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Novalis und die Blaue Blume – Wie verführerisch ist die Romantik?

STAND

Martin Durm diskutiert mit
Prof. Dr. Wolfgang Bunzel, Leiter der Abteilung Romantik-Forschung im Freien Deutschen Hochstift
Prof. Dr. Jochen Hörisch, Literaturwissenschaftler
Nils Minkmar, Süddeutsche Zeitung

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Der 250. Geburtstag des Dichters Novalis passt nicht so ganz zur aktuellen Nachrichtenlage: Krieg, Corona, Angst vor der Zukunft … die Welt, in der wir leben, wirkt mitnichten verzaubert und schön, eher brutal und bedrohlich.

In literarischen Kreisen wird Novalis gefeiert. Historiker hingegen tun sich schwer mit ihm und der deutschen Romantik.

Ist sie eine unselige Schwärmerei? Oder hat sie unsere Weltsicht bereichert?

Porträt zum 250. Geburtstag Der Dichter Novalis und die Romantisierung der Welt

Der Frühromantiker Novalis gilt bis heute als schwärmerischer Dichter. Dabei war er ein experimenteller Denker. Er litt an der geistigen Verflachung seiner Zeit und wollte eine Versöhnung von Mensch und Natur.  mehr...

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Gespräch Zum 250. Geburtstag von Novalis – Sicher nicht der geistige Vater der deutschen Impfskepsis

Der Dichter Friedrich von Hardenberg, der sich selbst Novalis nannte, geboren am 2. Mai 1772, musste schon als Pate für vieles herhalten: Geistiger Vater der Romantik, Vordenker der Impfskeptiker und der Anthropologen. Der Literaturwissenschaftler Herbert Uerlings sagte bei SWR2, er habe „tief geseufzt“, als er die vor Kurzem in der ZEIT erschienene Einlassung gelesen habe, dass die Romantiker, allen voran Novalis, die Urheber der deutschen Impfskepsis seien.
„Nicht schon wieder“, sagt Uerlings, „es ist und bleibt Unsinn. Zu Novalis Zeit gab es noch keine Impfungen. Er konnte weder dafür noch dagegen sein. Richtig ist, dass er sich mit den Pocken beschäftigt hat. Das war die Pest seiner Zeit und es gab Todesfälle in seiner Familie.“ Laut Aufzeichnungen habe Novalis überlegt, dass man die Krankheit der Pocken am besten mit der Krankheit selbst bekämpfen sollte. Genau das wurde später ausprobiert. Insofern sei das Prinzip der Impfungen auch eine romantische Idee. Novalis selbst habe sich sehr für Naturwissenschaften interessiert.
Uerlings wolle damit nicht alle Anthropologen verurteilen, die sich Novalis als Stichwortgeber aneignen. „Sicher ist Novalis ein Hausheiliger der Anthropologie. Solche Aneignungen machen wir alle“, sagt Uerlings, „aber als Germanist bin ich natürlich dazu verpflichtet, das in seinem historischen Kontext zu sehen. Und was den Naturbegriff bei Novalis angeht, da würde ich bei ihm das Kreative betonen, den schöpferischen Umgang mit der Tatsache, dass wir alle Naturwesen sind.“ Und die Einheit zwischen Natur und Schöpfung zu finden sei eine unendliche Aufgabe. Dass sei dann eine typisch romantische Aussage.
Sowohl die Vorstellung eines deutschen Nationalcharakters der Romantik, als auch die Möglichkeit, die Romantik an sich als etwas kompaktes, eindeutiges greifen zu können hält Uerlings für unsinnig. Dabei seien immer wieder schiefe Bilder entstanden. Wie etwa die Vorstellung seit „Gefühl ohne Verstand“, oder sogar „Gefühl gegen den Verstand“. „Das hängt zusammen mit dem deutschen Konservatismus und der deutschen Frontstellung gegen Frankreich.“  mehr...

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SWR2 lesenswert Feature Tiere der Romantik – Von Löwen, Läusen und Nachtigallen

Der romantische Geist liebt das Märchen, das Fantastische, das Unsichere und Verunsichernde - und die Tiere. Nachtigallen und Katzen, Orang-Utans, Löwen und selbst Läuse spielen in den Texten der europäischen Romantik eine größere Rolle als in anderen literarischen Epochen. Die Tiere konfrontieren den Menschen der Aufklärung mit den Entfremdungserfahrungen in einer rationalistischen Welt.
In der englischen Romantik blüht zudem ein bis heute aktueller sozialkritischer Vegetarismus auf: Frankensteins Monster ist aus Schlachthofabfällen zusammengesetzt. Es verkörpert die geschändete Kreatur - und es isst kein Fleisch.  mehr...

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