Kulturmedienschau/01.04.2022

Putin kapert die russische Kultur und Bruce Willis hört auf

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AUTOR/IN
Julia Haungs

„Yippie ya yeah, Schweinebacke“ ist vermutlich einer der bekanntesten Sätze der Filmgeschichte. Gesagt hat ihn natürlich Bruce Willis in „Stirb langsam“. Jetzt beendet Willis seine Karriere aufgrund einer Krankheit. Und das Bedauern in den Feuilletons ist groß. Das ist eines der Themen der Kulturmedienschau. Zunächst geht es aber um die russischen Literaturklassiker, und wie Putin sie für seine Propaganda vereinnahmt.

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Ein absurdes Pantheon, gebaut vom Kreml

„Putins Regime verschlingt die Kultur“ titelt die Neue Züricher Zeitung und beschreibt, wie sich der Kreml aus den Geistesgrößen Russlands ein absurdes Pantheon zusammenbaut. Die Strategie ist laut NZZ perfide.

Statt den Kanon von unerwünschten Künstlern zu säubern, verleiben Putins Ideologen sie sich einfach ein: „In diesem imaginären russischen Pantheon sitzt beispielsweise der von Putin verehrte faschistische Philosoph Ivan Iljin neben Nikolai Berdjajew, dem Theologen, der an die existenzielle Rolle der menschlichen Freiheit glaubte. Ironischerweise waren die meisten der dort versammelten Geister dazu verurteilt, ihr Leben im Kampf mit verschiedenen Formen ebendieses Staates zu verbringen (oder zu verlieren).“ Heißt es in der NZZ.

Ein harter Typ, der seine Rollen später selbst ironisierte

Einer der ganz Großen in der Rolle des harten Typen, der noch in der ausweglosesten Situation einen Weg findet, seine Frau zu schützen, ist zweifelsohne Bruce Willis. Mit Filmen wie „Stirb langsam“, „Das fünfte Element“ oder „Pulp Fiction“ sicherte er sich einen festen Platz in der Ruhmeshalle der Popkultur.

Jetzt ist mit dem Filmen Schluss. Über Instagram verkündete Willis' Familie, dass der Schauspieler seine Karriere mit 67 Jahren beende. Willis leide an Aphasie, einer Sprachstörung, die seine kognitiven Fähigkeiten beeinträchtige. Spiegel-Online-Filmkritiker Lars-Olav Beier schreibt entsetzt: „Wir wollen das nicht glauben. Und lehnen strikt ab, dass er aufhört“.

Auf zeit Online würdigt Anke Sterneborg die lange Karriere von Willis, der sowohl durch seine Körperlichkeit überzeugte als auch durch seinen selbstironischen Witz: „Viele Hits hat Willis produziert und viele Flops eingesteckt, wie seine Helden hat er unermüdlich weitergeackert und es dabei auf fast 150 Rollen in 40 Karrierejahren gebracht. Nach den gebrochenen harten Männern von Hostage und 16 Blocks hat er die Rolle des alternden, zerknitterten und keuchenden Actionhelden seit 2010 weiter ironisiert.“

Film Ein Großer verlässt die Bühne: Bruce Willis beendet seine Schauspielkarriere

Kognitive Störungen, ausgelöst durch eine Aphasie, machen es Bruce Willis künftig unmöglich, zu schauspielern. In einem berührenden Statement verkündete die die Familie des Schauspielers sein Karriereende. Wir blicken zurück auf das vielseitige Schaffen des in Deutschland geborenen Hollywoodstars.  mehr...

Medizin Was ist Aphasie? Bruce Willis beendet wegen Krankheit seine Karriere

Bei Bruce Willis wurde Aphasie festgestellt. Der Hollywood-Star muss wegen der Krankheit seine Schauspielkarriere beenden. Aphasie ist eine Sprachstörung, die durch Schäden im Gehirn ausgelöst wird, zum Beispiel nach einem Schlaganfall.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Gespräch Die zwiespältige Rolle von Telegram: Zwischen Verschwörungstheorien und Medienfreiheit

Telegram ist im Moment einer der wenigen unzensierten Nachrichtenkanäle in Russland. Aber neben viel Information, finden sich auf Telegram auch viel Desinformation und Propaganda sagt Anna Biselli, Chefredakteurin von netzpolitik.org. Der Gründer von Telegram, Pawel Durow, hat Russland schon vor Jahren verlassen, dabei sich und seine Firma immer als „Verteidiger der Meinungsfreiheit inszeniert.“ Allerdings blieb Telegram in dieser Hinsicht in der Vergangenheit nicht immer konsequent, insgesamt verfolge der Messenger-Anbieter vor allem wirtschaftliche Interessen, meint Biselli.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Wie könnte sich Russland vom Internet abkoppeln?

Russland könnte bald seine Internetinfrastruktur vom Rest der Welt abkoppeln. Was das bedeutet erklärt Georg Carle, Experte für Netzinfrastruktur der TU München, im Gespräch mit SWR2 Kultur Aktuell. Und zwar heißt das nicht, dass die Kabel an der Grenze mit der Kneifzange durchtrennt werden, allerdings passiere virtuell etwas ähnliches, indem einzelne Adressbereiche blockiert würden. Schon jetzt sind die Angebote vieler Nachrichtenseiten in Russland geblockt, ähnlich könnten russische Behörden auch gegen die VPN-Seiten vorgehen, die dazu dienen, diese Blockierungen zu umgehen. Eine feinkörnigere Internetzensur nach chinesischem Vorbild wäre denkbar, meint Carle, bringe allerdings auch Nachteile. Daher hält er ein radikaleres Vorgehen russischer Behörden, etwa gegen die Benutzung des Tor-Browsers für unwahrscheinlich: „Das betrifft dann ja immer weniger Leute, die man dann noch zusätzlich abhalten kann auf irgendwelche Inhalte zuzugreifen.“  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Radio für die russischsprachige Community – Maria Kritchevski spricht über Krieg und fordert Frieden

Maria Kritchevski stammt aus Leningrad, hat in Düsseldorf studiert und leitet „Radio Russkij Berlin“. Sie berichtet auf Russisch über den Ukraine-Krieg und hat dafür den Sender-Namen geändert.  mehr...

SWR2 Tandem SWR2

Kommentar Russlands Propaganda und die Rolle der Großkonzerne

Der Krieg gegen die Ukraine wurde seit Jahren propagandistisch vorbereitet. Bereits 2014 stellten die staatlich kontrollierten TV-Sender in Russland die Ukraine als ein von Faschisten regierten Staat dar und riefen dazu auf, Europa, wie damals Stalin im Zweiten Weltkrieg, vom Faschismus zu befreien. Finanziert wurde das unter anderem mit Einnahmen aus Werbespots — mit dabei internationale Großkonzerne, auch aus Deutschland. Das Ergebnis muss eine Mahnung sein, in Zukunft besser hinzuschauen, bei wem man wirbt und wen man finanziert, meint unser Kommentator Thomas Franke.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Ukraine-Krieg produziert neue Heldenbilder – Selenskyj als David und Putin als Goliath

Der Ukraine-Krieg stellt infrage, ob wir wirklich in einem „postheroischen Zeitalter“ leben. Der Freiburger Soziologe Professor Ulrich Bröckling stellt im Gespräch mit SWR2 dar, dass die Produktion von Helden „ganz entscheidend“ für den Widerstand der Ukraine sei. Man dürfe aber nicht vergessen, dass Heldentum mit Tod und Sterben verbunden ist.  mehr...

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