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Eine Rückkehr zur „Normalität“ nach der Pandemie dürfe es nicht geben, so der Heidelberger Philologe Tobias Bulang in SWR2. In der Geschichte hätten Pandemien soziale Probleme zwar immer verschärft, vor allem aber den Reformbedarf sichtbar gemacht. Immer hätten danach große Anstrengungen eingesetzt, beispielsweise Hygiene- und Quarantänemaßnahmen zu verbessern.

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Nach den letzten Cholerawellen im 19. Jahrhundert sei mit größtem Aufwand das Wasser-Klosett eingeführt, eine städtische Kanalisation geschaffen worden. „Man hat die Städte unterirdisch im Grunde noch ein zweites Mal gebaut“, erklärt Bulang.

Im Vergleich zum Elend der Städte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sei das ein Quantensprung gewesen. An solchen Fortschritten müsse man sich jetzt wieder orientieren, statt sich etwas „fantasielos“ die Sorglosigkeiten der Konsumgesellschaft wieder herbeizuwünschen.

Die Corona-Pandemie zeige, dass Menschen, die im Niedriglohnsektor oder als Lohnsklav*innen arbeiten müssten, zu Infektionstreibern werden könnten: „Wenn wir dort infektions-präventive Maßnahmen machen, kümmern wir uns gleichzeitig um eine gerechtere Gesellschaft für uns alle.“

Aula Pocken, Pest und Vogelgrippe – Alte und neue Pandemien

Was haben die Menschen aus den großen Pandemien Pest, Pocken und Cholera gelernt, was aus den Influenza-Pandemien der Moderne? Haben diese Katastrophen uns gewappnet für den Kampf gegen das Corona-Virus? Von Wolfgang U. Eckart  mehr...

SWR2 Wissen: Aula SWR2

Gespräch Warum die Coronakrise auch die Hungerkrise befeuert

Die Coronakrise trifft die ohnehin schon Schwachen am härtesten. Das gilt auch im globalen Maßstab. Jahrzehntelang hatte es weltweit weniger Hunger gegeben, bis 2020. Betroffen sind vor allem Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, sagt Marita Wiggerthale, Ernährungsexpertin bei Oxfam, im Gespräch mit SWR2. Denn wegen der Pandemie wurden viele informelle Märkte geschlossen, so dass gerade Kleinbauern ihre Produkte nicht mehr verkaufen konnten. Hier erklärt Wiggerthale, wie sich die Coronakrise zur Hungerkrise entwickelt hat.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Pandemie-Angst damals und heute: Neues Pest-Buch „Die Macht der Seuche“

An der Pest ist im 14. Jahrhundert jeder dritte Mensch in Europa zugrunde gegangen. Im Vergleich zur gegenwärtigen Corona-Pandemie sei die Mortalität also weitaus höher gewesen, erklärt der Historiker Volker Reinhardt im Gespräch mit SWR2. Und natürlich zeige etwa die Entwicklung eines Impfstoffs, dass sich die technischen und medizinischen Möglichkeiten seit dem Mittelalter verändert haben.
Dennoch bemerkt Reinhardt, der Geschichte an der Universität Freiburg in der Schweiz lehrt, auch Ähnlichkeiten im Umgang mit beiden Pandemien: „Menschen reagieren auf derartige Situationen häufig ähnlich“, so Reinhardt. „Die große Gemeinsamkeit ist die Angst, das Gefühl der Bedrohung aus dem Unbekannten.“ So seien etwa damals wie heute Verschwörungstheorien verbreitet gewesen.  mehr...

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