Gesellschaft

Ohne Impfnachweis kein Museum: Proteste gegen den Greenpass in Italien

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Seit Freitag geht ohne ihn in Italien fast nichts mehr: Der Impfnachweis per Greenpass ist Voraussetzung für den Eintritt in Museen, archäologischen Stätten und Sehenswürdigkeiten.

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Kulturschaffende halten die Vorgaben für umständlich

Doch der Greenpass stößt nicht nur auf Zustimmung: Viele Museumsdirektor*innen und Kulturschaffende finden die Vorgaben zu umständlich.

Der Direktor des Museums der Cappella Sansevero in Neapel etwa trat am Montag aus Protest gegen den, wie er ihn nennt, „Greenpass-Zwang“ als Zugangsberechtigung zurück. Andere Museumsdirektor*innen planen einen gemeinsamen Protest beim Kulturminister.

Nur der EU-Greenpass wird akzeptiert, das gelbe Impfbuch nicht

Maria Gazzetti ist Direktorin des einzigen deutschen Museums im Ausland, der Casa di Goethe in Rom. Auch sie kritisiert die strenge Greenpass-Vorschrift.

Gazzetti zufolge handelt es sich um eine entschieden überzogene Vorgabe: „Wir haben schon strenge Zutrittsregeln seit eineinhalb Jahren. Von Fiebermessen bis Mundschutz, vorgeschriebenem Parkour und nicht mehr als fünf Besucher*innen in einem Raum. Also Museen sind sicherlich nicht der Überfüllung verdächtig und man redet in der Regel auch nicht so viel im Museum“.

Das Problem sei auch, so die Direktorin des römischen Goethemuseums, dass nur der EU-Greenpass akzeptiert wird, nicht die altbekannten Impfpässe. Kontrolliert wird die Authentizität des vorgezeigten EU-Greenpasses in Italiens Museen mit Hilfe einer App. Sie verifiziert den so genannten QR-Code des Passes.

Tourist*innen aus vielen Ländern dürfen so nur noch getestet in die Museen

Das in Deutschland gebräuchliche gelbe Impfbuch der Weltgesundheitsorganisation hat keinen solchen QR-Code. Das ist vor allem ein großes Problem für besonders viel besuchte Museen, wie die vatikanischen Museen.

Rund 20 Prozent ihrer Besucher*innen kommen aus Russland und China. Nach den geltenden Bestimmungen dürfen sie jetzt nicht mehr die Kunstschätze der Päpste sehen.

Unverständlich ist auch, dass man auf dem riesigen archäologischen Areal des Forum Romanum und im Kolosseum nicht nur eine Atemschutzmaske tragen muss, obwohl man sich unter freiem Himmel bewegt, sondern dazu auch noch einen EU-Greenpass vorzeigen muss.

Die Regierung weist die Kritik von sich und verweist auf Impfungen und Tests

Die ganze Regelung sei nicht durchdacht und zu schnell entschieden worden, klagt die in Rom lebende deutsche Kunsthistorikerin und Reiseführerin Eva Clausen: „Pauschal von Museen zu sprechen, ohne zu differenzieren, welchen Besucheransturm die einzelnen Museen haben, das halte ich dann für sinnlos. Museum ist nicht gleich Museum. Das zeugt dann letztendlich von einer gewissen Kulturfeindlichkeit, zumindest von Unkenntnis des Facettenreichtums der Kultur“.

Die Regierung verteidigt sich gegen diese scharfe Kritik – und verweist auf die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, oder das negative Ergebnis eines Schnelltests qua Nasenabstrich vorzulegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Doch für einen solchen Schnelltest muss man nicht selten Schlange stehen vor Apotheken, die Resultate abwarten und die Tests alle zwei Tage erneuern. Keine unbedingt lustfördernde Urlaubsbeschäftigung.

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