Kulturmedienschau

Rezos Video „Zerstörung Teil 2: Klima-Katastrophe“ | 6.9.2021

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Drei Wochen vor der Bundestagswahl bringt der YouTuber Rezo das Video „Zerstörung Teil 2: Klima-Katastrophe“ heraus. Der deutschen Klimapolitik stellt er ein vernichtendes Zeugnis aus. Die Resonanz im Netz ist riesig. Die Feuilletons sind skeptisch, ob Rezo mit seinem Appell auch tatsächlich die wahlentscheidenden Älteren erreicht.

Kritik an den Parteien, die die Klimakrise nicht aktiv bekämpfen

„Stellt Euch vor, die Hälfte von Deutschland würde einfach verbrennen!“ sagt Rezo in seinem neuen halbstündigen Youtube-Video zur Einordnung der Waldbrände in Australien vor 1 1/2 Jahren. Unter der Überschrift „Zerstörung Teil 2: Klimakatastrophe“ erklärt der Youtuber anschaulich die Folgen des Klimawandels vom Artensterben über Dürre und Extremwetterereignisse bis zu Flüchtlingsbewegungen.

Genauso anschaulich zeigt Rezo auf, welche Parteien die Klimakrise nicht aktiv bekämpfen, obwohl sie Regierungsverantwortung tragen. Besonders hart geht Rezo auch dieses Mal mit der Union ins Gericht. Seine Vorwürfe: eine zu große Nähe zur Wirtschaft, Wissenschaftsfeindlichkeit und auch, dass CDU und SPD die Reduktion von CO2-Emissionen gefährlich verschleppen.

Auf Twitter wird Rezo für sein Video gefeiert. Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf bestätigt, dass der Youtuber die Gefahren der Erderhitzung keineswegs übertreibt, sondern sie eigentlich noch dramatischer ausfallen werden. Andere Nutzer*innen empfehlen, das Video den eigenen Großeltern zu zeigen.

Rezo übertreibt keineswegs die Gefahren der #Erderhitzung. Im Gegenteil: Dürre in Deutschland macht nicht nur "Schäden für die Wirtschaft" sondern zerstört Wälder. Und auch Menschen über 50 wird die Klimakrise hart treffen, wenn sie noch 2040 oder 2050 erleben wollen.

Funktioniert Rezos jugendliche Anprache auch bei den Silver Agern?

Spiegel Online ist allerdings skeptisch, ob Rezos jugendliche Ansprache auch bei den Silver Agern funktioniert: „Bleibt nur die Frage, wer von ihnen Rezo abonniert hat – oder ihn versteht, wenn er oder sie das Video von Enkeln weitergeleitet bekommt“, meint Spiegel Online. „Weiß Oma, was es bedeutet, wenn der Blogger Laschet unterstellt, 'sus' zu sein? Das Wörtchen ist die verkürzte Form von 'suspekt'. Und genau so dürften viele ältere Zuschauende den Blogger mit den blauen Haaren leider noch immer einschätzen.“

Hat Rezo eine hohe Glaubwürdigkeit bei den Ü50ern?

Die taz hat ein bisschen mehr Hoffnung und glaubt, dass Rezo eigentlich gerade bei den Ü50ern eine hohe Glaubwürdigkeit habe. Auf taz.online heißt es: „Interessant ist, worüber Rezo in seinem 33-minütigen Video nicht spricht: Die Grünen kommen genauso wenig vor wie Fridays for Future, obwohl sich der Beitrag wie ein einziger riesiger Wahlwerbespot für die Grünen anhört. Teil der Jugendbewegung will Rezo nicht sein, obwohl er sie unterstützt und ihre Ziele teilt. Wird er als authentischer Vertreter einer so sympathischen wie bedrohten Jugend diejenigen Älteren erreichen, die den Klimawandel zwar irgendwie wahrnehmen, die aber bislang nicht bereit sind, ihr Konsum- und Wahlverhalten entsprechend umzustellen? Schön wär's ja.“

Flammender Appell an die Älteren, zu handeln

Rezos Video endet auf jeden Fall mit einem flammenden Appell an die Älteren, die an der Wahlurne die Mehrheit stellen. Nachdem die Jungen während der Pandemie die Älteren geschützt hätten, seien jetzt umgekehrt die Älteren an der Reihe, was zu tun:

„Wenn du Kinder hast, wenn du Enkel hast, dann willst Du sie auch schützen. Natürlich willst du das. Aber das hilft alles nichts, solange du dafür wärst, dass man ja so weiter machen könnte — wird irgendwie klappen. Wird es nicht, ihr habt die Zukunft der jungen Leute in der Hand. Und ohne euch können wir das nicht schaffen.“

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