STAND
INTERVIEW

Auf der Berliner Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen sei eine gefährliche Mischung von egoistischen, spaßgesellschaftlich orientierten Menschen unterwegs gewesen, die mit überzeugten Rechtsradikalen gemein machten, sagt der Publizist Albrecht Lucke zu den Bildern von Schwarz-Weiß-Roten Reichsflaggen auf den Stufen des Reichstagsgebäudes.

Audio herunterladen (8,2 MB | MP3)

Diejenigen unter den Demonstrierenden, die berechtigte Kritik und Zweifel an den Corona-Maßnahmen hätten, müssten jetzt erkennen, mit wem sie sich da zusammentäten. Das neue Phänomen sei der ungebremste Narzissmus, der bereit sei, die Demokratie in Abrede zu stellen.

Albrecht von Lucke findet, es brauche eine große Debatte über die Frage, was uns die Demokratie wert ist. Angesichts der Herausforderungen der Zukunft müsse man bereit sein, eigene Interessen hintanzustellen: „Es kann nicht darauf hinauslaufen, dass jeder sein Fähnchen schwingt und im Zweifelsfall sogar bereit ist, den Reichstag zu stürmen.“

Albrecht von Lucke ist Herausgeber der Blätter für deutsche und internationale Politik.

Kulturmedienschau Weitere Diskussionen um sogenannten „Sturm auf den Reichstag“ | 1.9.2020

Der – wie es Bundespräsident Steinmeier nannte – „Angriff auf das Herz unserer Demokratie“ und die Reichsflaggen schwenkenden Demonstranten vor dem Reichstagsgebäude sind weiter Thema auf den Kulturseiten der Tagezeitungen und natürlich auch in den sozialen Medien im Netz.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Tagesgespräch Beatrix von Storch (AfD): "Aktion vor dem Reichstag war nicht in Ordnung"

Die Junge Alternative, die Jugendorganisation der AfD, hat sich von der Demonstration vor dem Reichstag distanziert. JA-Mitglied Gavin Singer aus Brandenburg, der auf Handy-Videos klar zu identifizieren war, sei aus der Jugendorganisation ausgeschlossen worden, so Beatrix von Storch, die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag im SWR. Auch von Storch distanzierte sich, wie schon zuvor AfD-Fraktionschefin Alice Weidel, von der Aktion vor dem Reichstag. "Nein, das ist nicht in Ordnung", sagte von Storch im SWR Tagesgespräch. Von Storch verwies aber auch auf eine Aktion von Greenpeace im Juli. Damals hatten Greenpeace-Aktivisten die Kuppel des Reichstags bestiegen und Transparente enthüllt. Nur darüber, so von Storch, habe sich niemand aufgeregt. Auf die Frage, ob sie Reichsflaggen und andere, verbotene Symbole vor dem Reichstag kalt ließen, antwortete von Storch mit "nein". Die Flaggen, die gezeigt worden seien, "das ist nicht in Ordnung". "Das wollen wir nicht." „Wir wollen gewählt werden, wir wollen als Abgeordnete aus dem Parlament heraus agieren." Man müsse aber auch klar machen, dass hier eine "riesige Bewegung unzufrieden sei mit der Politik der Regierung." Auf den Hinweis, dass diese "riesige Bewegung" laut Umfragen ungefähr elf Prozent der Bevölkerung repräsentiere, meinte von Storch: Bei elf Prozent könne man nicht sagen, die seien zu vernachlässigen.  mehr...

SWR2 Tagesgespräch SWR2

Empörung über Ereignisse: Steinmeier scharfe Kritik

Empörung über Ereignisse am Berliner Reichstag  mehr...

STAND
INTERVIEW