Tagesgespräch

Platzeck: Ich habe das Gefühl, etwas völlig Sinnloses gemacht zu haben

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Matthias Platzeck, der Vorstandvorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, ist erschüttert nach den russischen Angriffen auf die Ukraine. Das Deutsch-Russische Forum habe seit 25 Jahren daran gearbeitet, genau diese Situation zu vermeiden, sagte er im SWR-Tagesgespräch. "Und jetzt steht man da, muss erleben, wie der russische Präsident alle Regeln des Zusammenlebens bricht und einen durch nichts und niemanden zu rechtfertigenden Überfall auf sein Nachbarland veranstaltet. Mir raubt das jetzt schon seit Tagen den Schlaf. Ich habe das Gefühl, etwas Falsches gemacht zu haben oder zumindest etwas völlig Sinnloses."

Platzeck habe immer dafür geworben, russische Sichten mit einzubeziehen, sie ernst zu nehmen und sie aufzunehmen. "Ich bin auch der Meinung, dass man heftig darüber streiten kann. Aber es gibt eine rote Linie: keine Gewalt." Dass Putin nun einen Krieg beginne, erinnere Platzeck ans vorvergangene Jahrhundert.

Platzecks Ansicht nach schadet sich der russische Präsident mit dem Krieg selbst: "Viele der Fragen, die in den vergangenen Jahren von der russischen Seite aufgeworfen wurden, haben eine gewisse Substanz. Alles das ist jetzt weggewischt. Kein Mensch wird mehr darüber reden. Denn: Wer Gewalt anwendet hat kein Recht mehr zu sagen: 'Jetzt müsst ihr mir mal in Ruhe zuhören.'"

Auch das russische Volk sehe die Vorgehensweise Putins zum Teil skeptisch. Nach Platzecks Gefühl waren bei der Annektion der Krim etwa 95 Prozent der Russen der Meinung, Putin habe das Richtige getan. "Das ist dieses Mal anders. Deshalb habe ich ein klein wenig Resthoffnung, dass aus der Elite heraus, aus der Gesellschaft heraus, vielleicht aus der eigenen Administration an irgendeinem Punkt gesagt wird: 'Es reicht.'"

Kulturmedienschau Friedenspreis für Serhij Zhadan kommt für die Ukraine zu spät | 28.06.2022

Der ukrainische Autor Serhij Zhadan wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022 ausgezeichnet, „für sein herausragendes künstlerisches Werk“, heißt es in der Begründung, „sowie seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft“. Eine Preisverleihung, die trotz ihrer zweifellosen Berechtigung auch ein bitteres Moment hat. Denn hätte die Öffentlichkeit dem Autor Serhij Zhadan schon früher die große Aufmerksamkeit erwiesen, die er jetzt erhält, wäre der Ukraine vermutlich einiges erspart geblieben.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Jana Puglierin (ECFR): G7-Gipfel sendet Zeichen der zeitlich unbegrenzten Unterstützung der Ukraine

Die Staats- und Regierungschefs der G7 hätten sich bemüht, ein Zeichen für die dauerhafte Unterstützung der Ukraine zu setzen, sagt die Politikwissenschaftlerin Jana Puglierin, Leiterin des Berliner Büros der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR), in SWR2: „“Insgesamt soll von dem Gipfel ein Signal der Stärke ausgehen, soll er zeigen, dass man der Ukraine nicht von der Seite weichen wird.“  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Auszeichnung auch für die Ukraine: Serhij Zhadan erhält Friedenspreis des deutschen Buchhandels

Für den ukrainischen Autor und Musiker Serhij Zhadan hat der Friedenspreis des deutschen Buchhandels enorme Bedeutung, sagt die Leiterin des Literaturhauses Stuttgart, Stefanie Stegmann, in SWR2. Das gelte aber auch für die Menschen in der Ukraine selbst. Denn der Preis werde unter den Künstlern noch mehr Aufmerksamkeit generieren.
Auch für Deutschland sei die Preisverleihung an Zhadan wichtig, ist Stegmann überzeugt. Sie könne dazu führen, dass wir uns detaillierter mit der Literatur und der Kulturgeschichte des Landes beschäftigten. In seinem Roman „ Internat“ scheine Zhadan den schrecklichen Krieg vorweggenommen zu haben, so Stegmann. Zur Zeit ist Zhadan in Charkiw, wo er Kriegsopfern hilft und versucht, mit Literatur und Musik den Menschen Mut zu geben. Stefanie Stegmann: „So wie Zhadan können im Moment Autoren aus der Ukraine und Dissidenten aus Russland kaum schreiben, sie sind wie gelähmt.“  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Tagesgespräch WFP-Deutschland-Chef Frick: Das gesamte Ernährungssystem muss geändert werden

Der Direktor des UN-Welternährungsprogramms WFP (World Food Programme) in Deutschland, Dr. Martin Frick, kritisiert den Ansatz, die Ernährungskrise nur durch Produktion von noch mehr Lebensmitteln zu lösen. Am Rande der Ernährungssicherungs-Konferenz der Bundesregierung sagte Frick im SWR2 Tagesgespräch, es sei viel sinnvoller, sich das gesamte Ernährungssystem inklusive der Konsum-Seite anzuschauen: “Dazu gehören gewaltige Mengen Lebensmittelverschwendung in Entwicklungsländern, weil Kühlketten und einfache Lebensmittelverarbeitung fehlt. Wir müssen uns auch anschauen, dass in Deutschland drei Viertel des Getreides gar nicht auf dem Teller landet, sondern im Viehtrog und im Tank.”
Generell sei die Fokussierung auf die drei Sorten Weizen, Mais und Reis - die 40 Prozent der globalen Kalorien ausmachten - gefährlich. “Das ist in jeder Hinsicht ungesund. Das ist geopolitisch schwierig, weil man erpressbar ist, das ist für Biodiversität und Klima eine Katastrophe - und für die Ernährung der Menschen und die Entwicklung zu Übergewicht und Herzkrankheiten.“ Die Antwort laute dort, ”besser mit den Ressourcen umzugehen, den Anbau zu diversifizieren, kleinteiliger zu werden, alte Sorten wieder zu beleben und unsere Ernährung so breit aufzustellen, wie sie das vor gar nicht so langer Zeit noch war.”  mehr...

