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Viele Beobachter*innen waren überrascht, dass bei den Protesten vom Wochenende rechtsextreme Reichsbürger*innen und Esoteriker*innen gegen die Corona-Auflagen der Bundesregierung protestierten. Keine Überraschung für Autor Tobias Ginsburg, der für sein Buch „Die Reise ins Reich: Unter Reichsbürgern“ lange in der Szene recherchiert hat.

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Lange rechte Tradition in der Esoterik

Die Nähe zwischen rechtem und esoterischem Gedankengut stamme aus dem 19. Jahrhundert, „dazu gehörte Geisterglaube und Spiritismus, aber auch Rassismus und Antisemitismus“. Zwar sei nicht die gesamte Esoterikszene rechtsextrem, aber sie sei offen für derartige Ideen.

Ginsburgs Fazit: „auch ein Neonazi kann an Homöopathie glauben, der nennt das dann die neue germanische Medizin oder so etwas. Auch Reichsbürger arbeiten gern in einer spirituellen Umgebung mit wallenden Gewändern und selbstgezogenen Zucchinis“.

Gesellschaft Reichsbürger – Rechtsextreme Verschwörungstheoretiker

Ein heimlicher Besuch bei einem geheimen Treffen zeigt, wie Reichsbürger ticken: Sie horten Waffen, sind antisemitisch und verfassungsfeindlich. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, wird noch immer unterschätzt.  mehr...

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Neonazis im Batikhemdchen

Der Autor warnt davor, von Allianzen und Vernetzungen der verschiedenen Szenen zu sprechen — denn so werde die Unterscheidung zwischen Neonazis und Esoteriker*innen werde oft nur oberflächlich an ästhetischen Kriterien festgemacht: Nicht alle Neonazis seien mit Glatze und Springerstiefeln unterwegs, manche trügen auch Batikhemdchen.

Besonders beunruhigend für Ginsburg sei an der #b2908-Demo gewesen, wie sich in der großen Menge das Abdriften von esoterischen zu rechtsextremen Vorstellungen förmlich manifestierte: „Da waren Leute mit einem 'Ich hab Angst vor der Corona-Demo'-Schild und eine halbe Stunde später wurde ihnen dann eine Reichsflagge in die Hand gedrückt.“ In diesem Ausmaß sei das durchaus unheimlich.

Gespräch Rechtsradikale stürmen vor das Reichstagsgebäude: „Es ist die Mischung, die die Gefahr macht“

Auf der Berliner Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen sei eine gefährliche Mischung von egoistischen, spaßgesellschaftlich orientierten Menschen unterwegs gewesen, die mit überzeugten Rechtsradikalen gemein machten, sagt der Publizist Albrecht Lucke zu den Bildern von Schwarz-Weiß-Roten Reichsflaggen auf den Stufen des Reichstagsgebäudes.  mehr...

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Kulturmedienschau Weitere Diskussionen um sogenannten „Sturm auf den Reichstag“ | 1.9.2020

Der – wie es Bundespräsident Steinmeier nannte – „Angriff auf das Herz unserer Demokratie“ und die Reichsflaggen schwenkenden Demonstranten vor dem Reichstagsgebäude sind weiter Thema auf den Kulturseiten der Tagezeitungen und natürlich auch in den sozialen Medien im Netz.  mehr...

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Tagesgespräch Beatrix von Storch (AfD): "Aktion vor dem Reichstag war nicht in Ordnung"

Die Junge Alternative, die Jugendorganisation der AfD, hat sich von der Demonstration vor dem Reichstag distanziert. JA-Mitglied Gavin Singer aus Brandenburg, der auf Handy-Videos klar zu identifizieren war, sei aus der Jugendorganisation ausgeschlossen worden, so Beatrix von Storch, die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag im SWR. Auch von Storch distanzierte sich, wie schon zuvor AfD-Fraktionschefin Alice Weidel, von der Aktion vor dem Reichstag. "Nein, das ist nicht in Ordnung", sagte von Storch im SWR Tagesgespräch. Von Storch verwies aber auch auf eine Aktion von Greenpeace im Juli. Damals hatten Greenpeace-Aktivisten die Kuppel des Reichstags bestiegen und Transparente enthüllt. Nur darüber, so von Storch, habe sich niemand aufgeregt. Auf die Frage, ob sie Reichsflaggen und andere, verbotene Symbole vor dem Reichstag kalt ließen, antwortete von Storch mit "nein". Die Flaggen, die gezeigt worden seien, "das ist nicht in Ordnung". "Das wollen wir nicht." „Wir wollen gewählt werden, wir wollen als Abgeordnete aus dem Parlament heraus agieren." Man müsse aber auch klar machen, dass hier eine "riesige Bewegung unzufrieden sei mit der Politik der Regierung." Auf den Hinweis, dass diese "riesige Bewegung" laut Umfragen ungefähr elf Prozent der Bevölkerung repräsentiere, meinte von Storch: Bei elf Prozent könne man nicht sagen, die seien zu vernachlässigen.  mehr...

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