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Die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischöfe endet am 25. Februar 2021. Der Synodale Weg, die Kirchenaustritte und die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester – Themen, die von der Vertrauenskrise im Bistum Köln dominiert wurden. Ein Highlight: zum allerersten Mal wurde eine Frau Generalsekretärin der Bischofskonferenz. Reform der Erneuerung oder Feigenblatt? Das muss sich noch zeigen, meint Susanne Babila.

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Chapeau Frau Gilles! Sie sind die erste Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz. Dazu gehört Mut, Zuversicht und Leidensfähigkeit. Zum ersten Mal wählt die geistliche Herrenrunde eine Frau, eine promovierte Theologin, in eine überregionale Schlüsselposition.

Für echte Veränderung müssen Taten folgen

Immerhin – die Männermachtkirche scheint zu ahnen, was die Stunde geschlagen hat. Das finde ich gut, aber auch nicht mehr. Denn als Frau und gläubige Katholikin im 21. Jahrhundert erwarte ich von der katholischen Kirche mehr als „nur“ ein Signal, das sich am Ende auch als Feigenblatt herausstellen könnte.

Dazu gehört, sich ernsthaft mit den Reformen in der katholischen Kirche auseinanderzusetzen — der Diskussion Taten folgen zu lassen. Diese Erwartung teile ich mit vielen anderen in den Gemeinden, die versuchen in ihrer ehrenamtlichen Arbeit Kirche zu leben: einen Ort der Begegnung, der Spiritualität und Gemeinschaft zu schaffen.

Kirchenaustritte sind Symptom einer „Vertuschungspolitik“ im Umgang mit Missbrauchsskandalen

Viele Katholik*innen, auch streng Gläubige haben ihr Vertrauen in eine Kirche verloren, die das Evangelium predigt, aber nicht lebt. Der steile Anstieg der Kirchenaustritte belegt, wie die Gemeinden schrumpfen. Es ist ein Exodus: Sie flüchten vor einer Kirche, die die Aufklärung in den unzähligen Missbrauchskandalen nur schleppend vorantreibt.

Kardinal Wölki ist prominenter Vertreter der Vertuschungspolitik, aber eben nur einer unter viel zu vielen. Die Kirche krankt an ihrer verkrusteten männlichen Macht- und Herrschaftspolitik, die Gefügigkeit verlangt und Obrigkeitshörigkeit einfordert. Sie krankt an Klerikalismus und Machtmissbrauch, in denen Offenheit, Vertrauen und Transparenz keinen Platz haben.

Missbrauchsfälle müssen richtig aufgearbeitet werden

Wie oft wurden Täter gedeckt, Opferaussagen vertuscht, von Priestern gezeugte Kinder verheimlicht? Auch im Fall Wölki haben die Bischöfe die Chance verpasst, klar Farbe zu bekennen — auch wenn Rom die Hand über den Kardinal hält. Was jetzt anstehen müsste ist eine unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, die strafrechtliche Verfolgung der Täter und das kirchenrechtliche Vorgehen gegen die Vertuscher.

„Nehmen Sie die Betroffenen ernst – anstatt sich selbst als Opfer darzustellen“, forderten unter anderem die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, der Katholische Deutsche Frauenbund sowie die Reformbewegungen „Wir sind Kirche“ und „Maria 2.0“. Doch werden sie wirklich ernst genommen?

Die Kirche muss Frauen endlich nicht nur als günstige Hilfen sehen

Gerade Frauen sind in der katholischen Kirche gerngesehene Helfer, solange sie keine Forderungen stellen oder gar Weiheämter für sich beanspruchen. Aber die Zeiten sind vorbei, in denen Frauen sich aufs Nebengleis schieben lassen, auch in der Kirche. Dafür steht auch Beate Gilles, die Bundesvorsitzende von „IN VIA“ ist, einem Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit.

Ob sie Reformen befördern kann, wird sich zeigen. Doch genau das erwarten jetzt viele Katholik*innen: Ein Bekenntnis für eine offene, lebensnahe, gerechte Kirche, die ihre Schuld bekennt und Verantwortung übernimmt. Dafür muss sie sich radikal erneuern. Tut sie das nicht, wird sie in Deutschland keine Zukunft haben.

Schwäbisch Gmünd

Gespräch Katholische Frauenorganisation „Maria 2.0“ kritisiert Bischofskonferenz: „Die wollen nichts ändern“

Die katholische Frauenbewegung „Maria 2.0“ hat ihre Kritik an der katholischen Kirche in Deutschland erneuert: „Ich sehe nicht, dass sich da was bewegt“, sagt Beate Spießhofer, die bei der Basis-Organisation in Schwäbisch Gmünd aktiv ist. Die Reaktion auf die „Thesenanschlags“-Aktion an Kirchentüren am Wochenende des 20./21. Februar sieht Spießhofer überwiegend positiv: „Ein Geistlicher hat das in seiner Predigt sogar positiv gewürdigt, dass Laien sich so engagieren“. Ein anderer Pfarrer habe dagegen das Aufhängen der Plakate ausdrücklich untersagt.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Tagesgespräch Bischof Peter Kohlgraf, Mainz: "Wir sind nicht nur Missbrauch"

Im Vorfeld der Frühjahrsversammlung der Deutschen Bischofskonferenz räumte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf im SWR Tagesgespräch ein, dass "die Kölner Geschichte" im Moment alles überlagere. Hintergrund ist die massive Kritik am Kölner Kardinal Woelk für den Umgang mit einer Studie zum Missbrauch in seinem Bistum, die er unter Verschluss hält. Zu den Rücktrittsforderungen an Woelki wollte sich Bischof Kohlgraf nicht äußern. Er nehme aber wahr, dass "die Stimmung auch ins Bistum Mainz schwappt." Zum Thema Frauen in der katholischen Kirche köndigte Kohlgraf an: "Was wir machen können, ist, auch in die Weltkirche kommunizieren, dass das Thema bei uns brennt."
Mit Blick auf die Bischofskonferenz sagte Kohlgraf: "Wir sind nicht nur Missbrauch. (...) Es geht auch darum zu zeigen, was wir an guten Ressourcen haben."  mehr...

SWR2 Aktuell SWR2

Tagesgespräch Agnes Wuckelt (kfd): "Irgendwann nimmt der erste Bischof seinen Hut"

Die stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Agnes Wuckelt, hat den Rücktritt des Hamburger Erzbischofs Heße vom Amt des geistlichen ZDK-Beraters begrüßt. Im SWR sagte Wuckelt, man wünsche sich aber weitergehende Konsequenzen. "Bischof Heße hat einen ersten Anlauf gemacht, als er ein Ehrenamt niedergelegt hat, und da jetzt zu sagen, ich ziehe mich zurück ist ein guter Schritt, aber es ist ein erster kleiner Schritt“. Wuckelt, die auch Mitglied im synodalen Weg, dem Reform-Gremium von Bischofskonferenz und ZDK ist, wies zudem auf die zum Teil unkoordinierte Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche hin.  mehr...

SWR2 Tagesgespräch SWR2

Zeitgenossen Pater Klaus Mertes: „Wir sind in einer historischen Umbruchssituation“

Es sind am 28. Januar 2020 genau 10 Jahre her, dass Pater Klaus Mertes einen Stein ins Rollen gebracht hat. Der Jesuit hat den Missbrauch am Canisius-Kolleg durch Mitbrüder seines Ordens in Berlin öffentlich gemacht. Plötzlich hatten auch andere Missbrauchsopfer der Kirche den Mut sich zu Wort zu melden.  mehr...

SWR2 Zeitgenossen SWR2

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