Gespräch

Osteuropa-Experte der Uni Mainz zum Ukraine-Krieg: Putin will zurück zum Zarenreich

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INTERVIEW

Eine Personalisierung des Kriegs in der Ukraine als „Putins Krieg“ ist nach Ansicht des Mainzer Osteuropahistorikers Jan Kusber völlig gerechtfertigt. Im Gespräch mit SWR2 begründet das der Leiter des Arbeitsbereichs Osteuropäische Geschichte: „Weil er die Entscheidung gegeben hat, weil er ein Machtgefüge um sich aufgebaut, das auf ihn ausgerichtet ist, weil es viel Menschen in Russland gibt, die sich gegen den Krieg positioniert haben.“

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Putin orientiert sich an der Vergangenheit

Dem russischen Präsidenten attestiert Kusber ein „sehr selektives Geschichtsbild“, das sich an längst vergangenen Zeit orientiert — am Zarenreich. „Zu diesem Imperium gehören für ihn Belarus, aber vor allem die Ukraine — er sieht die Ukrainer als verkappte Russen.“ Nicht zu unterschätzen sei dabei die Rolle der Religion.

„Für Putin ist es ungeheuer wichtig, dass er Zugriff hat auf die Stätten, von den die Christianisierung der 'Rus' ausging“, urteilt Kusber. Dazu zähle auch Kiew, weil dort — mit dem Höhlenkloster — eine der wichtigsten Stätten der Orthodoxie zu finden sei. „Das Ziel ist die Wiederherstellung der russischen Welt — russkjy mir“, bilanziert der Professor für Osteuropäische Geschichte.

Der Krieg könnte noch lange dauern

Wie der Krieg beendet werden kann ist nach Ansicht von Kusber noch völlig unklar, denn es sei für Putin schwierig, ohne einen Gesichtsverlust aus der Geschichte herauszukommen.“ Kusbers Prognose lautet daher: „Wir müssen uns auf einen längeren Krieg in der Ukraine einstellen, weil die Menschen dort weiterhin Widerstand leisten werden.“

Kulturmedienschau Nach offenem EMMA-Brief, nun ZEIT-Appell: „Abrüstung in der Ukraine, jetzt!“ | 30.6.2022

Es ist noch nicht so lange her, da veröffentlichte das Magazin EMMA einen offenen Brief an Kanzler Scholz, wo 28 Intellektuelle und Künstler:innen forderten, keine schweren Waffen an die Ukraine zu liefern, denn es drohe sonst der 3. Weltkrieg. Nun haben in ZEIT unter anderem mehrerer dieser Verfasser:innen einen Appell zum Waffenstillstand veröffentlicht. Zudem die Meldung: Das gesellschaftspolitische Magazin „Rappler“ rund um Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa auf den Philippinen wird von der Politik geschlossen.  mehr...

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Gespräch Sicherheitsexperte zum NATO-Gipfel in Madrid: Neue Angriffspläne Russlands im Keim ersticken

Die Erweiterung der NATO und auch die neue Einschätzung Russlands als strategische Bedrohung bedeute nicht, dass das Militärbündnis seine Politik der Nichteinmischung in den Ukraine-Krieg ändern werde, sagt Oliver Thränert in SWR2, Sicherheitsexperte am Center for Security Studies der ETH Zürich. Die Entschlüsse auf dem NATO-Gipfel in Madrid zu einer verstärkten Präsenz neuer Kontingente im Baltikum, in Polen und Rumänien diene aber dazu, neue Angriffspläne Russlands möglichst im Keim zu ersticken.  mehr...

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Kulturmedienschau Friedenspreis für Serhij Zhadan kommt für die Ukraine zu spät | 28.06.2022

Der ukrainische Autor Serhij Zhadan wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022 ausgezeichnet, „für sein herausragendes künstlerisches Werk“, heißt es in der Begründung, „sowie seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft“. Eine Preisverleihung, die trotz ihrer zweifellosen Berechtigung auch ein bitteres Moment hat. Denn hätte die Öffentlichkeit dem Autor Serhij Zhadan schon früher die große Aufmerksamkeit erwiesen, die er jetzt erhält, wäre der Ukraine vermutlich einiges erspart geblieben.  mehr...

