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Nicht Algorithmus, sondern Mechanismus: Rechte Inhalte werden im Netz stark gepusht

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„Auch ganz ohne Algorithmen wird all das, was Dummheit ist, wo widersprochen werden muss, wo Leute sich drüber aufregen, gepusht. Das ist das Wesen der Aufmerksamkeitsökonomie“, sagt Padeluun, Künstler und Netzaktivist vom Grundrechte- und Datenschutzverein „Digitalcourage“.

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Die meisten haben das Problem noch nicht erkannt

Linke Themen hätten leider nicht so viel Polterpotential, weil da viel Konsens bestehen würde. Auf die Frage, was das Aussage über die Nutzer, wenn rechte Inhalte und rechte Akteure stärker im Netz geklickt werden würden, meint Padeluun, das werfe ein Licht auf die mangelnde Medienkompetenz der Nutzer*innen.

Immer wieder würde man sich von „Trollereien antriggern“ lassen, da hätten wir alle noch viel an Medienkompetenzübungen zu machen. Und die meisten hätten das Problem auch noch nicht erkannt.

Es sind nicht die Algorithmen, die die Gesellschaft kaputt machen, sondern die Mechanismen

Deutschland sei angeblich laut Twitter das einzige von sieben untersuchten Ländern, in dem es auf Twitter keine „rechte Algorithmus-Logik“ gäbe. Warum Twitter das gerade jetzt verkünde, hänge, meint Padeluun, mit den derzeitigen Koalitionsverhandlungen über Netzregulierung zusammen.

Twitter wolle verhindern, dass eine starke Regulierung komme. Und nicht stark zu regulieren, davor könne er die Verhandler nur warnen. „Das betrifft nicht nur Twitter. Das betrifft in besonderem Maße Twitch und Instagram und Facebook. Da muss extrem hart reguliert werden, in meinen Augen sogar diese Art von Medien komplett verboten werden. Denn es sind nicht Algorithmen, die die Gesellschaft an der Stelle kaputt machen, sondern es sind die Mechanismen, die mit dieser Art Medien nicht in Griff zu bekommen sind,“ so Padeluun.

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