Gespräch

Religionssoziologin: Synodaler Weg entscheidende Chance für Katholische Kirche

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INTERVIEW
Marie Gediehn

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Aus soziologischer Sicht sei der Synodale Weg innerhalb der Katholischen Kirche eine entscheidende Möglichkeit, Reformen anzustoßen und einen Veränderungsprozess einzuleiten, sagt die Religionssoziologin Annette Schnabel von der Universität Düsseldorf in SWR2. Die einzige Alternative sei eine Kirche in einer oppositionellen gesellschaftlichen Randstellung, so Schnabel.

Vom 8. bis 10. September finden in Frankfurt am Main die vierte von fünf geplanten Synodalversammlungen des Synodalen Weges statt. Auf der Agenda stehen zentrale Themen wie Macht, Rolle der Frau, priesterliche Lebensformen und Sexualmoral.

Gespräch Synodalversammlung berät über Folgen des Münchner Missbrauchsgutachtens

Missbrauch in der katholischen Kirche zukünftig verhindern – das ist für die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, die wichtigste Frage, die auf der anstehenden Tagung in Frankfurt geklärt werden muss. „Ich setze darauf, das eine Mehrheit der deutschen Bischöfe erkannt hat, dass jetzt die Zeit des Handelns gekommen ist“, sagt Stetter-Karp bei SWR2. Dabei gelte es, Strukturen und alte Rollenbilder zu hinterfragen. Konkret liegt der Versammlung ein Text zur Neubewertung von Homosexualität vor. Stetter-Karp ist zuversichtlich, dass der Zustimmung erhalten wird. Bei diesen Fragen gebe es eine Möglichkeit, die Veränderungen national herzustellen – also zur Not auch ohne den Segen aus Rom.
Nach dem neuen Missbrauchsbericht der Erzdiözese München ist die Katholische Kirche in einer höchst kritischen Situation. Wohl auch, weil Joseph Ratzinger höchstpersönlich als ehemaliger Münchner Bischof zu Missbrauchsfällen geschwiegen hat und gerade als späterer Papst eben erheblichen Einfluss auf den Umgang der Kirche mit Missbrauchsfällen hatte. Natürlich ist das auch eines der bestimmenden Themen auf der Synodalversammlung der Katholischen Kirche, die heute in Frankfurt beginnt und auf dem sogenannten „Synodalen Weg“ nun bereits zum dritten Mal über Reformen des kirchlichen Lebens berät.  mehr...

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Gespräch Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt – Weiterer Sargnagel für Katholische Kirche

Das Gutachten über Missbrauchsfälle im Erzbistum München zeige das Bild einer Kirche, die vor allem an ihrem Ruf nach außen und an der Macht klerikaler Männerbündnisse in ihrem Inneren interessiert sei, sagt Matthias Möhring-Hesse in SWR2, Professor für Theologische Ethik und Sozialethik an der Universität Tübingen. Der Inhalt des Gutachtens könne insofern nicht überraschen. Die Münchner Gutachter waren unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass allein der emeritierte Papst Benedikt XVI. als früherer Münchner Erzbischof in vier Fällen gegen Missbrauchstäter nicht vorgegangen war.
Die Folgen dieser Erkenntnisse für die Katholische Kirche ließen sich noch nicht absehen, sagt Matthias Möhring-Hesse. Aber aus dem Rückblick werde man eines Tages womöglich sagen müssen, dass das Gutachten „ein weiterer Sargnagel für die Kirche ist, für die Papst Benedikt steht, ein weiterer Schub für den Niedergang dieser Kirche.“
Das Selbstinteresse der Kirchenvertreter sei offensichtlich so groß gewesen, dass darüber Anstand und Recht verloren gegangen seien. Das Gutachten zeige sowohl die individuelle Schuld, die mit Kardinal Ratzinger, Kardinal Friedrich Wetter und Kardinal Reinhard Marx gleich drei Münchner Bischöfe auf sich geladen hätten, zugleich aber auch das langjährige systematische Versagen darin, diese Schuld anzuerkennen.
Institutionellen Druck habe zugleich verursacht, dass Ratzinger später Papst geworden sei. „Umso mehr sollte und darf man schätzen“, so Möhring-Hesse, „dass sich Kardinal Marx diesem Druck auch widersetzt und dieses Gutachten in Auftrag gegeben hat, von dem er doch wusste, dass dabei Kardinal Ratzinger eben auch schlecht aussehen würde.“  mehr...

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Kommentar Rekord-Austrittszahlen: Die Katholische Kirche vor dem Abrutschen

Knapp 360.000 Menschen sind im vergangenen Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten, so viele wie noch nie zuvor. Damit sind erstmals in Deutschland mehr Menschen nicht in einer Kirche als umgekehrt. Die Gründe für die Austritte sind nicht neu.  mehr...

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SWR2 Glauben Kämpfen oder austreten? Das Dilemma der katholischen Gläubigen

Die Zahl der Kirchenaustritte ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Inzwischen gehen selbst die, die zum Kern der Gemeinde gehören. Was hält die anderen?  mehr...

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Marie Gediehn