Schule Kunst als Lernhilfe: Koblenzer Realschule übt Schneidern, Malen und Musizieren

Von Max Knieriemen

„Learning through the Arts“, LTTA, ist ein pädagogischer Ansatz aus Kanada. Das Ziel: Schülerinnen und Schülern den Stoff mit Hilfe von Kultur näher zu bringen. Auch in Rheinland-Pfalz wird dieser Ansatz verfolgt. Sechs Schulen mit dem Schwerpunkt Kultur testen aus, wie dieser Ansatz funktioniert. Eine davon ist die Goethe-Realschule, im nicht allzu vornehmen Koblenzer Stadtteil Lützel. Dort wird jetzt überdurchschnittlich viel geschneidert, gemalt und musiziert.

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Kunstprojekte zum Schulalltag machen

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet die Goethe Schule daran, eine Schule mit Kulturschwerpunkt zu werden. Kunstprojekte werden dabei in den Schulalltag integriert. Außer zwei fest engagierten Referenzkünstlerinnen sind auch zahlreiche Kulturinstitutionen aus der Region eingebunden.

Dazu gehören das Ludwigmuseum, das Kompetenzzentrum Pop Rheinland-Pfalz und das Koblenzer Kleinkunsttheater KuFa. Auch wenn es ein wenig gedauert hat, bis alle Lehrer sich von dem Konzept haben überzeugen lassen, scheint der Ansatz erfolgreich.

Kostümschneidern für das Schultheater

Ein Werkraum in der Goethe-Realschule in Koblenz-Lützel. Scarlett Sauer und Jenny Nguyen aus der 6a nähen große Schaumstoffstücke an einem Seil fest. Für ihr Theaterstück „Jim Knopf und das Abenteuer mit dem Drachen“ nähen sie ihre Kostüme selbst.

Goetheschule Koblenz (Foto: SWR, SWR - Foto: Max Knieriemen)
Jenny Nguyen (links) und Scarlett Sauer von der Goetheschule in Koblenz-Lützel beim Kostümeschneidern mit Szenenbildnerin Nicole Heidel (Mitte). SWR - Foto: Max Knieriemen

Professionelle Anleitung gibt Nicole Heidel, professionelle Szenenbildnerin für Film und Fernsehen. Seit einigen Jahren unterstützt sie in Koblenz die Schüler bei Kreativprojekten.

Schulische Probleme mit künstlerischen Mitteln lösen

Heidel ist eine der beiden Referenzkünstlerinnen der Schule. So werden die beiden Künstlerinnen genannt, die fest an der Schule engagiert sind, um künstlerische Ansätze für den Unterricht zu konzipieren.

Lehrerin Andrea Zipfel koordiniert das Projekt: „Im besten Fall ist es einfach eine Kooperation, das heißt der Lehrer hat ein Thema, wo er nicht so gut weiterkommt oder merkt, dass die Schüler sich schwer tun das zu lernen, dann kann er die Künstler ansprechen in der Künstlersprechstunde.“

Skulpturen basteln, um Geometrie zu lernen

Reine-Lutèce Neyumgo Ngounou arbeitet an einem Rapsong, den die Schüler zur Langen Nacht der Museen im Koblenzer Ludwigmuseum zur präsentieren werden.

Nicht nur in ohnehin musischen Fächern wie Deutsch oder Musik wird mit Kunst gelernt, sondern auch in Fächern wie Mathematik. Die Schüler basteln Skulpturen, um Geometrie zu lernen, und führen im Biologieunterricht Baumtagebücher.

Schüler öffnen sich stärker für schulische Angebote

Außerdem arbeiten sie zum Beispiel an einem Youtube-Channel, der mathematische Themen einfach erklärt, um das Lernen zu erleichtern. Neben solchen Projekten, die auf den Fachunterricht zugeschnitten sind, gibt es zusätzlich beispielsweise Gitarrenunterricht.

Abdallah Alessa erzählt, er wäre ohne das Angebot wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, ein Instrument zu lernen. Schulleiter Ralf Mahrenbach ist begeistert: „Wir haben erkennen können, dass viele Schüler Kompetenzen zeigen, die wir vorher bei ihnen gar nicht erkannt haben. Die sich viel stärker öffnen, viel offener sind, um schulische Angebote wahrzunehmen.“

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