Gespräch

Offene Briefe in EMMA und ZEIT zum Ukraine-Krieg: „Mit alten Rezepten ist die Zukunft kaum zu gewinnen“

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Max Bauer

Es sei nicht ungewöhnlich, dass sich Intellektuelle in Fragen von Krieg und Frieden mit offenen Briefen positionieren, sagt der Historiker Martin Sabrow in SWR2. Ungewöhnlich sei allerdings, dass sich sehr nahestehende politische Lager zu so unterschiedlichen Konsequenzen bekennen, wie in den beiden offenen Briefen zu Waffenlieferungen an die Ukraine in der Zeitschrift Emma und in der ZEIT.

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Rezepte des Kalten Krieges nicht mehr zielführend

Die Grundannahme sei bei beiden offenen Briefen dieselbe: Solidarität mit der Ukraine auf der einen Seite und auf der anderen, dass ein zentrales Ziel die Vermeidung eines atomaren Dritten Weltkrieges sein müsse.

Aus historischer Sicht sei zu bemerken: Die Rezepte der Vergangenheit, wie der Grundsatz der neuen Ostpolitik „Wandel durch Annäherung“, seien in der Zeit des Kalten Krieges richtig gewesen, mit den alten Rezepten lasse sich aber offenbar die Zukunft nicht mehr gewinnen.

„Russland wird man nicht besiegen und die Ukraine darf nicht verlieren“, zwischen diesen beiden Äußerungen bewegten sich Politik und öffentliche Debatte derzeit auf einer Gratwanderung, so Martin Sabrow. Im Einzelnen führe diese Gratwanderung zu sehr umstrittenen Entscheidungssituationen, wie man an der Frage der Waffenlieferung an die Ukraine sehe.

Martin Sabrow ist ehemaliger Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam und Sprecher des Leibniz-Forschungsverbunds „Wert der Vergangenheit“.

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SWR2 am Morgen SWR2

Kulturmedienschau Neuer offener Brief von Prominenten um Ralf Fücks fordert Waffen für die Ukraine | 5.5.2022

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