SWR2 Aktuell SWR2

Tagesgespräch Europaparlaments-Vizepräsidentin Barley: Ukraine und EU brauchen Reformen

Die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley (SPD), betont, dass sich alle Länder der Europäischen Union einig darüber seien, dass die Ukraine in die EU aufgenommen werden soll. Im SWR2 Tagesgespräch sagt sie, dass der Weg dorthin allerdings noch weit sei: "Es besteht auch eine Einigkeit darüber, das der Beitritt selbst erst erfolgen kann, wenn alle Voraussetzungen erfüllt werden, die auch alle anderen Staaten erfüllen müssen." Bei allen Kriterien - politisch, wirtschaftlich und juristisch - sei noch sehr viel zu tun. Es müsse sich aber nicht nur die Ukraine verändern - auch die EU brauche Reformen. Die größte und sichtbarste Baustelle sei das Prinzip der Einstimmigkeit: "Es geht nicht, dass ein Land wie Ungarn wichtige Fragen blockiert aus ganz egoistischen und sehr fragwürdigen Motiven." Außerdem müsse die "veraltete Agrarpolitik" der Europäischen Union überdacht werden, wenn die Ukraine als sehr großes, landwirtschaftlich geprägtes Land in die EU eintrete.  mehr...

SWR2 Aktuell SWR2

Diskussion Konfliktlöser Europa? Perspektiven für den westlichen Balkan

Wenn die Europäische Union auf ihrem heutigen Gipfel über mögliche Beitrittsperspektiven für die Westbalkanländer verhandelt, dann geht es nicht nur um Rechtsstaatsprinzipien und die Bekämpfung der Korruption. Beim Dauerkonflikt zwischen Serbien und Kosovo oder beim möglichen Zerfall Bosniens stellt sich die Frage nach Krieg und Frieden. Wie kann Europa die Nationalitätenkonflikte lösen? Gefährden instabile Demokratien die Union? Wie weit geht die EU, um den Einfluss von Russen, Chinesen und Saudis im Osten Europas zurückzudrängen? Claus Heinrich diskutiert mit Prof. Dr. Marie-Janine Calic - Osteuropahistorikerin, Ludwig-Maximilians-Universität München, Srdjan Govedarica - ARD-Studio Südosteuropa, Wien, Majda Ruge - European Council on Foreign Relations, Berlin  mehr...

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Diskussion Irgendwas statt Russengas – Wie schnell geht die Energiewende?

Deutschland ist in einer heiklen Lage: der russische Präsident Putin testet unser Energiesystem, dreht uns ganz langsam den Gashahn zu. Seit Monaten müht sich die Regierung um alternative Energien. Ausbau der Erneuerbaren, Flüssiggas-Terminals, notfalls sollen Kohlekraftwerke verstärkt laufen. Sind wir auf einem guten Weg, auf dem richtigen? Werner Eckert diskutiert mit Prof. Dr. Bruno Burger - Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), René Höltschi - Wirtschaftskorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), Prof. Dr. Kristine Kern - Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung  mehr...

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Tagesgespräch WWF-Experte: Rukwieds Brachflächen-Vorstoß ist zu simpel

Der WWF kritisiert den Vorstoß des Bauernverbandes, die Lebensmittelproduktion in Deutschland auszuweiten. Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied hatte auf dem Bauerntag in Lübeck angeregt, dafür auch Brachflächen zu nutzen. Diese simple Forderung entspreche nicht der Komplexität der Realität, urteilt der Koordinator für Agrar- und Landnutzungspolitik des WWF Deutschland, Johann Rathke, im SWR2 Tagesgespräch. Einerseits seien die ausfallenden Getreideexporte aus der Ukraine und Russland mit deutscher Mehrproduktion gar nicht aufzufangen. Andererseits brauche es die Brachflächen um das Artensterben etwa von Vögeln und Insekten aufzuhalten: “Wenn wir jetzt Anfangen diese Flächen temporär für ein, zwei oder drei Jahre auszusetzen, dann haben wir ökologische Kosten, die sich auf die nächsten fünf bis zehn Jahre auswirken. Und das ist etwas, das können wir uns angesichts der dramatischen Situation und auch der Biodiversitätskrise in der Agrarlandschaft nicht mehr leisten”, so Rathke.  mehr...

SWR2 Aktuell SWR2

Gespräch Vor Scholz-Besuch in der Ukraine: Keine politische Aufarbeitung der Russlandpolitik in Sicht

Auch nach der Zeitenwende-Rede von Olaf Scholz sieht die Osteuropa-Historikerin Franziska Davies keine Verbesserung im deutschen Verhältnis zur Ukraine. In Deutschland fehle uns die Erfahrung, dass ein „Nie wieder Krieg“ manchmal auch mit Waffen verteidigt werden muss, sagt Davies anlässlich des geplanten Besuchs von Bundeskanzler Scholz in der Ukraine.  mehr...

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