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INTERVIEW

Die Angst vor rassistischen Anschlägen wie in Hanau sei für Deutsche mit migrantischen Biografien „auf einem abstrakten Niveau immer da“, sagt Naika Foroutan in SWR2. Diese Angst liege auch an der langen Geschichte rassistischer Gewalt in Deutschland. So wurden schon in den 1990er Jahren in Mölln oder Solingen Menschen angegriffen und getötet, „weil sie als anders oder nicht zugehörig gelesen wurden. Die Frage von Rassismus ist in Deutschland sehr stark an Migration gekoppelt, die Anschläge der letzten Jahre haben vor allem migrantische Personen getroffen.“

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Ein Jahr nach den Anschlägen von Hanau, bei denen neun Menschen mit migrantischen Biografien ermordet wurden, sieht Foroutan aber auch eine andere Reaktion der Öffentlichkeit auf die rassistische Gewalt als in der Vergangenheit: „Die Kanzlerin hat danach gesagt, Rassismus sei ein Gift, das unserer Gesellschaft schadet und der Innenminister hat gesagt, dass Rechtsextremismus im Moment die akuteste Gefahr für die Gesellschaft darstellt.“

Naika Foroutan ist Professorin für „Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik“ an der Humboldt Universität Berlin und Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung. Zuletzt hat sie zusammen mit der Journalistin Jana Hensel das Buch „Die Gesellschaft der Anderen“ geschrieben, das im Aufbau-Verlag erschienen ist.

Gedenken Ein Jahr nach dem Anschlag von Hanau: Erinnerung an die Opfer des Rassismus

Ein rechtsradikaler Attentäter erschoss am 19. Februar 2020 in der hessischen Stadt Hanau gezielt Menschen mit Migrationshintergrund. Er tötete neun Personen, verletzte sechs und erschoss anschließend seine Mutter und sich selbst. Ein Jahr später sind die Namen der Toten nicht vergessen. Wie wird in Deutschland den Opfern der rassistischen Gewalttat gedacht?  mehr...

Gespräch Über den Anschlag von Hanau – Die Politologin Naika Foroutan

Die rassistischen Morde von Hanau sind kein Ereignis, in dem irgendetwas kulminiert, sondern eines, das sich einschreibt in ein Kontinuum, so die Politologin Naika Foroutan.   mehr...

SWR2 Tandem SWR2

Buchkritik | Corona-Bibliothek „Die Gesellschaft der Anderen“ von Jana Hensel und Naika Foroutan

Ostdeutsche und Migranten haben etwas gemeinsam - sie sind nicht Teil der deutschen Mehrheitsgesellschaft. In diesem Buch, das in Dialogform gehalten ist, analysieren die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan und die Journalistin Jana Hensel die Konsequenzen, nämlich Ausgrenzung und Deklassierung.

Ihr Vorwurf: Die Mehrheitsgesellschaft stelle sich zu selten infrage. Das führe dazu, dass die Verwurzelung von Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland falsch gesehen worden sei. SWR2-Rezensentin Philine Sauvageot meint, Fouroutan und Hensel argumentierten sehr reflektiert und mit viel Fingerspitzengefühl. Ihr Urteil: „Die Gesellschaft der anderen“ ist eine „Aufräumarbeit, die hoffentlich weitere Debatten nach sich zieht.“  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

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