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Forum Krisengipfel der G7 – Kann sich der Westen neu erfinden?

Michael Risel diskutiert mit
Prof. Dr. Ulrich Brand, Politikwissenschaftler, Universität Wien
Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion beim „Tagesspiegel"
Dr. Ursula Weidenfeld, freie Journalistin, Berlin  mehr...

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Tagesgespräch Europaparlaments-Vizepräsidentin Barley: Ukraine und EU brauchen Reformen

Die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley (SPD), betont, dass sich alle Länder der Europäischen Union einig darüber seien, dass die Ukraine in die EU aufgenommen werden soll. Im SWR2 Tagesgespräch sagt sie, dass der Weg dorthin allerdings noch weit sei: "Es besteht auch eine Einigkeit darüber, das der Beitritt selbst erst erfolgen kann, wenn alle Voraussetzungen erfüllt werden, die auch alle anderen Staaten erfüllen müssen." Bei allen Kriterien - politisch, wirtschaftlich und juristisch - sei noch sehr viel zu tun. Es müsse sich aber nicht nur die Ukraine verändern - auch die EU brauche Reformen. Die größte und sichtbarste Baustelle sei das Prinzip der Einstimmigkeit: "Es geht nicht, dass ein Land wie Ungarn wichtige Fragen blockiert aus ganz egoistischen und sehr fragwürdigen Motiven." Außerdem müsse die "veraltete Agrarpolitik" der Europäischen Union überdacht werden, wenn die Ukraine als sehr großes, landwirtschaftlich geprägtes Land in die EU eintrete.  mehr...

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Song des Monats Der Juni-Song von Lars Reichow: Stell Dir vor, es ist Krieg

Seit Beginn des brutalen russischen Angriffskriegs auf die Ukraine durchleben viele von uns eine unerträgliche Ohnmacht. Manche können die schrecklichen Nachrichten nicht mehr ertragen und schalten ab. Und Lars Reichow? Der wünscht sich einmal mehr, er könnte mit einem Lied ansingen gegen den Krieg und die Welt verändern...  mehr...

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Gespräch Gerald Knaus: „Kandidatenstatus für die Ukraine darf nicht zur Warteschleife werden“

Die EU könne der Ukraine schneller und besser helfen als durch den Status als Beitrittskandidat, sagt der Migrationsforscher und Politikberater Gerald Knaus. Der Status sei zwar die richtige Entscheidung, aber: Anstatt die zermürbende Erfahrung einer jahrzehntelange Warteschleife von Ländern wie Nordmazedonien oder Bosnien zu wiederholen, könne die EU dem Land Zugang zu den vier Grundfreiheiten bieten: Freizügigkeit für Menschen, Waren, Dienstleistungen und Kapital. Das sei ein konkretes und erreichbares Ziel.  mehr...

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Gespräch Marieluise Beck: Kein Verständnis in der Ukraine für deutsche Zurückhaltung

„Bittere Müdigkeit“ herrsche in der Ukraine angesichts der deutschen Zögerlichkeit bei Waffenlieferungen, sagt die ehemalige Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck. Sie ist kurz vor dem geplanten Besuch von Bundeskanzler Scholz in der Ukraine nach Charkiw und Kiew gereist.  mehr...

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Gespräch Vor Scholz-Besuch in der Ukraine: Keine politische Aufarbeitung der Russlandpolitik in Sicht

Auch nach der Zeitenwende-Rede von Olaf Scholz sieht die Osteuropa-Historikerin Franziska Davies keine Verbesserung im deutschen Verhältnis zur Ukraine. In Deutschland fehle uns die Erfahrung, dass ein „Nie wieder Krieg“ manchmal auch mit Waffen verteidigt werden muss, sagt Davies anlässlich des geplanten Besuchs von Bundeskanzler Scholz in der Ukraine.  mehr...

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