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INTERVIEW

„Absolut gar keinen Nutzen“ sieht Autorin Rebekka Endler in den pinken Einmal-Handschuhen „Pinky Gloves“, die Frauen das Handhaben von benutzten Menstruationsprodukten „erleichtern“ sollen, wenn es nach den Erfindern geht: „Das ist ein gutes Beispiel für patriarchales Design.“

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Unter dem Gendermarketing — „Pink it, shrink it!“ — fänden oftmals Dinge Vermarktung als Lösungen für Probleme, die es so nicht gäbe, erklärt Endler. Oder Cis-Männer hätten Probleme für Frauen bzw. nicht cis-männliche Personen vermutet.

Period Shaming und Menstruationstabu

Andere Männer wiederum gäben dann Geld an diese Männer für die vermeintliche Problemlösung  — die in Wirklichkeit kein Mensch brauche, so die Autorin des Sachbuchs „Das Patriarchat der Dinge“. Die „Pinky Gloves“ seien ein schönes Beispiel dafür.

Es würde gleichzeitig mit dem Produkt unterstellt, dass Menstruation und Menstruationsblut etwas „Ekliges“ seien, etwas „Schambehaftetes“  — wie es oft auch im Marketing von Hygiene-Produkten für Menstruierende geschehe, wo Tampons und Binden mit blauer Flüssigkeit gezeigt würden: „Kein Mensch hat blaues Blut!“

Ökologisch fragwürdige Idee

Außerdem kritisiert Rebekka Endler die fehlende Nachhaltigkeit der Einweghandschuhe mit Klebeverschluss: „Das ist ökologisch nicht vertretbar.“ Wichtig sei es vielmehr auf Toiletten ausreichend Mülleimer für Menstruationsprodukte bereitzustellen und diese regelmäßig zu leeren.

Endler verweist zudem auf andere, bereits existierende Lösungen, die der Umwelt nicht so schadeten: Leere Verpackungsbeutelchen von Papiertaschentüchern etwa ließen sich einfach zu diesem Zweck nutzen und mitnehmen.

Feminismus „Pinky Gloves“ — Kontroverse um Menstruation, Mansplaining und pinke Einmal-Handschuhe

Was als girly Handtaschen-Must-Have präsentiert wurde, entwickelte sich nach Ausstrahlung der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ rasant zur Gesellschaftsdebatte: Die Einmal-Handschuhe „Pinky“, gefördertes Produkt zweier ehemaligen Bundeswehr-Soldaten aus dem Münsterland, sollen es „frau“ erleichtern ihre Menstruationsprodukte ohne Hautkontakt „diskret“ und „ohne störende Gerüche“ zu entsorgen.  mehr...

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