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Der Strafprozess um die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019 geht mit den Plädoyers der Anklage in seine Endphase. Die Zugehörigkeit des Haupttäters Stephan Ernst zu mehreren rechtsextremistischen Organisationen zeige, dass er Teil eines Netzwerks gewesen sei, so der Rechtsextremismus-Experte Hans Gerd Jaschke in SWR2.

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Ohnehin sei die oft wiederholte These von rechtsextremistischen Einzeltätern überholt, denn immer wieder habe sich feststellen lassen, dass sich solche Täter in extremistischen Netzwerken radikalisierten. Allerdings sei es nicht wahrscheinlich, dass der Prozess zu einer Aufklärung der Rolle des mutmaßlichen Mittäters Markus H. führen werde.

Dass er aus der Untersuchungshaft entlassen worden sei, deute darauf hin, dass man ihm eine Tatbeteiligung nicht nachweisen und seine Rolle in dem Mordfall Lübcke nicht aufgeklärt werden könne. Ohnehin müsse man die strafrechtliche Aufarbeitung des Mordes an Walter Lübcke von der politischen Debatte um den Rechtsextremismus in Deutschland trennen.

Hans-Gerd Jaschke ist Politikwissenschaftler und leitete bis zu seiner Pensionierung 2018 den Studiengang Sicherheitsmanagement an der Berlin Professional School. Schwerpunkt seines Forschungsinteresse gilt der Erforschung des Rechtsextremismus in Deutschland.

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