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Der Inklusionsaktivist Raul Krauthausen fordert, Menschen mit Behinderung gegen das Corona-Virus früher zu impfen. Das gelte gerade für Menschen, die zu Hause lebten und ambulant versorgt würden. Bei ihnen mache sich derzeit der Eindruck breit, dass sie der Bundesregierung „eher lästig“ seien, als sie wirklich schützen zu wollen, so Krauthausen in SWR2.

Inklusion heißt auch das Recht, die Wohnform selbst zu bestimmen

Ähnliches gelte für Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen oder für Eltern behinderter Kinder. Auch sie alle müssten mit Masken und Testmöglichkeiten versorgt, aber auch bei der Impfung priorisiert werden. Schon bei der Verabschiedung des Intensivpflege-Stärkungsgesetz habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Menschen, die zu Hause beatmet werden müssen, dazu in Heime schicken wollen.

Der Gedanke, dass behinderte Menschen vor allem in Betreuungseinrichtungen lebten, passe dabei nicht ins 21. Jahrhundert, sagt Krauthausen: „Inklusion meint genau das Gegenteil, nämlich dass alle Menschen ein Recht darauf haben, ihre Wohnform selbst zu bestimmen und sie eben nicht in Heime zu bringen.“

Priorisierung zu oft nur nach Datenlage

Je länger die Ungewissheit andauere, desto mehr vergrößere sich das Risiko gerade für die besonders vulnerablen Menschen in der Bevölkerung. „Meine Lunge ist relativ klein“, sagt Krauthausen, eine Lungenentzündung zu bekommen, sei für ihn „nicht gerade optimal“. In solchen Fällen der Priorisierung werde zu oft nach Datenlage und nicht aufgrund der persönlichen Erfahrungen behandelnder Ärztinnen und Ärzte entschieden. Schon deshalb setze er sich für viele Menschen mit Behinderung ein, „die eine höhere Priorisierung verdient haben“.

Über ein Ende des Lockdowns zu reden, hält Raul Krauthausen angesichts der Einschätzungen von Virolog*innen zur Verbreitung der Virus-Mutanten für einen „Irrsinn“. Wenn das Virus wieder außer Kontrolle gerate, bedeute das für Menschen mit Behinderung wie ihn, weiterhin wie seit März vergangenen Jahres in Selbstisolation zu leben.

Ich fühle mich in meiner Freiheit jetzt nicht eingeschränkt, weil der Staat etwas verbietet, sondern ich fühle mich in meiner Freiheit eingeschränkt, weil der Staat nicht in der Lage ist, die Impfungen und Schutzmaßnahmen den Bürgern zugute kommen zu lassen, die sie benötigen.

Raul Krauthausen, Inklusionsaktivist

Der Aktivist Ralf Krauthausen setzt sich für die Inklusion von Menschen mit Behinderung ein. 2014 erschien sein Buch „Dachdecker wollte ich eh nicht werden. Das Leben aus der Rollstuhlperspektive".

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