychisch schwer krank, erklärt er darin: „Das hemmungslose Schreiben hat mir geholfen, Zustände, in denen ich den Bezug zur Realität verloren habe, zu kontrollieren.“

Über diese Offenbarung streitet sich sein Berufsstand. Der Journalist Johannes Böhme etwa warnt: „Es fällt auf, wie entlastend die Geschichte ist, in der das betrügerische Schreiben als Therapie verkauft wird. Das ist eine verführerische Erklärung, vielleicht sollten wir ihr gerade deshalb misstrauen.“

Was auffällt beim #Relotius-Interview: Die Interviewer scheinen zu glauben, dass all das, was in den psychiatrischen Akten steht, irgendwie einen ehrlichen Eindruck vom Innenleben dieses Mannes gibt. Aber natürlich geht es in der Therapie nicht primär um Wahrheitsfindung.

Im Relotius-Interview gibts Fragen, die abwegiger sind als die Antworten https://t.co/pfOPsFNk5g

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