Kulturmedienschau

Realitätstüchtiges Agieren und traditionelle Unfehlbarkeit? | 24.1.22

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Mehr Realpolitik wagen? Die SPD und Putin. Und: Die moralische Fehlbarkeit der Kirche in der SWR2-Kulturmedienschau.

Gespräch Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt – Weiterer Sargnagel für Katholische Kirche

Das Gutachten über Missbrauchsfälle im Erzbistum München zeige das Bild einer Kirche, die vor allem an ihrem Ruf nach außen und an der Macht klerikaler Männerbündnisse in ihrem Inneren interessiert sei, sagt Matthias Möhring-Hesse in SWR2, Professor für Theologische Ethik und Sozialethik an der Universität Tübingen. Der Inhalt des Gutachtens könne insofern nicht überraschen. Die Münchner Gutachter waren unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass allein der emeritierte Papst Benedikt XVI. als früherer Münchner Erzbischof in vier Fällen gegen Missbrauchstäter nicht vorgegangen war.
Die Folgen dieser Erkenntnisse für die Katholische Kirche ließen sich noch nicht absehen, sagt Matthias Möhring-Hesse. Aber aus dem Rückblick werde man eines Tages womöglich sagen müssen, dass das Gutachten „ein weiterer Sargnagel für die Kirche ist, für die Papst Benedikt steht, ein weiterer Schub für den Niedergang dieser Kirche.“
Das Selbstinteresse der Kirchenvertreter sei offensichtlich so groß gewesen, dass darüber Anstand und Recht verloren gegangen seien. Das Gutachten zeige sowohl die individuelle Schuld, die mit Kardinal Ratzinger, Kardinal Friedrich Wetter und Kardinal Reinhard Marx gleich drei Münchner Bischöfe auf sich geladen hätten, zugleich aber auch das langjährige systematische Versagen darin, diese Schuld anzuerkennen.
Institutionellen Druck habe zugleich verursacht, dass Ratzinger später Papst geworden sei. „Umso mehr sollte und darf man schätzen“, so Möhring-Hesse, „dass sich Kardinal Marx diesem Druck auch widersetzt und dieses Gutachten in Auftrag gegeben hat, von dem er doch wusste, dass dabei Kardinal Ratzinger eben auch schlecht aussehen würde.“  mehr...

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Tagesgespräch Vertreter von Missbrauchs-Opfern über Benedikt XVI.: "Da ist er aus meiner Sicht Komplize geworden"

Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche sehen durch neue Untersuchungen die Mitverantwortung des zurückgetretenen Papstes Benedikts für einige derartige Fälle als bewiesen an. In einem Gutachten wird ihm vorgeworfen, in seiner Zeit als Erzbischof von München-Freising zugelassen zu haben, dass ein verurteilter Missbrauchstäter dort wieder für die Kirche arbeiten konnte. An dessen folgenden Taten im Bistum trage Benedikt XVI. als früherer Erzbischof Ratzinger eine Mitschuld, kritisierte Matthias Katsch von der Betroffenen-Initiative Eckiger Tisch im SWR Tagesgespräch:
"Diese Opfer, die gehen auf Ratzingers Konto. Da ist er aus meiner Sicht Komplize geworden, denn er hat es in der Hand gehabt. Er hätte entscheiden können: `Nein, der Mann kommt mir nicht mehr in die Seelsorge, der wird aus dem Amt entfernt.`"
Stattdessen habe er dem Mann "den Weg geebnet", warf ihm Katsch vor. "Die Schuld des Josef Ratzinger und seiner Nachfolger ist ganz klar, dass diese Jungen, heute Männer, den Missbrauch nicht hätten erleiden müssen, wenn nicht das Interesse gewesen wäre, das alles geräuschlos verschwinden zu lassen."
Insgesamt soll der 2013 zurückgetretene Papst Benedikt XVI. dem neuen Gutachten zufolge als damaliger Erzbischof in mindestens vier Fällen nichts gegen beschuldigte Kleriker unternommen haben. Am späten Nachmittag drückte der heute 94-Jährige in einer Botschaft über seinen Sprecher - so wörtlich - "Schock und Scham" angesichts des Gutachtens aus.
Katsch sagte im SWR außerdem, als er von den Ergebnissen des Gutachtens gehört habe, sei er "bewegt" gewesen, "weil ich das Gefühl hatte, dass den Anwälten etwas geglückt ist, was selten ist. Nämlich, dass sie einen gewesenen, aber immerhin Papst aus Deutschland bei der Lüge erwischen und so eine ganze Cover-Up-Operation, die über zehn Jahre hinweg versucht hat, seine Verantwortung herunterzuspielen und klein zu halten, auf einmal sich in Luft auflöst."
Um die Vergangenheit in der katholischen Kirche aufzuarbeiten, sei nun ein Blick von außen nötig. Das könne jedoch nur in einer unabhängigen Aufarbeitung geschehen, die von staatlicher Seite garantiert unterstützt und begleitet werde, forderte Katsch.  mehr...

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