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Rheinland-pfälzisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur wird zerschlagen

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Nach fast 75 Jahren eigenständigem Kulturministerium in Rheinland-Pfalz fühlt es sich an, als sei ein kostbares antikes Gefäß kaputtgeschlagen und die einzelnen Scherben neu verteilt worden. Das erscheint mal mehr, mal weniger nachvollziehbar. Im Fall der Kultur stellt sich die Frage, wie man den komplexen Aufgaben zur Rettung der Kulturszene nach der Pandemie in einem Sammelsurium wie dem „Ministerium für Frauen, Familie, Integration und Kultur“ gerecht werden kann.

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Nach 75 Jahren kein eigenständiges Ministerium mehr

Ein eigenständiges rheinland-pfälzisches Kulturministerium ist nach fast 75 Jahren Geschichte. Ein historischer Einschnitt, der sich so anfühlt, als sei ein kostbares antikes Gefäß kaputtgeschlagen und die einzelnen Scherben verteilt worden.

Die Scherbe „Weiterbildung“ befindet sich künftig im Arbeits- und Sozialministerium. Das erscheint mir sinnvoll wegen großer inhaltlicher Überschneidungen.

Wissenschaft geht über Medizin und Biotechnologie hinaus

Die Scherbe „Wissenschaft“ wandert ins Gesundheitsministerium. Das ist in Pandemie-Zeiten, was die Unimedizin und die Naturwissenschaften anbelangt, auch noch verständlich. Die neue Landesregierung will Rheinland-Pfalz zum führenden Standort im Bereich Biotechnologie ausbauen.

Doch was haben Kunstakademie, Dolmetscherinstitut, Künstlerische Keramik und viele andere damit zu tun? Hoffentlich fallen sie künftig nicht hinten runter.

Kultur im gesellschaftspolitischen Sammelsurium

Und zum Schluss: wohin mit der großen Restscherbe „Kultur“? Die kommt zu einem Ministerium, dass bisher abgekürzt „MFFJIV“ hieß: und künftig für vielleicht nur noch „MFFIK“ heißen wird: Frauen, Familien, Integration und ach ja – Kultur.

Die Kultur – ein Thema nach vielen anderen, dabei ist gut gemachte Kulturpolitik in diesen Zeiten viel zu komplex, um Teil eines gesellschaftspolitischen Sammelsuriums zu sein.

Grüne in Zukunft zuständig

Bei allen Bedenken macht Hoffnung, dass zum ersten Mal in der Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, nach CDU und SPD, künftig die Grünen für die Kultur zuständig sind. In ihrem Wahlprogramm haben sie sich sehr detailliert mit der Kulturszene auseinandergesetzt haben: „Kultur am Leben halten“ stand drüber.

Sie wollen eine Enquete-Kommission einsetzen, um die Kulturförderung zu überdenken. Die freie Szene soll besonders in den Blick genommen werden, auch Clubs und soziokulturelle Zentren.

Das muss allerdings jetzt sehr schnell anlaufen, damit Künstlerinnen und Künstler, sowie Kulturinstitutionen in Rheinland-Pfalz, die seit Beginn der Pandemie sowieso schon ums Überleben kämpfen nicht noch mehr den Eindruck haben, gänzlich unwichtig zu sein.

Generaldirektion Kulturelles Erbe ausgegliedert

Denn was diesen Eindruck noch enorm verstärkt – bei der Gefäßaufteilung wurde von der Kulturscherbe ein besonders schöngestaltes, großes Stück abgebrochen, eine die bisher vor allem für die überregionale Strahlkraft der rheinland-pfälzischen Kultur gesorgt hat: Die Generaldirektion Kulturelles Erbe, mit ihren Landesmuseen in Mainz, Koblenz und Trier, Landesarchäologie, Landesdenkmalamt sowie der Abteilung Burgen, Schlösser, Altertümer.

Diese Generaldirektion kommt zum Innen- und Sportministerium. Wie das alles zusammenpassen soll ist mir ein Rätsel. Und ich befürchte, es wird sehr viel Kitt nötig sein, damit die Scherbenstücke an den neuen Stellen halten.

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