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Rekordwert bei politischen Gewalttaten: „Extremismus der Mitte“ wird militanter

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2021 gab es so viele politisch motivierte Straftaten wie noch nie seit Beginn der BKA-Statistik 2001, sagt der Extremismus-Experte Hans-Gerd Jaschke. Aus den neuesten Zahlen könne man vor allem eines ablesen: „Die Corona-Proteste werden militanter.“

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Die „Szene von Staatsfeinden“ wird gewalttätiger

Man finde bei den Kritiker*innen staatlicher Corona-Maßnahmen auch das, was es im Umfeld der „Reichsbürger“ gebe, nämlich die Gegenüberstellung „Wir hier unten, die da oben“. Das steigere sich mittlerweile zu einer Ablehnung des Staates und seiner Repräsentanten.

Wenn Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang jetzt von einer neuen „Szene von Staatsfeinden“ spreche, sei das zutreffend. An dieser Stelle entstünden im Übrigen auch Verschwörungserzählungen, erläutert Hans-Gerd Jaschke. „Die da oben“ würden oft mit global gesteuerten Eliten in Verbindung gebracht.

Mobilisierungseffekt in der Szene

Problematisch sei, dass die neue „Szene von Staatsfeinden“ gewalttätiger werde. Der Mord an einem Tankstellenmitarbeiter in Idar-Oberstein beispielsweise habe eine gewissen Mobilisierungseffekt in der Szene gehabt.

Gespräch Gewalt gegen Maskenpflicht: Ein neues extremistisches Milieu

Idar-Oberstein trauert um einen Studenten, der mutmaßlich ermordet wurde, weil er auf Einhaltung der Maskenpflicht bestand. Solche Gewalttaten machen deutlich, dass ein neues extremistisches Milieu entstanden ist, erklärt der Kriminologe und Polizeiwissenschaftler Thomas Feltes im Gespräch mit SWR2. „Wir hatten bereits vor Corona die Situation, dass eine große Verunsicherung und auch eine aggressivere Grundstimmung in unsere Gesellschaft eingezogen ist.“ Durch Corona habe sich die Situation noch einmal verschärft, einige Menschen haben sich radikalisiert und am Ende können solche Gewalttaten stehen, erklärt Feltes: „Ich fürchte, das wird nicht die letzte gewesen sein.“  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Sozialpsychologin Pia Lamberty: Rechtsextreme Strukturen hinter Gewalt bei Corona-Protesten

Morddrohungen im Telegram-Chat gegen den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Pakete mit rohem Fleisch an Politiker*innen, verbunden mit der Prophezeiung: „Ihr werdet ebenfalls bluten“. Man sehe jetzt wieder, wie gefährlich die Strukturen seien, aus denen solche Gewaltdrohungen kämen, sagt die Sozialpsychologin Pia Lamberty in SWR2. Sie forscht in Mainz zu Verschwörungstheorien. „Man hat von Anfang an gesehen, dass diese verschwörungsideologisch geprägten Proteste auch immer ganz klar ins rechtsextreme Spektrum verwoben waren“, so Lamberty. Schon bei Querdenken-Demonstrationen habe es klare Bezüge zu Reichsbürgern und anderen Rechtsextremen gegeben.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Gespräch Querdenker auf Telegram: Staatsfeindlichkeit und Online-Radikalisierung

„Dem Kern der Bewegung geht es um Systemsturz und um Bürgerkriegsfantasien“, sagt der Journalist Alexander Roth über die Radikalisierung der Querdenker-Szene auf „Telegram“. Querdenker und Protestgruppen wie die „Freien Schwaben“ versammelten auf dem Messanger-Dienst und verabredeten dort Angriffe auf Impfteams oder Übergriffe auf Polizist*innen wie zuletzt in Mannheim, so Roth im SWR2 Gespräch.  mehr...

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