Gespräch

,,Judenbub“- Autor Rafael Seligmann über seine Jugend im Nachkriegsdeutschland

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INTERVIEW
Astrid Tauch

1957 kehrte der Schriftsteller Rafael Seligmann mit seinen Eltern aus Israel ins Nachkriegsdeutschland zurück. Von Anfang an sei er, der damals Zehnjährige, ein Außenseiter gewesen, sagt Seligmann in SWR2.

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Vor allem in der Schule, in der sich die Lehrer lustig machten über ihn: ,,Wenn der Lehrer ständig hetzt und vor meinen Klassenkameraden sagt, Du kannst ja kaum rechnen, wie willst Du denn später Deine deutschen Kunden übervorteilen? So entstehen Vorurteile“.

Als Jude sei man im Nachkriegsdeutschland physisch sicher gewesen, aber der Antisemitismus sei damals „ehrlich und offen“ gewesen. Heute verberge er sich hinter Antizionismus: ,,Gegen Juden hat man nichts, nur gegen Israelis“.

„Früher war es die Judensau, die in Wittenberg und an anderen Kirchen hängt. Und wenn wir jetzt nach Kassel zur Documenta schauen, sehen wir plötzlich wieder die Judensau, diesmal aus dem globalen Süden“.

Trotzdem will Seligmann optimistisch bleiben: ,,Wir Juden sind seit 1700 Jahren Teil der deutschen Geschichte. Wir gehören dazu, als Tatsache, als Bereicherung.“ Trotz der 6 Millionen Toten der Shoah sagt der Autor: „Die Zukunft müssen wir gestalten, nicht nur in Trauer, sondern auch in Lebensfreude.“

Rafael Seligmann stellt am 4. September, dem Europäischen Tag der jüdischen Kultur, in Ulm sein neues Buch vor.

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Astrid Tauch