Tagesgespräch

Renate Künast (Grüne): Biosiegel macht Sinn

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Anlässlich des 20-jährigen Biosiegel-Jubiläums hat die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) die Verdienste des Gütezeichens gelobt. „Ich bin immer noch hellauf begeistert, nicht nur weil es mein Baby ist, sondern es hat damals Sinn gemacht, und es macht heute Sinn. Bio macht einfach Sinn“, sagte die Grünen-Politikerin im SWR2 Tagesgespräch.

Traurig: Marktanteil von Bioprodukten liegt nur bei etwa 10 Prozent

Mit dem Siegel sei Sicherheit am Markt geschaffen worden, „und übrigens dazu ein ganzes Ökolandbauprogramm mit einer Vielzahl von Maßnahmen“. Damals sei es eine bewusste Provokation ihrerseits gewesen, beim Marktanteil der Bio-Lebensmittel eine Zielmarke von 20 Prozent innerhalb von 10 Jahren auszugeben. „Der Gegenwind war groß, aber damit ist auch die Debatte genau darum richtig losgegangen“, so Künast. Heute sei der Marktanteil bei 10,2 Prozent, was traurig sei.

Künast: Deutsche Landwirtschaftspolitik derzeit wenig hilfreich

Positiv schätzt Künast dagegen ein, dass die Europäische Kommission einen neuen Richtwert von 25 Prozent Öko-Produkte bis 2025 vorgegeben habe. Um das zu erreichen, müsse man allerdings die europäische Landwirtschaft massiv umbauen, was Künast auch mit Blick auf die deutsche Landwirtschaftspolitik derzeit schwierig findet. „Ich fürchte, dass das, was gerade in der EU diskutiert wird, auch zusammen mit Frau Klöckner, absolut keine Unterstützung des Ökolandbaus ist und damit auch keine Unterstützung gegen Klimawandel oder für mehr Artenvielfalt“, so Künast.

Nachhaltigkeitsexpertin: Biosiegel-Jubiläum kein Grund zum Feiern

Etwas weniger begeistert über die Erfolge des Biosiegels zeigte sich die Nachhaltigkeitsexpertin Katarina Schickling. Im Gespräch mit dem SWR sagte Schickling zum Feiern sei kein Anlass angesichts der geringen Resonanz des Gütezeichens. Zwar habe sich der Marktanteil von Bio-Lebensmitteln innerhalb von 10 Jahren verdoppelt, dies aber nur auf sehr niedrigem Niveau. Insbesondere beim Fleisch, wo es ja eigentlich besonders wichtig sei, liege der Anteil von Bioprodukten bei gerade mal einem Prozent.

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