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Neueröffnung des Zentralarchivs zur Geschichte der Juden in Heidelberg: „Ein besonderer Wert“

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Dass es nach der Shoa — dem nationalsozialistische Massenmord an den Juden und Jüdinnen Europas — wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt, ist ein großes Wunder. Die Erinnerung daran und die Geschichte diese jüdischen Gemeinden bewahrt das Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland in Heidelberg auf. Seit 1987 besteht das vom Zentralrat der Juden in Deutschland getragene Archiv. Nun unterstützt das Bundesinnenministerium die Aufgaben des Zentralarchivs und hebt es damit auf den Rang von Bundes- und Landesarchiven

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Ein Einblick in jüdisch-deutsche Zeitgeschichte

Seit 16 Jahren leitet Dr. Ittai Joseph Tamari das „Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland“ in Heidelberg. Dort werden Dokumente des Neubeginns jüdischen Lebens in Deutschland nach der Shoa gesammelt. Für Tamari etwa ist es ein Moment von besonderem Wert, wenn er im Archiv die Möglichkeit bekommt, Texte zum damaligen Zeitgeschehen in jiddischer Sprache zu lesen.

In den neuen Räumlichkeiten in der ehemaligen Zigarrenfabrik Landfried lagern die Archive von ungefähr einem Drittel der heute 143 jüdischen Gemeinden und Verbände in Deutschland, die diese dem Zentralarchiv anvertraut haben. Hier werden die Dokumente aufbewahrt, verzeichnet, digitalisiert und für die Forschung zur Verfügung gestellt.

Zwei Alben aus Lodz, die Schuhe und Stiefel zeigen (Foto: SWR, Eberhard Reuß)
Zwei Alben aus Łódź, damals Litzmannstadt: Hunderte jüdische Konzentrationslagerinsass*innen fertigten Schuhe und Stiefel für Wehrmacht und deutsche Bevölkerung — auch ihre selbstständig angefertigten Qualitätsmuster konnten die Ermordung nicht abwenden. Eberhard Reuß

Archiv-Spuren antisemitischer Gewalt

Darunter auch Dokumente der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die nach dem Brandanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in der Münchener Reichenbachstraße vom 13. Februar 1970 aus den Flammen gerettet werden konnten. Sieben jüdische Mitbürger*innen, darunter Überlebende der Shoa, starben einen fürchterlichen Tod in den Flammen. Die Täter*innen von damals konnten bis heute nicht endgültig ermittelt werden — Spuren ins linksextremistische Milieu und zur RAF wurden zuletzt diskutiert. Das Schicksal ihrer Opfer wird im Zentralarchiv vor dem Vergessen bewahrt.

Gespräch Angekommen! Jüdische Autor*innen schreiben in Deutschland

„1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ – das wird dieses Jahr gefeiert. Denn ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 belegt, dass damals bereits Jüdinnen und Juden in Köln lebten. Trotz der schweren Pogrome zu Beginn des Ersten Kreuzzugs (1096), während der Pest (1349) und auch trotz des noch immer unfassbaren Holocaust im 20. Jahrhundert leben bis heute Jüdinnen und Juden in Deutschland. In den letzten Jahrzehnten nimmt ihre Zahl sogar stark zu: durch den Zuzug osteuropäischer Juden aus der ehemaligen Sowjetunion und auch weil Berlin bei Israelis besonders beliebt ist. Viele Autorinnen und Autoren sind darunter, und sie bereichern das literarische Leben in Deutschland. Der Kritiker Carsten Hueck kennt die Details.
Carsten Hueck freut sich auf den Roman „Schicksal“ von Zeruya Shalev, der Ende Mai im Berlin-Verlag erscheint, und empfiehlt:
Chaim Grade: „Von Frauen und Rabbinern“
Aus dem Jiddischen von Susanne Klingenstein, Die Andere Bibliothek, 44 Euro.
Tomer Gardi: „Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück“
Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer, Droschl, 20 Euro.  mehr...

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Ein friedliches Miteinander aller ist das Anliegen der Mannheimerin Rita Althausen. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde freut sich auf das Festjahr #2021jlid und hofft, dass Corona gemeinsames Feiern erlaubt.   mehr...

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